Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Biber Bertha baut Burg am Fischteich
Gemeinsam setzen sie sich für den Schutz der Biber ein (v.li.): Hanna Köhncke (Betrieb Kreisstraßen), Kreisrat Josef Nießen, Diane Oertzen (Stadt Winsen), Detlef Gumz (Naturschutzbehörde), Thomas Schmidt (Betrieb Kreisstraßen) und Jürgen Hülskämper (Naturschutzbund). (Foto: Landkreis Harburg)

Biber Bertha baut Burg am Fischteich

Winsen/Radbruch. Letzte Gewissheit lieferte das Video einer Wildtierkamera, aufgestellt vom Naturschutzbund. Ein Biber baute fleißig seine Burg im Fischteich bei Radbruch an der Kreisgrenze zwischen Harburg und Lüneburg. Die Abflüsse in den Hausbach „waren kunstvoll mit Dämmen verstopft“, berichtet Andres Wulfes, Sprecher des Kreises Harburg. Wegen der Stautätigkeit des Nagers drohten Radweg und Kreisstraße zu überfluten. Nun hat der Harburger Betrieb Kreisstraßen dafür gesorgt, dass ein alter Bypass zum Hausbach auf Dauer wieder geöffnet wurde.

Damit soll der Spagat gelingen: Einerseits soll die Straße nicht überschwemmt werden, andererseits der Eingang der Biberburg weiterhin unter Wasser stehen, damit der streng geschützte Nager den Standort nicht wieder aufgibt. Und offenbar hat sich da kein Einzeltier niedergelassen, sondern eine kleine Biberfamilie.

Auf dem Schwarz-Weiß-Video der Wildtierkamera ist der Biber zu sehen, wie er des Nachts geschäftig Äste und belaubtes Strauchwerk über einen kleinen Damm hinweg ins Wasser zerrt und drapiert.

Eines von zehn Biberrevieren im Kreis

Die Biberburg befindet sich knapp auf Harburger Kreisgebiet. Die Mitarbeiter des Landkreises Harburg haben die Biberdame „Bertha“ getauft, die am Fischteich bei Radbruch ihren Nachwuchs aufzieht. „Bibermama Bertha hat mindestens ein Jungtier dabei, vielleicht sogar ein zweites“, sagt Kreissprecher Wulfes. Damit der Artenschutz gewährleistet bleibt, stimmte sich der Betrieb Kreisstraße eng mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) ab. Aber auch die Verkehrsaufsicht beim Kreis Harburg hatte sich eingeschaltet.

Biber Bertha in Aktion

Um Autofahrer vor dem nachtaktiven Tier zu warnen, stellte der Kreis Harburg extra angefertigte Warnschilder mit Biber-Symbol auf, verbunden mit dem Hinweis „Biberwechsel, 19 bis 7 Uhr“. Die Gemeinschaftsarbeit der Kreisbehörden lobte Harburgs Kreisrat Josef Nießen und sagte: „Artenschutz fängt vor Ort und im Kleinen an.“

Allein im Kreis Harburg haben Naturschutzbund und die UNB gut zehn Biberreviere ausgemacht, „vor allem an der Elbe, aber auch am Rethmoorsee und an der Seeve“, sagt Kreissprecher Wulfes. Die Naturschützer gingen von wenigstens 30 Tieren aus. Wulfes weiter: „Durch seine Fähigkeit, die Landschaft zu verändern, nimmt der Biber eine Schlüsselrolle in der Natur ein. Durch das Fällen von Bäumen zur Nahrungsaufnahme sowie den Bau von Dämmen und Biberburgen tragen die Tiere zur Renaturierung der Gewässer und ihrer Auenbereiche bei.“

„Bibermama Bertha hat mindestens ein Jungtier dabei, vielleicht sogar ein zweites.“
Andres Wulfes, Kreissprecher

Aber was ist eigentlich, wenn sich der Biber entscheidet, die Landschaft auf der nahegelegenen Golfanlage „Green Eagle“ zu verändern und Wasserhindernisse zu renaturieren? Da gibt sich Ralf Lühmann von der Geschäftsführung ganz entspannt: „Wir hatten schon vor rund zwei Jahren einen Biber bei uns auf der Anlage.“ In Abstimmung mit der UNB hätten die Platzbetreiber Maßnahmen getroffen, um dem Biber das Bauen seiner Biberburg zu ermöglichen, ohne dass er den Betrieb beeinträchtigt. Lühmann: „Dann war der Biber irgendwann plötzlich weg. Wir hatten uns gewundert, wo er plötzlich hin ist. Unsere Mitglieder haben ihn schon schmerzlich vermisst.“ Ob es sich bei dem Biber im Radbrucher Fischteich um dasselbe Tier handelt, ist unklar.

Von Dennis Thomas