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EKZ Scharnebeck
Auf dieser Fläche an der Kreisstraße Richtung Echem und gegenüber dem Schiffshebewerk soll ein Einkaufszentrum entstehen. Dafür will Aldi größer bauen, außerdem wollen sich Edeka und Budnikowsky ansiedeln. (Foto: phs)

Kein Einkaufszentrum in Sicht

Scharnebeck. Seit Jahren liegen die Pläne für ein neues Einkaufszentrum (EKZ) in Scharnebeck auf dem Tisch. Doch ein Baustart für das Großp rojekt ist noch immer nicht in Sicht. Seit mindestens einem Jahr stecken die Planungen offenbar an der gleichen Stelle fest, geht es mit den notwendigen Änderungen des Flächennutzungs- und Bebauungsplans nicht voran. Stillstand, für den offiziell niemand die Verantwortung übernehmen möchte. Stattdessen schieben sich Landkreis, Samtgemeinde und Gemeinde gegenseitig den schwarzen Peter zu.

Dabei dreht sich seit Monaten alles um denselben Knackpunkt: Was passiert in der Ortsmitte, wenn am Ortsrand ein neues Einkaufszentrum entsteht und Edeka aus dem Dorfkern verschwindet? Der Investor des Gesamtprojektes, Jürgen Sallier, hat laut Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU) inzwischen bereits das dritte Nachnutzungskonzept vorgelegt. „Geplant ist danach unter anderem die Ansiedlung eines Fitnesscenters und einer Großgastronomie.“

Sobald die Gemeinde dem zustimmt, kann es laut Gerstenkorn weitergehen mit den Planungen. „Doch meines Wissens ist genau das momentan das Problem“, sagt er. „Denn ohne die Zustimmung der Gemeinde wird der Landkreis Lüneburg das Projekt nicht absegnen.“

Zustimmen muss der Kreis in diesem Fall einer sogenannten Zielausnahmeregelung. Die ist notwendig, weil das Einkaufszentrum mit insgesamt mindestens 3300 Quadratmetern (neuer Edeka-Markt 1500, Drogeriemarkt 600 und Aldi-Erweiterung 1200 Quadratmeter) deutlich größer wird, als es die Raumordnung erlaubt. Danach dürfte ein Einkaufszentrum in einem Ort wie Scharnebeck eigentlich nicht größer als 2000 Quadratmeter werden.

Der Ortskern darf nicht veröden

Doch es gibt Ausnahmen – und damit die genehmigt werden, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem müssen die Einwohner das Einkaufszentrum mit dem Öffentlichen Personennahverkehr problemlos erreichen können. Und: Für die Ortsmitte muss ein Nachnutzungskonzept erstellt und von der Gemeinde für gut befunden werden.

Kreissprecherin Katrin Holzmann betont: „Das alles haben wir mit der Samtgemeinde im Sommer durchgesprochen, geprüft wird das dann, wenn uns die Änderungen des Flächennutzungs- und des Bebbaungsplanes vorliegen.“ Laut Gerstenkorn kommt die Samtgemeinde aber mit der F-Plan-Änderung nicht weiter, „weil uns die Zustimmung der Gemeinde zum Nachnutzungskonzept fehlt“.

Den Vorwurf wiederum lässt der Bürgermeister der Gemeinde, Hans-Georg Führinger (CDU), nicht gelten. „Wir haben schon vor einem Jahr dazu im Rat einen Beschluss gefasst, der Samtgemeinde und Kreis vorliegt.“ Darin heißt es: „Der Rat der Gemeinde nimmt das vorgelegte und am 21.08.2017 erläuterte Nachnutzungskonzept positiv zur Kenntnis und erwartet, dass seitens der Firma Sallier ein nachvollziehbares und auch umsetzbares Nachnutzungskonzept für die Ortsmitte bis zur Beschlussfassung über den Bebauungsplan zum geplanten EKZ vorgelegt wird.“ Soll heißen: Grundsätzlich stimmt die Gemeinde der geplanten Nachnutzung zu, fordert aber aus Sorge vor einer Verödung des Ortskerns von dem Investor noch einen konkreten Nachweis, dass das vorgelegte Konzept auch tatsächlich klappt.

Das Problem dabei: Der Investor könne nur dann konkrete Firmen nennen, wenn feststeht, wann der Ortskern tatsächlich zur Verfügung steht. „Und dafür müssen wir wissen, wann das Einkaufszentrum am Hebewerk fertig sein wird“, sagt Führinger. Er sei deshalb davon ausgegangen, dass zunächst der Landkreis der Zielausnahmeregelung zustimmt, „bevor wir das Geld in einen Bebauungsplan stecken“.

Thema soll erneut auf die Tagesordnung

Seit Anfang September liegt auch Führinger das dritte Nachnutzungskonzept vor. „Das Planungsbüro des Investors hat es uns zukommen lassen mit der Bitte, der Rat möge dem zustimmen.“ Darüber habe er als Bürgermeister den Verwaltungsausschuss informiert. „Und der war einmütig der Meinung, dass zurzeit keine weitere Beratung erforderlich wäre, da der Kreis sich bisher nicht zur Zielausnahmeregelung geäußert hat.“

Da der Landkreis aber offenbar nicht gewillt sei, diese beantragte Zielausnahmeregelung im Vorwege des Bauleitverfahrens zu erteilen, „werde ich das Thema bei der nächsten Fachausschusssitzung erneut beraten lassen“, sagt Führinger. Er könne sich aber nicht vorstellen, „dass wir dort zu einem anderen Beschluss bezüglich der Nachnutzung kommen werden“. Und das dürfte bedeuten: Ein neues Einkaufszentrum in Scharnebeck ist auch weiterhin nicht in Sicht.

Von Anna Sprockhoff