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Zuchthengst
„Kaiser Milton“ beim Trakehner- Hengstmarkt 2017 in Neumünster, dort ersteigerte Wahler den Hengst. (Foto: Stefan Lafrentz)

Zuchthengst „Kaiser Milton“ ist ein Fall fürs Gericht

Bad Bevensen/Kiel. Seit einem Jahr streitet sich der renommierte Pferdezüchter Burkhard Wahler vom Klosterhof Medingen bei Bad Bevensen mit einem niederländischen Händler und dem Trakehner-Verband um die Bezahlung für einen angeblich chronisch kranken Zuchthengst. Auf dem 55. Trakehner Hengstmarkt in Neumünster ersteigerte Wahler den von Publikum und Fachpresse bejubelten Siegerhengst „Kaiser Milton“ bereits im Oktober 2017. Doch den Kaufpreis von 380 000 Euro hat der bis heute nicht bezahlt. Begründung: Das prämierte Tier sei lahm und leide an einem Herzfehler. Seit Donnerstag verhandelt das Kieler Landgericht.

Der niederländische Verkäufer des Tieres und der Trakehner-Verband als Veranstalter der Auktion verklagten den Züchter vom Klosterhof Medingen gemeinsam auf Zahlung der vollen Kaufsumme inklusive Mehrwertsteuer und Versicherung. Gestern im Landgericht scheiterte eine Güteverhandlung. „Sie sollten mal ins Gespräch kommen“, regte Zivilrichter Ulf Müller an.

Keine Seite ist kompromissbereit

Doch seine Hoffnung auf einen Vergleich erfüllte sich nicht. Keine der Parteien zeigte sich kompromissbereit. Richter Müller wird am 22. November verkünden, wie es mit dem Verfahren weitergeht. Zum Prozessauftakt stellte er bereits klar, dass er die Sache nicht für entscheidungsreif hält. Alle Beteiligten rechnen mit der Hinzuziehung eines unabhängigen Sachverständigen, der den Gesundheitszustand von „Kaiser Milton“ unmittelbar vor dem Verkauf beurteilen soll.

Müller hatte bereits vor dem Termin Kontakt mit einem Experten aufgenommen, dessen Kompetenz beide Parteien anerkennen: Professor Peter Stadler von der Tierärztlichen Hochschule Hannover wäre bereit, „Kaiser Milton“ zu untersuchen. Zwar liegen dem Gericht jetzt schon mehrere tierärztliche Gutachten vor. Deren Ergebnisse werden jedoch von der jeweiligen Gegenseite angezweifelt.

Videoaufnahmen als Beweis

Fest steht: Vor einem Jahr machte Siegerhengst „Kaiser Milton“ beim „weltweit wichtigsten Jahresereignis für Trakehner“ Furore. „Der dunkelbraune Strahlemann“, heißt es in einem offiziellen Verbandsbericht, „bewegte sich nicht nur mit besonderer Qualität, locker, losgelassen und kraftvoll abfußend, er machte auch einen guten Sprung“.

Verkäufer und Veranstalter behaupten bis heute, die Fitness des Siegerhengstes zum Zeitpunkt der Auktion stehe außer Zweifel. Die Beweglichkeit von „Kaiser Milton“ sei durch Videoaufnahmen belegt. Der Käufer sieht das anders: Er bemängelte gestern erneut eine „deutliche Lahmheit vorne links“, die sich sofort nach der Ankunft auf seinem Gestüt in der Lüneburger Heide gezeigt habe.

Laut Diagnose einer Tierklinik sei die Lahmheit chronisch, führe zu einer Schonhaltung und zeige bereits gravierende und irreparable Folgeschäden am Bewegungsapparat. Nicht weniger dramatisch wirkt sich aus Käufersicht der „schwerwiegende Herzfehler“ aus. Alle vier Herzklappen seien undicht, das zeige sich in krankhaften Strömungsgeräuschen.

Doch ein „Hengst mit allen Möglichkeiten“?

Ein nicht behebbarer Herzfehler liegt unstreitig vor. Doch während die Kläger den „nicht vererbbaren“ Herzgeräuschen keinen klinischen Wert beimessen, spricht der Käufer von mangelnder Belastbarkeit des Tieres. In diesem Zustand könne er „Kaiser Milton“ unmöglich auf Turnieren sportlich präsentieren. Und ohne öffentliche Leistungsnachweise hätten andere Züchter wenig Interesse an einer Besamung ihrer Stuten durch „Kaiser Milton“.

Auf seiner eigenen Webseite stellt Wahler das angeblich chronisch kranke Tier allerdings als „Hengst mit allen Möglichkeiten!“ vor. Danach ist Kaiser Milton „ein souveräner Sieger“ und „in jeder Beziehung ein Ausnahmepferd mit einzigartiger Strahlkraft und Eleganz“. Als Decktaxe für die Zucht fordert Wahler laut Webseite 900 Euro.

Von Thomas Geyer