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Bis zu 1,7 Tonnen wiegen die Betonelemente, die die DLRGler nun mit Hilfe eines Krans auf ihren Neubau hieven ließen. (Foto: Behns)

Neuer DLRG-Stützpunkt: Mit vereinten Kräften

Adendorf. „Passt! Und hoch!“ Rasselnd heben sich die schweren Ketten und ziehen das nächste, tonnenschwere Element in die Höhe. Der Kran schwenkt sachte zur Seite und lässt den grauen Spannbetonhohlkörper für die Dacheindeckung des neuen Hauses herab. Von oben dirigiert Jannis Kretschmar (22) den Kranführer. Der Vorsitzende der Jugendgruppe des DLRG-Ortsvereins Adendorf-Scharnebeck wirkt ebenso wie rund 20 andere ehrenamtliche Helfer mit beim Bau des neuen Stützpunkts der Wasserretter in Adendorf, der weitgehend durch Eigenleistung entsteht. Mit dem Einheben der Dachelemente haben sie einen neuen Meilenstein erreicht für den zweigeschossigen Bau, der sich in einer ungewöhnlichen Baulücke erhebt.

„Durch die schnelle Zufahrt über die B209 ist das für uns ein direkter Weg zur Elbe.“
Jürgen Schmidt, DLRG Adendorf-Scharnebeck

Der neue Stützpunkt hat seine Adresse in der Daimlerstraße im Westen Adendorf, ganz nah dran an der Bundesstraße 209. Allerdings in einer Sackgasse, zwar zwischen Wohnhäusern, aber direkt unter einer 110 000-Volt-Freileitung. Kein toller Platz für einen privaten Häuslebauer, aber ein geeigneter Standort für die Wasserretter, meinte auch die Gemeinde Adendorf und stellte das Grundstück für das Vorhaben zur Verfügung. Als nun der Kran zum Einsatz kam, musste zeitweise die Freileitung vom Netzbetreiber Avacon abgeschaltet werden, damit nicht noch ein tödlicher Funke überspringt.

Ohne Ehrenamtliche kaum zu stemmen

Zum Standort als solches sagt Jürgen Schmidt, Vorsitzender der rund 700 Mitglieder starken DLRG-Ortsgruppe: „Durch die schnelle Zufahrt über die B209 ist das für uns ein direkter Weg zur Elbe.“

Die Grundsteinlegung feierten die Helfer bereits im Mai, nach mehr als 1000 Stunden Eigenleistung steht nun der zweigeschossige Rohbau. Dort sollen später Sanitärräume untergebracht werden, ein Sozialraum, Büro sowie ein Neoprenraum – eine Art Belüftungsschacht, in dem die Anzüge nach dem Einsatz zum Trocknen aufgehängt werden können, erkärte Ingenieur Jörg Verges, zugleich zweiter stellvertretender Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe.

Ohne die zupackende Hilfe der Ehrenamtlichen wäre das Projekt kaum zu stemmen, dessen Kosten der Verein zuletzt auf rund 350 000 Euro beziffert hatte. Die Bandbreite der ehrenamtlichen Helfer reicht vom Studenten über den Beamten bis hin zum Rentner und somit von der Jugend- bis zur Altersabteilung. Der älteste Helfer ist Karl-Heinz Otte. Erst kürzlich feierte er seinen 80. Geburtstag, jetzt schleppte er schon wieder Material über die Baustelle, schulterte beispielsweise die Stahlkettenhalterung, als sich der Autokran bereit zum Einsatz machte.

DLRG will ohne Kredite auskommen

Als das nächste, bis zu 1,7 Tonnen schwere Betonteil in der Luft baumelt, knipst Vereinsvorsitzender Schmidt noch ein paar Fotos. „Der Bau wird nachher gar nicht mehr zu sehen sein.“ Er wird von der späteren Fahrzeughalle eingehaust. Die Hallenkonstruktion für vier Fahrzeuge mit Anhänger ist zwar vorgeplant, aber noch nicht ausgeschrieben. Insofern dürfte sich die Fertigstellung noch bis ins nächste Jahr ziehen. Schmidt: „Dann wissen wir auch besser über die tatsächlichen Kosten Bescheid.“ Noch fehlt den Wasserrettern ein mittlerer fünfstelliger Betrag zur vollständigen Finanzierung, bei der sie ohne Kredite auskommen wollen.

Von Dennis Thomas