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Die große Halle des Hamburger Hauptbahnhofs soll auch nach Süden in Richtung der Gleise erweitert werden. (Foto: dth)

Der Bahnhof braucht mehr Platz

Hamburg/Lüneburg. Der meistfrequentierte Bahnhof Deutschlands platzt seit Jahren aus allen Nähten. Mit dem Ausbau bis 2030 eröffnet Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher auch im überregionalen Maßstab eine dringend notwendige Entwicklungsperspektive. In den nächsten Jahren wird nicht nur der Ausbau des Bahnnetzes in Niedersachsen (Alpha-E) zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene schaffen. Laut Tschentscher müsse man auch die Fertigstellung des Fehmarnbelt-Tunnels im Blick behalten.

DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla (l.) und Bürgermeister Peter Tschentscher haben den Ausbau des Hauptbahnhofs zur Chefsache gemacht. (Foto: dth)

Bei kurzfristigen Maßnahmen soll zunächst jedoch Platz für die Menschen auf den Bahnsteigen geschaffen werden. Die geplanten Vorhaben werden anfangs vor allem Bahnpendler aus der Lüneburger Region betreffen.

„Wir wollen versuchen,die Erneuerung der Bahnsteige bis 2020 abzuschließen.“
Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand Bahn

„Wir wollen den Hamburger Hauptbahnhof fit machen für die nächsten 100 Jahre“, sagte Tschen­tscher gestern beim Pressegespräch im Deutschen Schauspielhaus gegenüber dem Bahnhof. Tschentscher weiter: „Aber wir wollen auch sehr bald Verbesserungen herbeiführen.“ Der frühere Kanzlersamtschef und heutige Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla, sagte: „Wir wollen versuchen, die Erneuerung der Bahnsteige bis 2020 abzuschließen.“ Dabei soll als nächstes bei den Bahnsteigen der Gleise 13 und 14, wo meist die Metronom-Züge aus Uelzen und Lüneburg halten, „die Aufbauten wie Shops, Aufsichtshäuschen und Automaten entfernt werden, um für unsere Gäste mehr Platz zu schaffen“, sagte Pofalla. Das soll 2019 über die Bühne gehen. Bis zum zweiten Quartal wollen Bahn und Stadt Hamburg dann auch ihre Vereinbarung fertig haben, wie der große Umbau organisiert werden soll.

Nach ersten Vorplanungen könnte auch die Ostseite mit einem Erweiterungsbau und einer überdachten Passage versehen werden. Auch eine Überdeckelung des Gleisfelds auf der Nordseite ist denkbar. (Grafik: DB/ Station
Beim Rundgang mit Tschentscher und Pofalla um den Hauptbahnhof gab Oliver Hasenkamp, Leiter der Objektentwicklung und Planung bei der Deutschen Bahn, erste Ideen preis, wie eine Erweiterung aussehen könnte. So sei angedacht, die südliche Stirnseite der Bahnhofshalle über die Steintorstraße hinaus zu verlängern, „in Dachform und Kubatur des Bestandsgebäudes“, so Hasenkamp. Schließlich müssen Aspekte des Denkmalschutzes bei dem 1906 errichteten Bahnhof berücksichtigt werden. Auf der anderen Seite der Steintorbrücke sei ein Hochbau geplant, mit fünf Abgängen zu den einzelnen Bahnsteigen im Süden. In dem Hochbau seien laut Hasenkamp Verkaufsflächen und Büroräume geplant. Und: „Die Steintorbrücke soll überdacht werden und zu einer Kommunaltrasse umgebaut werden.“ Dann dürften auf der verbliebenen Straße künftig nur noch Busse, Taxen und Lieferverkehre fahren. Außerdem sollen zusätzliche Durchbrüche vom Südsteg zur Steintorbrücke vorgenommen werden. 
Nord- und Südsteg könnten zudem künftig durch eine Passage verbunden werden, die an der Ostflanke des Gebäude angebaut würde. Hasenkamp weiter: „Und auf der Nordseite gibt es die Überlegung, im Zuge des Neubaus der U5 eine Teil- oder Ganzüberdeckelung des Gleisbereichs einzurichten.“ Der neue Platz könnte von Taxen und Kurzparkern genutzt werden.

Über die möglichen Kosten wollte Tschentscher auf Nachfrage kein Wort verlieren. „Wir wollen erst ermitteln, was wir brauchen und planen. Dann wissen wir, woran wir sind.“
Um Kapazitäten bei den Regionalbahnen freizuschaufeln, will Hamburg seine Pläne für die S-Bahnlinie 4 nach Bad Oldesloe vorantreiben, sagte auf LZ-Nachfrage Andreas Rieckhoff, Staatsrat bei der Hamburger Wirtschaftsbehörde. Dann könnten beispielsweise auch mehr Züge aus Niedersachsen den Hauptbahnhof ansteuern. Rieckhoff: „Alles hängt mit allem zusammen.“

Von Dennis Thomas