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Die Lopau wurde renaturiert – und die Macher belohnt: mit dem Sonderpreis der Bingo-Umweltstiftung. Foto: t&w

Preis für ein besonderes Projekt

Rehlingen. Was macht ein Projekt zu einem preisgekrönten Projekt? Jürgen Vogt, Vorsitzender des Vereins „Regionale Kulturlandschaft Samtgemeinde Amelinghausen“ – kurz RegioKult – und Burkhard Jäkel von der Unteren Naturschutzbehörde wissen die Antwort: „Wenn unterschiedliche Akteure gemeinsam ein Naturschutzvorhaben erfolgreich umsetzen.“ Das nämlich ist Vogt und seinen Mitstreitern mit ihrem Umweltprojekt „Lauf Lopau, Lauf!“ gelungen. Und dafür wurden sie am Montag in Hannover mit dem Sonderpreis der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ausgezeichnet. In der Laudatio lobte die Jury neben der fachlich hervorragenden Umsetzung der Gewässer- und Auenentwicklungsmaßnahmen vor allem die Komplexität des Projektes und die hohe Anzahl an Akteuren.

Wie berichtet, hatten Jäkel und seine Mitstreiter ein Teilstück der Lopau bei Rehlingen renaturiert und sich mit dem Projekt beim Niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss“ um die „Bachperle 2018“ beworben. Der Gewässerwettbewerb wurde vom Niedersächsischen Umweltministerium und der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände erstmalig 2010 ins Leben gerufen und findet nun alle zwei Jahre statt. Dieses Mal wurden insgesamt 22 Umwelt-Projekte für den Wettbewerb angemeldet – eines davon war die Lopau-Renaturierung. Das Engagement beeindruckt auch Umweltminister Olaf Lies (SPD): „Danke für Ihr Engagement und Ihre gelebte Freude, mit denen Sie die naturnahe Gewässerentwicklung Schritt für Schritt umsetzen und unsere Bäche und Flüsse Stück für Stück wieder zu dem machen, was sie einmal waren: Lebensraum für unzählige Arten und ein Ort, an dem Menschen gerne verweilen“, so der Minister.

Der Sonderpreis der Bingo-Umweltstiftung ist für Jäkel nicht die erste Auszeichnung: Für die Billerbeck-Renaturierung – der Umwandlung des begradigten Gewässers zu einem Heidebach – wurde der Landkreis bereits 2012 mit der „Bachperle“ ausgezeichnet.

Es wurde gebaggert und gebuddelt

Auch beim jetzt mit dem Sonderpreis ausgezeichneten Gewässerprojekt „Lauf Lopau, Lauf!“ geht es um die „Verbesserung der Gewässer- und Auenstruktur zur Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit“. Und zwar der Lopau am ehemaligen Kulturstau „Auf dem Brende“. Die Renaturierungs-Arbeiten fanden im Frühjahr 2017 statt. Es wurde gebaggert und gebuddelt, 207 Tonnen Kies und gesiebtes Geröll wurden bewegt und der Lauf der Lopau auf einer Länge von etwa 50 Metern verlegt. Dabei wurde in einem waldreichen Abschnitt eines trocken gefallenen Bruchs ein alter Kulturstau durch den Bau eines neuen Bachbetts durchgängig gemacht. Zusätzlich wurden mehrere trockengefallene Fischteiche umgestaltet, um einer weiteren Versandung des Gewässers zu begegnen. Eine Anhebung des Grundwasserpegels führt zudem zur Wiedervernässung des Bruchs und somit zur Förderung standorttypischer Gehölze in der Aue. Mit anderen Worten: an der Lopau wurde ein kleines Natur-Paradies geschaffen, in dem sich Eisvogel, Bekassine, Reiher und Kanada-Gänse ebenso zuhause fühlen, wie Schwarzstorch und Wolf.

„Möglich wurde dieses Projekt nur, weil viele Akteure gut zusammengearbeitet haben“, sagt Jäkel – angefangen vom Landkreis über die Landesforst und die Landwirtschaftskammer bis hin zum SOS-Hof und dem Naturcampus sowie dem Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband Luhe. Involviert waren zudem die Gemeinde Rehlingen und die Samtgemeinde Amelinghausen. Den Spruch, das viele Köche den Brei verderben, haben die Akteure des Umwelt-Projektes „Lauf Lopau, Lauf!“ also eindrucksvoll widerlegt. Das sieht auch die Jury so: „Die gute Zusammenarbeit vieler Akteure und die dabei vorbildliche Einbeziehung von Umweltbildung in ein großes Gewässerentwicklungsprojekt der Heidelandschaft ist uns einen Sonderpreis wert. Wir hoffen, dass es Andere zur Nachahmung anregt“, so Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung.

Von Klaus Reschke