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Feuerwehrleute sollen ihre Schutzkleidung nach dem Einsatz direkt vor Ort ablegen und in Trainingsanzüge schlüpfen können. Doch dafür muss die Logistik verbessert werden, fordern die Brandbekämpfer. (Foto: be)

Wie man ein Problem entdeckt

Lüneburg. Der Vorsitzende des Feuerwehrausschusses des Rates, Tobias-Christian Gerlach, schlägt einen dramatischen Ton an: „Wir fordern die verantwortlichen Vertreter der Stadt unverzüglich zu einer umfassenden Stellungnahme und zur rückhaltlosen Aufklärung dieser Angelegenheit auf!“

Der CDU-Ratsherr empört sich darüber, dass eine Info-Veranstaltung mit einem Vertreter der Organisation FeuerKrebs, sie warnt Feuerwehrleute vor Gefahren im Einsatz, von der Führung abgesagt wurde. Die Feuerwehrführung hängt das Ganze tiefer, man habe nichts verhindern wollen, sondern die Sache anders betreiben wollen. Im Rathaus sagt Dezernent Markus Moßmann: „Die Veranstaltung ist verschoben, nicht aufgehoben worden.“

Absage war gemeinsamer Entschluss

Worum geht es? Bereits für den 13. Juli hatte der Sicherheitsbeauftrage der Wehr Mitte an der Lise-Meitner-Straße zu einem Informationsabend eingeladen, ein Punkt des eingeladenen Referenten: „Welche Schutzmöglichkeiten haben wir in unserem Einsatzalltag?“ Gerlach hat davon offenbar erst jetzt erfahren und reagiert.

Kreisbrandmeister Torsten Hensel sagt: „Ich habe so eine Einladung bekommen und dann Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft angerufen. Der wusste davon nichts, er war nicht eingeladen.“ Gemeinsam habe man dann beschlossen, den Abend abzusagen: „Da werden Fragen aufgeworfen, die Leute beunruhigt, und wir haben im Zweifel keine Antworten und Lösungen. Eben das wollten wir klären.“

Diesterhöft ist im Urlaub. Stellung nimmt der Lüneburger Feuerwehrsprecher Daniel Roemer: „Es sollte keinen Schnellschuss für ein paar Interessierte geben, sondern auch die Kameraden im Landkreis sollen eingebunden werden, weil es sie betrifft. Daher gibt es erst eine Schulung für Führungskräfte, die dann die Mannschaften informieren.“ Termine stehen aber noch nicht fest.

Gerlach hatte Feuerwehrführung nicht befragt

Gerlach räumt ein, die Feuerwehrführung habe er zur Thematik nicht befragt, dass der Kreisbrandmeister eingebunden war, wusste er nicht. Dennoch hat er kaum Verständnis für die Entscheidung: „Dass man verstört ist, wundert mich. Es geht um kleine Dinge, nämlich um das Risiko, dem Feuerwehrleute ausgesetzt sind und wie sie es minimieren können.“ Ein Info-Abend sei hilfreich.

Für die Verwaltung erklärt Dezernent Markus Moßmann: „Wir begrüßen, dass der Kreisbrandmeister es als sinnvoll erachtet, dieses Thema höher aufzuhängen, und einen einheitlichen Informationsstand und idealerweise ein einheitliches Vorgehen aller Kreiswehren sicherzustellen. Dies entspricht auch der Einschätzung des Stadtbrandmeisters. Die Veranstaltung wird daher nicht nur für die Mitglieder der Feuerwehr Lüneburg, sondern für alle Feuerwehren des Kreises geplant. Es stehen noch Ergebnisse von Studien zum FeuerKrebs aus. Diese sollen in Schulungen einfließen.“

Besserer Schutz

Gefährlicher Staub und Dreck

Feuerwehrleute sollen besser gegen Ruß und die darin enthaltenen Partikel geschützt werden. Die Lüneburger Feuerwehr erhält für knapp 190 000 Euro neue Schutzkleidung und Material, das hat der Rat kürzlich auf Initiative der CDU beschlossen. Doch das ist nur ein Schritt. Feuerwehrleute sollen ihre Schutzkleidung nach dem Einsatz direkt vor Ort ablegen und in Trainingsanzüge schlüpfen. „Die Klamotten werden dann in der Wache gereinigt“, sagt Sprecher Daniel Roemer. Um das zu gewährleisten, muss die Wäscherei um spezielle Trocknungsschränke ergänzt werden, auch eine Außenwaschanlage für Stiefel soll her: „Die Ausschreibung läuft.“ Doch das reicht nicht, die Männer und Frauen ja zum Teil schnell wieder in den Einsatz müssen, sie benötigen Ersatzkleidung: „Dafür soll erst einmal das alte Material genutzt werden.“ Denn knapp sind auch die neuen Anzüge: rund 150 für 240 Feuerwehrleute. Allerdings agieren nicht alle von ihnen „ganz vorne“, also unter Atemschutz. All das hat auch logistische Konsequenzen, man braucht mehr Platz, es geht um Umbauten.

Kreisbrandmeister Hensel sieht die Problematik auch auf die Feuerwehren im Kreis zukommen, man arbeite an einer Konzeption. Im Moment nutze man die Wäscherei in Lüneburg, aber es dauere zwei Tage, bis die Kleidung zurückkomme. Generell gehe es darum, die Kameraden aufzuklären, das beginne schon mit dem Händewaschen am Einsatzort. Moderne Fahrzeuge in Lüneburg hätten entsprechende Möglichkeiten an Bord, im Kreis sei das oft anders. Antworten soll auch eine Studie der Berufsgenossenschaft liefern, die Mitte nächsten Jahres vorliegen soll. Zur Einordnung: Von rund 3000 Einsätzen im vergangenen Jahr fielen rund zehn Prozent in die Kategorie Brand.

Von Carlo Eggeling

2 Kommentare

  1. BILD – 29.01.2017 – 12:15 Uhr

    New York (USA) – Mehr als 15 Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York sterben noch immer Menschen an den Folgen des Terrors! Brian J. Masterson (†61) ist der 124. Feuerwehrmann, der wegen des Einatmens von giftigen Staubpartikeln – verursacht durch die einstürzenden Türme – an Krebs starb!

    DIE ZEIT – 10. September 2016 – 12:35 Uhr

    Das Problem haben aber nicht nur Feuerwehrleute, sondern viele inzwischen eher ältere Menschen, die früher ungeschützt mit Asbest gearbeitet haben. Etwa unsere Dachdecker: Die haben mit 15 Jahren ihre Lehre angefangen, in einer Zeit, in der besonders Asbestzementprodukte noch überall als Baustoffe eingesetzt wurden. Bei ihrer Arbeit haben sie meist völlig ungeschützt Unmengen an Staub eingeatmet und damit unzählige Asbestfasern. Jetzt bekommen sie mit 50 oder 60 Jahren nicht selten Lungenkrebs, wesentlich mitverursacht durch die eingeatmeten Asbestfasern. Ich bemühe mich schon ein halbes Leben darum, dass diese Menschen die vorgesehenen Entschädigungen erhalten. Doch diejenigen, die damals für den fehlenden Arbeitsschutz verantwortlich waren, versuchen immer wieder, solche Zahlungen zu umgehen. (So Hans-Joachim Woitowitz , Arbeitsmediziner, bis 2004 Leiter des Instituts und die Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin in Gießen)

    • wer damals mit pech gearbeitet hat, hatte pech gehabt. schauerleute wurden hingehalten, bevor sie eine entschädigung bekamen, waren die meisten gestorben. wohl bemerkt in deutschen häfen. aus eigenener erfahrung weiß ich, die berufsgenossenschaften sind ein witz. und zwar ein schlechter.