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Die Eichelmast fällt gewaltig aus in diesem Jahr. Doch daraus lässt sich noch nicht auf einen strengen Winter schließen. Foto: NLF

Eicheln fallen in Massen

Lüneburg. „Viele Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“, lautet eine alte Bauernregel. Wenn sie denn stimmen würde, stünde uns in diesem Jahr ein schne ereicher, harter Winter bevor. Doch nur aufgrund der Eichelmast auf das Wetter der nächsten Monate zu schließen, das hält Knut Sierk, regionaler Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten, dann doch für zu verwegen: „Die Blütenknospen haben die Eichen nämlich schon im vergangenen Jahr ausgebildet“, erklärt Sierk. Und dass die Bäume schon im Herbst des Vorjahres quasi mit ihren Wurzelspitzen fühlen können, wie das Wetter der Zukunft wird, kann er sich nur schwerlich vorstellen. Grund für die vielen Eicheln sei vielmehr die gute Witterung zum Zeitpunkt der Blüte Anfang Mai. Keine Nachtfröste mehr, die den Blüten hätten gefährlich werden können.

„Alle drei bis fünf Jahre gibt es eine sogenannte Vollmast“, sagt Sierk, so gesehen sei das Naturphänomen also nichts Ungewöhnliches.

Hohl, verdorrt, nicht keimfähig

Auch Bucheckern gebe es viele, nur: „Viele sind hohl, verdorrt, also nicht keimfähig“, bedauert der Forstexperte. Dabei seien die Forsten auf Saatgut angewiesen: „Stürme und Trockenheit haben den Wäldern in diesem Jahr zugesetzt, dazu komme in manchen Regionen eine regelrechte Borkenkäferplage, die den Fichten zu schaffen mache.

Zufrieden registriert Sierk daher das Sammelergebnis im Forstamt Göhrde: Dort wurden jetzt 1,6 Tonnen Eicheln gesammelt – in eigens dafür ausgewiesenen Beständen. Samen, aus dem in einigen Jahren der Wald der Zukunft wird. Dass nicht jede Frucht beim Förster abgegeben werden kann, erklärt Knut Sierk so: „Eicheln unterliegen dem Forstsaatgutgesetz. Deshalb darf nur in bestimmten, zuvor festgelegten Beständen gesammelt werden.“

Ein echtes Katastrophenjahr

Dieses Jahr sei für den Wald ein echtes Katastrophenjahr. Los ging es mit Stürmen, dann kamen Trockenheit und Dürre: Vor allem die Fichte leide vielerorts. „Sie ist der Verlierer des Klimawandels“, sagt Sierk. Der Nadelbaum leide gleich doppelt. Durch Trockenstress und eben auch durch den Borkenkäfer. „Seit Beginn des Jahres laufen wir durchgängig im Krisenmodus“, betont auch der Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, Klaus Merker.

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte für die niedersächsischen Wälder allein die Dürreschäden bereits auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Wenn Bäume also einen Wunsch frei hätten, dann wohl diesen – Regen, Regen und nochmal ganz viel Regen.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Saatgut aus Oerrel

Die Forstsaatgutberatungsstelle (fsb) in Oerrel wurde 1985 gegründet – als Reaktion auf den Saatgut-Skandal in den 1970er-Jahren. Damals war minderwertiges Eichelsaatgut aus Südosteuropa mit gefälschten Papieren nach Deutschland verkauft worden. Deshalb kommt nach Oerrel nur ausgewähltes Saatgut aus den staatlichen Forstämtern Niedersachsens.

In den Kühlkammern der fsb lagern 40 bis 50 verschiedene Samenarten. Nicht nur von Bäumen, sondern auch von „gebietsheimischen Sträuchern“, etwa vom Pfaffenhütchen oder der Elsbeere.

One comment

  1. für wildschweine ein festschmaus. sie werden sich besonders gut vermehren und der fleischpreis für die jäger wird weiter fallen. es wird eben immer mehr abgeballert. die jagd wird sich so aber bald nicht mehr lohnen. zur problembeseitigung hat sie noch nie getaugt. als wasserspeicher taugt der nadelwald eh nichts. wer nur an das holz denkt, denkt eben falsch. die natur ist ein sehr guter lehrmeister. sie wehrt sich erfolgreich gegen menschliche dummheit, jede wette.wir brauchen mehr ungestörten mischwald. in ruhe gelassen von der holzindustrie und von der jagd.