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Rund 320 Biotonnen wurden gestern im Stadtteil Mittelfeld von den Studenten in Augenschein genommen. (Foto: be)

Kein Job für sensible Nasen

Lüneburg/Bardowick. Für Leuphana-Studentin Clara Ahle und zehn ihrer Kommilitonen beginnt die Woche gestern am frühen Morgen nicht im Hörsaal , sondern im Dreck. Ihr Forschungsauftrag ist nichts für sensible Nasen. Denn Clara Ahle und ihre Mitstreiter kontrollieren – im Dienste der Wissenschaft – die Biotonnen, die im Lüneburger Stadtteil Mittelfeld zur Leerung bereitstehen. Die Leuphana-Studenten begleiten GfA-Mitarbeiter Sven-Thorsten Frank und seine Kollegen auf ihrer Tour. „Fehlwürfe“ bereiten dem kommunalen Entsorger immer wieder Probleme. „Es gibt nichts, was wir nicht in den Biotonnen finden“, berichtet Frank – von Plastik über Farbeimer bis hin zu benutzten Windeln.

Mehr Probleme bei Wohnblocks

„Selbst einen Motorblock haben wir schon in einer Tonne gefunden“, berichtet Frank, der über so viel Rücksichtslosigkeit nur den Kopf schütteln kann. Der GfA-Mitarbeiter schätzt, dass rund ein Viertel der Biotonnen verunreinigt sind durch nicht kompostierbaren Abfall. „Und der muss auf unserem Gelände erst mühsam am Fließband per Hand wieder aussortiert werden“, berichtet GfA-Mitarbeiterin und Diplom-Ingenieurin Katja Richter. Mithilfe des Pilotprojektes wollen GfA und Universität herausfinden, ob es möglich ist, durch gezielte Aufklärung der Bevölkerung die Zahl der Fehlwürfe zu minimieren.

Schon die erste Tonne, die Clara Ahle und Karoline Einsiedel kontrollieren, verlangt ihnen einiges ab: „Die war voll mit Hundekotbeuteln“, berichten die beiden Studentinnen. Ausgestattet mit Warnweste, Handschuhen und einer Grabschaufel wühlen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes durch den Inhalt jeder Tonne. Die Ergebnisse dieser ersten Sichtkontrolle notiert Kommilitone Simon Podewelz in einer Tabelle. Und schon nach einigen Straßenzügen können die Studenten die Erfahrungen der GfA-Mitarbeiter bestätigen. „Zu meinen liebsten Kunden zählen Rentner, die trennen ganz penibel“, weiß Sven-Thorsten Frank zu berichten, auch Einfamilienhäuser seien in der Regel unproblematisch. Anders sehe das bei Mehrfamilienhäusern und großen Wohnblocks aus. Die Anonymität der Adresse lässt offenbar das Umweltbewusstsein rapide schwinden.

Die Kontrollen im Testgebiet „Mittelfeld“ hatte die GfA zuvor angekündigt. Und es gibt Anwohner, die finden die Aktion richtig gut: „Endlich guckt mal einer rein in die Tonnen und sieht den ganzen Dreck, der da nicht rein gehört“, empört sich ein Anwohner. Und einmal in Rage geredet legt er nach: „Da bekomme ich so einen Hals wenn ich sehe, was da alles reingeworfen wird!“
Dass sich vieles in den Behältnissen befindet, was in die Restmüll-, nicht aber in die Biotonne gehört, damit hat der Anwohner recht. Falsch liegt er aber mit der Annahme, die GfA-Bediensteten würden nicht kontrollieren. „Natürlich schauen wir in die Tonnen“, sagen Frank und seine Kollegen Pascal Waltje und Karsten Jakobiak. „Mit weißem Edding-Stift habe ich schon auf so manchen Tonnendeckel drauf geschrieben, dass hier kein Plastik reingehört“, sagt Frank. Doch selbst ein solcher Hinweis scheint bislang wenig gefruchtet zu haben.

Info-Stand soll aufklären

Nun also starten GfA und Leuphana gemeinsam das Pilotprojekt mit dem Ziel, Fehlwürfe im Bioabfall zu reduzieren. Dazu schauen die Studenten nicht nur in die Tonne, sondern sezieren anschließend ganz genau den Abfall aus dem Testgebiet auf dem GfA-Areal.

Ob sie mit ihren Anstrengungen Erfolg haben, wird sich dann erstmals 14 Tage später zeigen – bei der nächsten turnusmäßigen Leerung der Tonnen. Auch dann werden die Studenten wieder Sichtkontrollen machen. Aber erst mit dem dritten Durchgang – 14 Tage später – endet die Schonzeit. „Werden dann immer noch Abfälle in der Biotonne gefunden, die dort nicht hinein gehören, bleibt die Tonne stehen“, kündigt Richter an. „Wir wollen den Biomüll sauber bekommen“, erklärt die Ingenieurin, frei von Plastik und anderen Verunreinigungen. Das aber funktioniert nur, wenn solche Materialien erst gar nicht den Weg in die Biotonne finden.

Um die Bürger für die Müllproblematik zu sensibilisieren, planen die Studenten auch Info-Stände: Der erste findet am Freitag 19. Oktober, von 10 bis 22 Uhr beim Penny-Markt „Teufelsküche“ statt. „Wir wollen aufklären, was in die Tonne gehört, und was nicht“, sagt Jana Schultz.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. „Kein Job für sensible Nasen“

    Ach du meine Güte, Müll riecht etwas streng? Welche Erkenntnis 🙂