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Dr. Barbara Hanusa verstärkt jetzt das Männergespann in der Evangelisch-Katholischen Hochschulgemeinde: Helmke Hinrichs (l.) und Michael Hasenauer. (Foto: t&w)

„Theologie ist nicht nur etwas im Kopf“

Lüneburg. So richtig angefangen hat Dr. Barbara Hanusa noch nicht, trotzdem hat sie sich schon Gedanken darüber gemacht, mit welchen Problemen sich Studenten an sie wenden könnten. So glaubt sie, dass viele angehende Religionslehrer im Laufe ihres Studiums auch mal ins Zweifeln kommen, weil sie mit Inhalten konfrontiert werden, die sich nicht mit ihrem Glauben decken lassen.

Erst kürzlich hat die 52-jährige Pastorin einen Tag für Lehramtsstudenten mitgestaltet und dort von anderen Herausforderungen erfahren: „Viele müssen sich für ihr Fach rechtfertigen. Sie werden auf Feten verbal angegriffen.“ Junge Menschen aufzubauen – das ist eine von vielen Aufgaben, die Hanusa als neue Mentorin künftig ausfüllen möchte. Sie ist Ansprechpartnerin für all jene, die in Lüneburg Theologie auf Lehramt studieren. Heute wird sie im Semester­eröffnungsgottesdienst offiziell durch Landessuperintendent Dieter Rathing und Oberkirchenrat Dr. Marc Wischnowsky in ihr Amt eingeführt.

Christlicher Glaube als Lebensform

„Ich möchte Religionslehrern im Studium eine Kontaktfläche bieten“, umschreibt Hanusa ihren neuen Job. Dafür hat sie das Schulpfarramt am Gymnasium Scharnebeck aufgegeben. Eine Komponente aber ist geblieben: Sie ist nach wie vor als Beauftragte für Kirche und Schule für den Sprengel Lüneburg zuständig, hat eine 50-Prozent-Stelle. Die andere Hälfte ihrer Zeit an der Universität zu verbringen, reizt Hanusa. „Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen. Theologie ist nicht nur etwas im Kopf, für mich ist der christliche Glaube eine Lebensform.“

Jeweils an den Vormittagen ist die Pädagogin, die in Vögelsen lebt, an der Uni. Sie bietet im Bereich Religionspädagogik zwei Veranstaltungen pro Semester an, außerdem können Studenten montags zwischen 10 und 11 Uhr ihre Sprechstunde aufsuchen oder einen Termin vereinbaren. Hanusa weiß, dass Vertrauen eine Voraussetzung dafür ist. Sie möchte auf vielfältigen Wegen mit den jungen Frauen und Männern in Kontakt kommen, zum Beispiel Exkursionen zum Kloster Wülfinghausen, zur Internatsschule auf Spiekeroog oder gar nach Israel unternehmen.
Die Mentorin ist genau zur richtigen Zeit nach Lüneburg gekommen, sie konnte gemeinsam mit Helmke Hinrichs und Michael Hasenauer, den beiden Hochschulseelsorgern der Evangelisch-Katholischen Hochschulgemeinde, das neue Semesterprogramm mitgestalten. Es umfasst rund 60 Veranstaltungen und richtet sich vorwiegend an Studenten (siehe Info-Kasten).
Hanusa leitet gleich mehrere Abende an: Am Dienstag, 13. November, steht sie sogar selbst im Fokus. Studenten können ihre Mentorin mit Fragen löchern – auch zu ihrem bisherigen Lebensweg. So viel schon mal vorab: Geboren wurde Hanusa in Lingen an der Ems, studiert hat sie in Paris, Göttingen und Tübingen.

Prägende Zeit in der Schweiz

Ein Stipendium führte Barbara Hanusa für ein Praktikum in die Schweiz, dort unterrichtete sie ein Semester lang an einer internationalen, privaten Internatsschule – und kehrte Jahre später als Schulleiterin zurück. Für 150 Schüler aus 22 Nationen war sie dort zuständig, musste Elterngespräche auf Englisch und Deutsch führen.
Die Zeit hat die Pastorin geprägt. „Die Bildung ist dort viel breiter aufgestellt, ein Realschulabschluss und eine Ausbildung sind ein guter Weg. Es gibt viel weniger Abiturienten.“ Vor vier Jahren ist sie zurückgekehrt, es war der Wunsch ihres Ehemanns. „Er wollte wieder Pfarrer in Norddeutschland sein.“

Neues Semesterprogramm

Höhepunkte

▶ 30. Oktober, 19 Uhr, Museum Lüneburg: Interreligiöser Dialog mit Experten aus Judentum, Christentum und Islam
▶ 2. November, 20 Uhr, Zentralgebäude: „Herbstsprache“ mit Künstlern der Musikhochschule Lübeck, Dozenten und Studenten der Leuphana
▶ 27. November, 19 Uhr: „Wir begegnen uns“ – ein Abend mit der Muslim Community
▶ 29. November, 19 Uhr: „Bibel & Whiskey“, Anmeldungen bis 23. November an buero@ehg-khg.de
▶ 18. Januar, 18.30 Uhr: Schabbatfeier mit Rabbinerin Prof. Dr. Evelyne Goodman-Thau im Raum der Stille

Das komplette Programm gibt es auf www.ehg-khg.de im Internet.

Von Anna Paarmann