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Die Bodenplatte (zehn Tonnen) und zwei jeweils sechs Tonnen schwere Seitenteile werden in das Binnenschiff eingefügt. Foto: tja

Die neue Mitte

Lauenburg. Spektakuläre Aktion auf der Hitzler-Werft am Elb­ufer: Werftarbeiter haben das 95 Meter lange Binnenschiff „BCF Sprinter“ durchgeschnitten. Jetzt setzen sie drei fünf Meter lange Stahlbauteile am Boden und an den Seiten ein und schweißen das Schiff dann wieder zusammen. Stahlträger stabilisieren Vorderschiff und Heckteil solange.

„Künftig können wir Dank dieser Verlängerung sechs 20-Fuss-Container pro Fahrt mehr transportieren“, erklärt Heiko Heß von der Börde-Container-Feeder GmbH (BCF) in Haldensleben, der das Schiff mit einer künftigen Containerkapazität von 72 Transportboxen gehört.

„Wir haben ja schon öfters Schiffe auf Kundenwunsch verlängert, aber hier ist es schon eine absolute Besonderheit. Die fünf Meter sind nicht viel, aber genau ausreichend, um eine Containerlänge mehr laden zu können und trotzdem passt das Schiff noch mit künftig 100 Metern ins Scharnebecker Hebewerk“, berichtet Werner Büker, technischer Leiter der Werft. Die Schiffe und Leichter der BCF fahren von Haldensleben aus im Linienverkehr nach Hamburg und Magdeburg, steuern dabei auch die Häfen zum Beispiel in Braunschweig. Bremerhaven, Minden, Bremen und Hannover an.

Platz für eine weitere Containerladung

Vorteil durch die Verlängerung: Das Schiff, das auch noch einen Anschluss zum Ankoppeln eines selbstfahrenden Leichters erhält, kann als 185 Meter langer Koppelverband fahren. Nur ins Hebewerk muss der Leichter wegen der begrenzten Troglänge eigenständig manövriert werden. Heß: „Unsere Schiffe und Leichter haben künftig alle dieselbe Ladungskapazität, was uns mehr Flexibilität beim Austausch ermöglicht.“ Zwölf Container hintereinander, drei nebeneinander und zwei Lagen übereinander können transportiert werden. Da sind die sechs zusätzlichen Container an Bord künftig schon ein wichtiger Faktor bei der nötigen Wirtschaftlichkeit.

Die Hitzler-Werft ist eine der wenigen Werften, die die Kapazitäten hat, ein 100 Meter langes Binnenschiff zu slippen. „Außerdem ist die Werft technisch sehr gut ausgestattet und die Mitarbeiter verfügen über viel Know-how, deshalb sind wir gerne hier“, so Heß. „Aktuell sind wir auf drei Baustellen zeitgleich aktiv. Wir haben das Hinterteil der `BCF Sprinter`auf der Slipanlage, nebenan warten wir parallel zwei Eisbrecher und in der Neubauhalle setzen wir den Anschluss an das Vorderschiff an“, sagt Büker. Man habe sich bei einer Neuausrichtig auf solche Projekte spezialisiert. Ebenso wie auf den Einbau neuer, moderner Motoren.

Maschine wird modernisiert

Die Maschine der „BCF Sprinter“ wird bei Hitzler ebenfalls überholt. Sie hat eine moderne Abgasreinigungsanlage, durch Harnstoff werden Stickoxide reduziert. „Es ist das einzige Schiff hier in der Region, dass mit so einer Technik fährt“, berichtet Büker. Für Heß keine Frage. „Wir setzen auf Sauberkeit. Das Schiff steht ohnehin unschlagbar vor Eisenbahn und Lastwagen, aber wir wollen weg vom Image der räuchernden Schornsteine. Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gehen bei uns Hand in Hand“, sagt er.

Bereits Ende Oktober wird das verlängerte Schiff wieder seinen Liniendienst aufnehmen können – und eben einige Container mehr zwischen Haldensleben und Hamburg bewegen.

Von Timo Jann

Zur Sache

Buntes Logo

Die Schiffe mit dem bunten BCF-Logo sind oft auf der Elbe zu sehen. Die Börde-Container-Feeder GmbH hatten Heiko Heß und zwei Partner gegründet. Sie wollten – Heß war damals Logistiker bei einem großen Unternehmen – eine umweltfreundliche Alternative zum bis dahin üblichen Lkw-Transport schaffen.

Erst charterten sie Schiffe, mit steigenden Frachtgebühren wurde das unwirtschaftlich und sie planten ihre eigene Reederei. Heute bedienen sie im Linienverkehr die deutschen Seehäfen und die großen Binnenhäfen. Auch die weitere Logistikkette vom Hafen zum Kunden per Lastwagen bieten sie an.