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In die Biotonne gehören auch nur Bioabfälle. Ob sich die Bürger daran halten, das überprüfen ab Montag Studenten gemeinsam mit der GfA im Lüneburger Stadtteil Mittelfeld. Foto: be

Studenten gucken in die Biotonne

Lüneburg/Bardowick. Eigentlich ist es ganz einfach: Bioabfälle gehören in die Bio-, der Restmüll in die graue Restmülltonne. Trotzdem haben manche Zeitgenossen offenbar Probleme bei der Sortierung. Aus Faulheit, aus Unwissenheit – oder weil es ihnen einfach egal ist, in welcher Tonne ihr Abfall letztlich landet. „Fehlwürfe“ nennen Mitarbeiter des Müllentsorgers GfA den Abfall, der in der falschen Tonne landet und den sie am Fließband auch per Hand mühsam aussortieren müssen.

Kein Job für sensible Nasen: Von der benutzten Windel über halb verweste Haustiere bis hin zu Unterwäsche oder Gartengeräten – „es gibt eigentlich nichts, was die Kollegen noch nicht aus dem Biomüll rausfischen mussten“, weiß GfA-Mitarbeiterin Katja Richter.

Studenten begleiten GfA-Müllwerker

Gemeinsam mit Studenten der Leuphana Universität startet die GfA deshalb ab Montag, 15. Oktober, ein Pilot-Projekt – zunächst aber begrenzt auf das Lüneburger Stadtgebiet Mittelfeld.

Und so wird der Großversuch ablaufen: Studenten werden die GfA-Müllwerker auf ihrer Tour begleiten, den Inhalt jeder Tonne kontrollieren, bevor dieser im Müllwagen verschwindet. „Sichtkontrolle“, nennt Richter das. Der Biomüll aus dem Testgebiet wird dann auf dem GfA-Gelände extra gelagert, damit die Studenten die Reststoffe akribisch genau auf Abfälle untersuchen können, die in der Biotonne nichts zu suchen haben.

Intensive Informationskampagne

Gleichzeitig werden Leuphana und GfA eine intensive Informationskampagne im Versuchsgebiet starten, Faltblätter verteilen und an Info-Ständen für Fragen und Antworten der Bürger zur Verfügung stehen – alles mit dem Ziel, zu erklären, was reingehört in die Biotonne und was nicht. Denn damit die Biotonne Sinn ergibt, darf in den Behälter auch nur das rein, was kompostierbar ist. „Und keine Plastiktüten“, betont Katja Richter. Die sind für die Umwelt ein echtes Problem. Plastikabfälle verrotten nicht.

Auch vom so genannten „Bio-Plastik“ rät die Expertin, schon beim Einkauf die Finger zu lassen. Denn nicht überall wo „Bio“ draufsteht, ist tatsächlich auch „Bio“ drin. „Das gilt auch für Bioplastik-Tüten.“ Einmal in die Biotonne geworfen, verursachen sie laut Richter dieselben Probleme, wie die herkömmlichen Plastiktüten. Daher sind Richter und den Leuphana-Studenten auch so wichtig, das Umweltbewusstsein der Bürger auch beim Biomüll zu schärfen.

„Reinheit der Tonne“ kommt allen zugute

Ob sie mit ihren Anstrengungen Erfolg haben, wird sich dann erstmals 14 Tage später zeigen – bei der nächsten turnusmäßigen Leerung der Tonnen. Auch dann werden die Studenten wieder Sichtkontrollen machen. Und auch dann wird die GfA die Behältnisse noch einmal leeren – trotz noch eventueller Fehlwürfe. Erst mit dem dritten Durchgang – 14 Tage später – endet die Schonzeit. „Werden dann immer noch Abfälle in der Biotonne gefunden, die dort nicht hinein gehören, bleibt die Tonne stehen“, kündigt Richter an.

Ziel des ganzen Aufwands: „Wir wollen den Biomüll sauber bekommen, erklärt die Diplom-Ingenieurin, frei von Plastik und anderen Verunreinigungen. Denn aus den gesammelten Bioabfällen werden in wenigen Wochen hochwertige Komposte, die im Gartenbau und der Landschaft wieder eingesetzt werden. „Auf diese Weise werden Kreisläufe geschlossen. Organische Substanz und Nährstoffe werden zurückgeführt, Wasserhaltevermögen und Struktur der Böden verbessert“, listet Richter auf. Die „Reinheit“ der Biotonne kommt also Umwelt und Gartenliebhabern gleichermaßen zugute. Denn Hand auf‘s Herz: Wer will schon Plastikschnipsel und Glasscherben im heimischen Beet zwischen Salatköpfen und Rosen finden?

Von Klaus Reschke

Testgebiet ist das Mittelfeld

Acht Straßenzüge werden kontrolliert

Zum Testgebiet gehören im Stadtteil Mittelfeld folgende Straßen und Straßenzüge: Schildsteinweg, Ernst-Braune-Straße, Meinekenhop, Lerchenweg, Mittelfeld, Auf der Höhe, Ringstraße und Oedemer Weg. Insgesamt werden die Studenten und die GfA-Mitarbeiter während ihrer Tour rund 320 Bio-Tonnen in Augenschein nehmen.

3 Kommentare

  1. Man glaubt doch nicht wirklich dass bei einem Mehrparteienhaus jemand seinen nicht korrekt abgelegten Müll aus der Biotonne entfernt? Wenn denn diese nach der 3. Auffälligkeit immer noch Abfälle enthält, die kein Biomüll sind und die Tonne ungeleert stehen bleibt, wird halt alles über die Restmülltonne entsorgt.
    Ich denke, dass unsere lieben Leuphana-Studenten auch hier mal eine Auge (bildlich gesprochen) reinwerfen sollten. Es ist schon erstaunlich, was sich da alles findet (z. B. Altglas, Papier /Karton, Gefahrstoffe).

  2. tja, schnapsideen von studenten bleiben eben auch schnapsideen. hier wird am ende der vernünftige bestraft und der rücksichtlose wird gar nicht erst entdeckt. wenn jede wohneinheit für den jeglichen müll eine extra tonne bekommt, wird die stadt mit mülleimern voll sein , aber die kontrolle wäre möglich. so aber nicht. der ganze ansatz ist völlig falsch. die technik ist heutzutage in der lage jeglichen müll zu trennen. das kostenlose vorsortieren ist eine volksverdummung, extra für das volk gemacht. es wird sich so bereichert, auf kosten des verbrauchers. hier ist die wirtschaft gefragt und sonst niemand.

    • Ich bin völlig ihrer Meinung. Schon seit etlichen Jahren ist maschinelle Trennung des Abfalls möglich – und das auch in Großanlagen. So wie es derzeit läuft, entstehen nur unnötige Kosten, stehen unnötig viele Müllbehälter in der Gegend rum, fahren zu viele schwere LKW durch die Wohnstrassen und sind immungeschwächte und chronisch kranke Personen einer starken Gesundheitsgefährdung ausgesetzt – jeder der eine Biotonne öffnet oder damit beruflich hantiert, steht in einer Wolke von Pilzsporen.