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Dem Charakter des Waldfriedhofs angepasst, so müssen sich dort bislang auch die Grabstätten präsentieren. Ob es dabei bleibt, soll im Umweltausschuss beraten werden. Foto: be

Waldfriedhof soll bunter werden

Lüneburg. Große Hecken sind verpönt, Lichtbilder oder aus Prozellan gegossene Figuren oder Reliefs gehen gar nicht, und auch blank polierte Flächen will man dor t nicht sehen. Selbst Schriftzüge und Gravuren sollen sich in Farbe und Charakter dem Umfeld anpassen. Lüneburgs Waldfriedhof nimmt eine Sonderstellung unter den städtischen Friedhöfen ein, sein Name ist gleichsam Programm, so wurde es beim Anlegen des größten Friedhofs der Stadt beschlossen. Doch damit soll nun Schluss sein, zumindest für eine begrenzte Zeit.

„Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung“

Als „Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung“ will die Stadtverwaltung ihren Vorschlag verstanden wissen, den sie dem Umweltausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 16. Oktober, vorstellen will. So sollen Grabanlagen auf dem gesamten Friedhof frei gestaltet werden können, genau so also, wie es auch auf den anderen Friedhöfen schon von jeher möglich ist.

„Wir wollen testen, ob dieses Angebot angenommen wird“, erläutert Peter Zurheide, bei der Stadt für Friedhöfe zuständig, das Vorhaben. Für zunächst 18 Monate soll deshalb die sogenannte Grabfeldrichtlinie außer Kraft gesetzt werden, die 1983 erlassen wurde, um den besonderen Charakter des Waldfriedhofs zu erhalten. Sie legt unter anderem fest, wie groß Grabmale sein dürfen, dass großflächige Grabplatten verboten sind und Denkmale nur aus Naturstein, Holz, Schmiedeeisen oder Bronze gesetzt werden dürfen. Selbst Grabeinfassungen sind untersagt. Ausgenommen von dieser Sonderregelung sind lediglich drei kleinere Grabfelder, darunter für Urnengräber und Baumbestattungen.

Die Würde muss aber gewahrt bleiben

Vollkommene Freiheit in der Grabgestaltung werde es damit aber auch künftig nicht geben, „die Würde des Friedhofs muss natürlich gewahrt werden“, sagt Zurheide mit Hinweis auf die für alle Friedhöfe geltende Friedhofssatzung. Ein Grabstein mit Mickey-Maus-Ohren etwa oder ein Bandfoto von AC/DC als Lieblingsband des Verstorbenen auf der Grabplatte sind weiterhin ebenso tabu wie ein Glasgrabstein, den die Stadt vor Jahren untersagte.

Die Anregung zur Aussetzung der Grabfeldrichtlinie kam aus der Arbeitsgruppe, die für den Umweltausschuss im vergangenen Jahr Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität der Lüneburger Friedhöfe erarbeitet hatte.

Hintergrund dafür sind wie berichtet die enormen Kosten für die Unterhaltung der seit Jahren defizitären Friedhöfe. Rund 100.000 Euro muss die Stadt jährlich zusetzen, die auch von der im vergangenen Jahr beschlossenen Erhöhung der Friedhofsgebühren längst nicht vollständig aufgefangen werden.

Erfahrungen sollen gesammelt werden

Ob von der befristeten Aussetzung der Grabfeldrichtlinie ein neuer Attraktivitätsschub für den Waldfriedhof ausgehen wird, ist laut Zurheide aber noch ungewiss. Deshalb sollen nach Ablauf von zwölf Monaten die gewonnenen Erkenntnisse zusammengestellt und im Ausschuss dann darüber diskutiert werden, ob aus der Ausnahme die Regel wird.

Völlig geräuschlos dürfte die Aussetzung aber wohl nicht über die Bühne gehen. Denn nicht jeder, der sich wegen des besonderen Charakters für den Waldfriedhof entschieden hat, dürfte über neu entstehende artfremde Nachbarschafts-Gräber erfreut sein. „Das könnte Ärger geben“, räumt auch Peter Zurheide ein. Um dem entgegenzuwirken, sollen die Betroffenen rechtzeitig informiert werden: „Wir versuchen in Grabauswahlgesprächen herauszufinden, wo die Reise hingehen kann.“

Ob der Ausschuss dem Vorschlag zustimmen wird, dürfte aber auch aus einem anderen Grund spannend werden. Schließlich hatte die Verwaltung zuletzt noch dafür geworben, zur Attraktivitätssteigerung mehr Bäume auf dem Waldfriedhof zu pflanzen. Ziel sei es, „den Charakter des Waldfriedhofs zu erhalten“.

Von Ulf Stüwe

7 Kommentare

  1. Der schreibt vor, dass Verstorbene in Deutschland ihre letzte Ruhe nur auf einer offiziell als Friedhof ausgewiesenen Fläche finden dürfen. Die über 200 Jahre alte Vorschrift diente ursprünglich dem Schutz vor Seuchen. Ein Problem, das sich nach der Einäscherung in einem Krematorium nicht mehr stellt.

    Doch in Deutschland gilt die Vorschrift bis heute. Immer wieder gab es Anläufe, die Landesgesetze zu ändern. Friedhofsbetreibern und Bestattern gelang es aber jedes Mal, den vermeintlichen Angriff auf die deutsche Bestattungskultur abzuwenden. Mit einer Ausnahme: Bremen.

    Hier wurde in diesem Jahr der Friedhofszwang abgeschafft. Einfach so. Ein unerhörter Vorgang in den Augen des Bestattungsestablishments, das an Beerdigungen gut verdient. Und eine Bedrohung für kommunale und kirchliche Friedhöfe, die ihre Kosten kaum noch decken können, weil es immer weniger Erdbestattungen gibt. Dabei nutzen Hinterbliebene schon längst kreative und teils nicht mehr ganz legale Wege, das ungeliebte Gesetz zu umgehen.

  2. Norbert Kasteinecke

    Bunter ?

  3. Rainer Mencke als Steinmetz und Stadtratsvorsitzende der CDU in Lüneburg,hat bestimmt nichts gegen eine Gewinnmaximierung seiner Zunft auf dem Waldfriedhof, oder Friedhöfe im allgemeinen. Der Friedhofzwang auf der einen Seite, der Grabsteinzwang auf der andere Seite, dieses wäre doch wohl für Steinmetze ein wahres Eldorado, oder? Es wird doch bestimmt schon daran gearbeitet, oder? Die Zukunft so mancher Branche liegt eben auf dem Friedhof.

  4. Na dann sollen die Bestatter, Steinmetze und das ganze „Bestattungsestablishment“ eben verdienen. Schließlich leisten sie gute Arbeit und noch dazu eine, bei der sich alle die „Geiz-ist-geil“-Jünger, Schnäppchenjäger und Sparfüchse nicht die Finger schmutzig machen würden. Der Friedhofszwang hat gute Gründe. Es geht nicht nur um Seuchenschutz sondern in erster Linie um die Würde und angemessene Bestattung der Verstorbenen. Die darf gerne Geld kosten. Dann wird die nächste Monsterglotze eben zwei Jahre später gekauft. Dass das linke Bremen glaubt, Vorreiter bei einem kulturlosen und geschichtsvergessenen Treiben spielen zu müssen, ist eher kein Ruhmesblatt für die Stadt.

    • magnusausonius
      leider darf ich hier nicht schreiben, was ich von ihrer post hier halte und dies ist auch gut so, sonst würde ich mich hier noch strafbar machen.

  5. Regen Sie sich bitte nicht auf, Herr Bruns. Das alles sind bloß von sinnlosem Wortgetöse begleitete Rückzugsgefechte. Ein letztes überkandideltes defensives Maßnahmenbündel von sich verzweifelt aufbäumenden Modernisierungsverlierern. Die Generation von Herrn Mencke und Herr Mädge will das nur noch nicht wahrhaben. Doch die digitale Bestattung wird kommen! Selbst Sarg oder Urne aus dem dem neuen Fused Deposition Modeling EVO-tech EL-102 Industriedrucker mit Filamenttrocknung und seinen zwei separaten Hochtemperaturdüsen auf dem künftigen 3D-Campus ist schon überholt und gänzlich old fashioned, bevor dort der erste Grüngürtel zubetoniert ist. Leichenbegängnisse und Leichenbehältnisse der Zukunft werden virtuell sein. Denn die traumhaft ausgestatteten Grabstätten in der Cloud werden immer attraktiver. Diese Domizile können individuell beliebig gestaltet, jedem Wunsch angepasst und vom iphone oder vom heimischen Laptop ohne größeren Aufwand spontan umgestaltet werden – everytime and everywhere! Sie sind unkündbar, solange in Reppenstedt noch Strom fließt, und die Storage Spots im Exabyte-Bereich sind schon für ein paar Cent zu abonnieren, so dass für jeden Geschmack ein monumentales Mausoleum in der Größe des Bockelsberger Zentralgebäudes drin ist – oder auch, wenn Sie Überschaubarkeit bevorzugen, in den Dimensionen des Cumhurbaşkanlığı Sarayı, des neuen türkischen Präsidialpalastes auf dem Beştepe-Areal, welches zu Waldfarm Atatürks gehört. Unsere Friedhöfe (nicht ohne Grund ist die Stelle des Lüneburger Verwaltungsleiters seit langem unbesetzt) werden über kurz oder lang zu Bauland umgewidmet und mit neo-eklektizistischen Wohnparks inklusive neon bunt bemalten Tiefgaragenstellplätzen „bepflanzt“ werden. Schauen Sie sich einmal auf der Homepage vom Bundesverband unabhängiger Deutscher Bestatter e.V. um. Dort werden Sie sehen, was bei der jungen, kreativen Generation technikaffiner Pompfüneberer an Innovativem so alles angedacht ist. Dort gibt es keine würdelosen Sozialbestattungen ohne Kennzeichnungen und mit verknappten Ruhefristen mehr. Dort ist jeder König für kleines Geld mit Anspruch auf kostbarste Grabbeigaben in erlesenen Sarkophagen. Sogar eine Premiumboutique zum geschmackvollen Einkleiden vor der Wiederauferstehung am Tage des Jüngsten Gerichts ist in der E-Game Christmas Edition von „A Journey to Paradise“ für jeden an feinen Zwirnen, maßgefertigtem Schuhwerk und passenden Accessoires Interessierten bereits mit dem entsprechend geschulten Servicepersonal eingerichtet. Man möchte ja schließlich, dass Rock oder Krawatte richtig sitzen, wenn man bei seinem Schöpfer zum Kennenlern-Tee eintrudelt. Nicht wahr? Schließlich ist das eine Verbindung für die Ewigkeit. (Wenn auch nur in einer computergenerierten „Matrix“-Welt.)

    • Otto
      das problem ist, jeder hat nicht mehr so viel zeit, bis geschäftemachern deren munition ausgeht. um so älter wir werden , um so mehr ,,krebsen,, herum.Hans-Jürgen Brennecke in seinem Haus in der Nähe von Lüneburg. Der 74-Jährige ist an dem hochaggressiven Burkitt-Lymphom erkrankt. Vor einem Jahr beantragte er den Erwerb tödlicher Mittel. als betroffener(noduläres maglines melanom) hätte ich auch gern dieses mittel, da bei uns fast tote und tote mehr gegängelt werden , als es ihnen lieb sein kann, muss man leider gesetzwidrige wege gehen. als deutsche eiche werde ich mich bestimmt gut machen. schmunzeln.