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Grippeimpfung
Kleiner Schmerz, großer Nutzen: Fragen rund um das Thema Grippeschutzimpfung beantwortet Dr. Dagmar Nübling-Ende. (Foto: phs)

Ein Piks gegen die Grippe

Lüneburg. Im Herbst beginnt die Erkältungssaison. Um gegen die Influenza – auch „echte“ Grippe oder Virusgrippe genannt – gewappnet zu sein, empfehlen Fachleute eine Grippeimpfung. Warum man sie machen lassen sollte und für wen sie besonders wichtig ist, beantwortet die Adendorfer Medizinerin Dr. Dagmar Nübling-Ende.

Frau Dr. Nübling-Ende, was unterscheidet eine Influenza von einer Erkältung?

Dr. Dagmar Nübling-Ende: Beide Erkrankungen beginnen zunächst mit Unwohlsein und Gliederschmerzen. Es kann auch zu Kopfschmerzen kommen.

Bei einer banalen Erkältung, oder auch grippaler Infekt genannt, steigt das Fieber, wenn es zu Fieber kommt, nicht so hoch. In der Regel nicht viel höher als 38 Grad. Häufig ist die Erkrankung von einem Schnupfen begleitet, es kommt zu Husten zunächst ein trockener Reizhusten, später mit Auswurf.

Bei der Influenza, der echten Grippe, ist der Krankheitsverlauf deutlich länger und schwerer. Eine Mindestkrankheitsdauer von fünf bis sieben Tagen, meist jedoch auch bis zu 14 Tagen sind die Regel. Es kommt plötzlich zu hohem Fieber (über 39 Grad). Schnupfen tritt selten auf. Ein schmerzhafter Reizhusten begleitet die Krankheit meist von Beginn an. Im Verlauf einer Influenza kann es zu schweren Komplikationen wie einer Lungenentzündung oder einer Herzmuskelentzündung kommen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, im Falle einer Erkrankung sich genügend Zeit zum Erholen zu geben und insbesondere auf körperliche Belastungen zu verzichten.

Wer sollte sich gegen die Influenza impfen lassen?

Gefährlich ist die Grippe besonders für ältere Menschen, chronisch Kranke oder immungeschwächte Menschen. Zusätzlich empfiehlt die ständige Impfkommission eine Grippeschutzimpfung für schwangere Frauen (ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel, in bestimmten Fällen vom Anfang der Schwangeschaft an) und für Menschen, die aus beruflichen Gründen viel Kontakt zu anderen Menschen haben, insbesondere im medizinischen Bereich Tätige.

Chronisch Kranke sind Menschen mit Herzkreislauferkrankungen, Leber- und Nierenkrankheiten, chronischen Erkrankungen der Atemwege wie zum Beispiel chronische Bronchitis, COPD, Asthma, neurologischen Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Immundefekte und HIV.

Wann sollte die Impfung stattfinden?

Die Impfstoffe sind in der Regel ab Ende September auf Lager, sodass schon jetzt gegen die Grippe geimpft werden kann. Allgemein ist Oktober/November die günstigste Zeit, sich impfen zu lassen, da jetzt die Erkältungskrankheiten noch nicht so vorherrschend sind. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt ist die Grippeschutzimpfung sinnvoll und möglich.

Bietet die Grippeimfung einen hundertprozentigen Schutz?

Nein, keine Impfung bietet einen hundertprozentigen Schutz, so auch nicht die Grippeschutzimpfung. Aber die Wahrscheinlichkeit, an einer Influenza zu erkranken, wird deutlich gesenkt. Je weniger Menschen an einer Influenza erkranken, desto mehr sind auch die Menschen geschützt, die aus verschiedenen Gründen nicht geimpft werden können. Die Wirksamkeit des Impfstoffes hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. So zum Beispiel auch vom jeweiligen Immunsystem der geimpften Personen, das sehr individuell ist.

Ist sie jedes Jahr erneut nötig?

Ja, die Grippeschutzimpfung muss jährlich wiederholt werden. Die Grippeviren verändern sich ständig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet in speziellen Grippezentren auf der ganzen Welt das Auftreten und die Verbreitungsgeschwindigkeit der Grippeviren. Nach diesen Beobachtungen wird dann die entsprechende Empfehlung ausgegeben, welche Grippeviren am Wahrscheinlichsten im Winter bei uns auftreten werden. So wird nach aktuellen Empfehlungen jedes Jahr ein neuer Grippeschutzimpfstoff hergestellt. In diesem Jahr wird, in Änderung zum Vorjahr, von den gesetzlichen Krankenkassen der 4fach valente (4 Grippestämme betreffend) Impfstoff empfohlen und bezahlt.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Im Allgemeinen ist die Grippeschutzimpfung gut verträglich. Wie bei jeder Impfung können jedoch auch leichte Nebenwirkungen auftreten. In der Regel sind es Beschwerden, die schnell wieder abklingen. Es kann an der Einstichstelle zu einer Rötung, leichten Schmerzen oder Schwellung kommen. Vereinzelt können auch Symptome einer Erkältung (leichtes Fieber, Muskel- oder Gliederschmerzen) auftreten. Diese sind dann als gutes Zeichen zu bewerten, da sich der Organismus mit dem Impfstoff auseinandersetzt.

Wann sollte man sich nicht impfen lassen?

Man sollte sich nicht impfen lassen, wenn man sich angeschlagen fühlt oder Fieber hat. Die Erkrankung sollte dann abgeklungen sein.

Auch sollten Patienten mit bekannter Allergie gegen Hühnereiweiß oder die bereits ungewohnt heftige Impfreaktionen in der Vergangenheit gehabt haben, dies dem Arzt mitteilen. Dies empfehle ich auch bei schweren Erkrankungen mit speziellen Therapien.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Impfungen für den empfohlenen Personenkreis. Einige gesetzliche Kassen übernehmen auch die Kosten für Versicherte, die nicht zu Risikogruppen gehören. Bei Impfwunsch sollte dann im Vorfeld mit dem Arzt gesprochen werden.

Zu guter Letzt: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Grippeschutzimpfung. In manchen Fällen kann auch die gleichzeitige Impfung gegen eine Lungenentzündung sinnvoll sein. Es ist auch eine gute Gelegenheit, den Impfstatus bzw. den Impfausweis überprüfen zu lassen.

Von Antje Schäfer