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David Amri hat genug von der Lokalpolitik, er zieht sich aus dem Rat zurück. Noch ist nicht klar, wer sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender wird. (Foto: A/t&w)

Fraktionschef David Amri schmeißt hin

Lüneburg. Nach nur acht Monaten erneuter Wechsel an der Spitze der Linksfraktion im Lüneburger Stadtrat: Der Vorsitzende David Amri erklärte am Freitag den Rücktritt von allen Ämtern zum Ende des Monats. Erst Anfang Februar war er Nachfolger von Michèl Pauly geworden. Für die Linke dreht sich damit in diesem Jahr zum dritten Mal das Personenkarussell: Im Februar hatte Rainer Petroll sein Ratsmandat niedergelegt, im September war Andrea Amri-Henkel zurückgetreten.

Zu seinen Beweggründen erklärt David Amri, der seit dieser Wahlperiode dem Rat angehörte: „Ich bin mit dem Ziel angetreten, mich für ein solidarisches Lüneburg einzusetzen. Dieses Ziel sah ich in den verkrusteten Strukturen des Lüneburger Rates zuletzt nicht mehr umsetzbar.“

Statt einer Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Menschen erlebe man im Stadtrat überwiegend „eitle Hahnenkämpfe der immer selben, vorwiegend männlichen, Protagonisten. Der Drang, politisch zu gestalten, wird durch die Beharrlichkeit der Verwaltungsspitze und einer SPD, die dieser bedingungslos folgt, ausgebremst“.

Amri: Anliegen der Bürger werden nicht gesehen

Aus Sicht des Linken-Fraktionschefs wurden viele Chancen vertan, mit wechselnden Mehrheiten neue Ideen voranzubringen. „Dabei hätten wir mit der SPD und den Grünen eine solide Mehrheit für sozial-ökologische Politik.“ Zudem habe er den Eindruck, dass Anliegen der Bürger weder gesehen noch thematisiert würden. Daher habe er sich entschlossen, seine politische Arbeit wieder in den Bereich gesellschaftspolitischer Initiativen zu verlagern.

Spekulationen und Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Amris hatte es bereits im September gegeben, als seine Ehefrau Andrea ihr Mandat niedergelegt hatte. Damals hatte Amri ausweichend reagiert, über zukünftige Sachen äußere er sich nicht.

Die Lüneburger Linkspartei bedauert den Schritt des Fraktionschefs im Stadtrat, erklärt der Kreisvorsitzende Thorben Peters. „Herr Amri war mit seinem energischen Engagement für soziale und ökologische Themen sowie seinem mutigen Wirken gegen Rechts beispielgebend für die Ratspolitik dieser Stadt.“ Neben viel Zuspruch für sein Engagement habe er auch gerade deshalb viel Gegenwind vom politischen Gegner erfahren.

Der Rücktritt sei in den vergangenen Tagen mit Partei und Fraktion besprochen worden, sagt Peters. Nun müsse mit möglichen Nachrückern gesprochen werden. Gespräche, wer den Fraktionsvorsitz übernimmt, soll es voraussichtlich bereits am Montag in der Fraktionssitzung geben.

Von Antje Schäfer

8 Kommentare

  1. Jahrtausendstark

    „Statt einer Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Menschen erlebe man im Stadtrat überwiegend „eitle Hahnenkämpfe der immer selben, vorwiegend männlichen, Protagonisten…
    …Zudem habe er den Eindruck, dass Anliegen der Bürger weder gesehen noch thematisiert würden.“

    Schön das mal jemand ausspricht wie es ist. Von daher Respekt für den Schritt unabhängig der politischen Orientierung.

    • Zudem habe er den Eindruck, dass Anliegen der Bürger weder gesehen noch thematisiert würden.“
      und genau hier liegt die krux. die linke ist bei uns zu schwach um bestochen zu werden. bauunternehmer und andere investoren melden sich da eher bei den volks und wirtschaftsparteien. so wird der einfache bürger umgangen. man braucht sich nur anschauen, wer mit wem kungelt. eitle hahnenkämpfe gab es schon immer. der grund war aber die eitelkeit nie allein.

  2. Mit David Amri verlässt ein hervorragendes Mitglied den Rat.

    Mit Lisa Apking, Inge Hannemann, Janis Wislieny, Martin Nass, Thorben Peters, Kai Warneke, Janine Burkhardt im Vorstand ist die Verjüngung der LINKEn gelungen.

    Mit Michèl Pauly verbleibt der neben Ulrich Mädge einzige echte sozialdemokratisch-realpotische Pragmatiker im Gremium, den die Lüne-LINKEn in ihren Reihen haben.

    Karlheinz Fahrenwaldt, seit dem 19. September an seiner Seite, ist geistig-gedanklich juveniler als 98 Prozent der über 70jährigen Christdemokraten.

    Wie lassen sich die Scherben kitten?

    Hans-Herbert Jenckel, ein passionierter Radler, weiß Rat: Im Ratskeller (wenn er denn einmal renoviert und bewirtschaftet wäre) hätte auch der Fall Amri noch einmal ohne Redezeitbeschränkung debattiert werden können (mitsamt allem anderen, was im Rat passiert ist). Da könnte sich nicht nur für SPD oder AfD-Pöbeleien entschuldigt, da könnten auch böse Blicke zwischen Stefan Minks und Ulrich Blanck ausgetauscht, da könnte zu Geburtstagen einer ausgegeben, könnten Geburten gefeiert, Belobigungen ausgesprochen und Beförderungen oder runde Rats-Jubiläen gemeinsam mit Wolf von Nordheim und Ulrich Mädge (inklusive Selfie) begossen werden. Da könnten Wolfgang Goralczyk und Dr. Monika von Haaren für ein oder zwei Stunden die Köpfe ganz eng zusammenstecken. Ohne Protokoll. (Zwinkerzwonker!) So könnte der Ratskeller manchmal für Streithähne zur Rats-Katharsis (oder mehr) werden.

    Das und anderes wird von – und mit – Noch- und Ex-Ratsmitgliedern hier heftig diskutiert: https://blog-jj.com/2018/10/12/ein-ratskeller-hat-bei-vergifteter-stimmung-das-zeug-zum-therapiezentrum/

  3. Norbert Kasteinecke

    Warum er wohl wirklich zurückgetreten ist ?

  4. Norbert Kasteinecke

    Hätte ich sonst gefragt?

    • bei ihnen bin ich vorsichtig. warum wollen sie es wissen? es ist das gegengesetzte lager, wie sie wissen.

    • es gibt übrigens eine neue alte überraschung bei die linke, die ich persönlich gut finde. ein wahrer demokrat eben. was man bei der spd leider sehr vermissen kann.