Aktuell
Home | Lokales | Reise in die Vergangenheit
Kreisbahn
Die Eisenbahnfreunde Leo Demuth (r.) und Konrad Bäumer am verfallenen Güterschuppen der Bleckeder Kreisbahn in Karze. (Foto: phs)

Reise in die Vergangenheit

Lüneburg. Leo Demuth ist kein Mann von leeren Phrasen. Was er sich vornimmt, setzt er um – zumindest versucht er es: Anfang des Jahres hatte sich der begeisterte Bahnfan auf die Spuren der alten Bleckeder Kreisbahn gemacht (LZ berichtete), an vielen Stellen Überreste der ehemaligen Verbindung zwischen Dahlenburg und Echem gefunden. Die will er jetzt für die Öffentlichkeit erlebbar machen.

Betrieb wurde 1922 eingestellt

Ein Themenradweg soll Teilstrecken des von 1896 bis 1922 betriebenen Schienenverkehrs begleiten, an den Stellen, an denen noch die Relikte der Vergangenheit zu sehen sind, mit Informationstafeln Aufmerksamkeit erregen und Details erläutern. So zumindest der Plan. „Ich bin derzeit dabei, an den verschiedensten Stellen für mein Projekt zu werben“, sagt der ehemalige Berufsschullehrer, „doch das ist nicht immer einfach.“

Im Namen des Vereins der Freunde der Eisenbahn stellte er bereits beim Kreis einen Antrag für die Hinweisschilder. „Ich werde dazu demnächst im Kulturausschuss referieren“, erklärt Demuth, „und eine Präsentation zeigen.“ Zudem hat er die verschiedenen Verantwortlichen in den betroffenen Samtgemeinden sowie der Stadt Bleckede kontaktiert: „Bis auf Letztere waren alle von der Idee angetan und haben Unterstützung signalisiert“, sagt er. Das gelte auch für den Geschäftsführer der Flusslandschaft Elbe GmbH, die als übergeordnete Tourismusorganisation ebenfalls zuständig wäre.

Start der mehr als 70 Kilometer langen Tour soll in Lemgrabe sein, von dort aus die Strecke über Dahlenburg-Zentrum, Tosterglope, wo noch das alte Bahnhofsgebäude zu sehen ist, und Gut Horndorf mit seinem klar erkennbaren ehemaligen Bahndamm zum Schieringer Forst führen. „Hier am Hünengrab existierte ehemals eine Haltestelle, eigens für den Ausflugsverkehr“, weiß Demuth. Das Fragment der Haltebude verberge sich noch im Boden: „Wir haben schon gebuddelt“, sagt der ehemalige Berufsschullehrer und lacht, „sind aber noch nicht fündig geworden. Wir bleiben dran.“

Übernachtung auf halber Strecke

Barskamp und Bleckede mit seinem gut erhaltenen Bahnhofsgebäude, das mittlerweile zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde, den Hinweis auf die alten Fahrtrichtungsangaben aber noch trägt, stehen ebenso auf der Liste wie Garlstorf mit seinem Güterschuppen und Wendewisch. Weiter führt die Tour über Karze, Ahrenschulter und Lüdersburg bis nach Echem. Geradelt werden soll zum Teil auf Feld- und Waldwegen, zum Teil entlang der Straße. „Die An- und Abfahrt könnte per Bahn erfolgen“, sagt Demuth, „das ist ideal, zudem wäre eine Übernachtung auf halber Strecke möglich.“

Hilfe-Aufruf

Originalfotos gesucht

Die radelnden Eisenbahnfreunde haben noch nicht alle Geheimnisse der Bleckeder Kreisbahn gelüftet, bitten daher die Menschen in Stadt und Kreis um Hilfe: „Die alte Trasse kreuzte die Bruchwetter bei Ahrenschulter, aber wir wissen einfach nicht, wo“, sagt Demuth, „vielleicht hat jemand darüber noch Aufzeichnungen oder Überlieferungen?“

Dasselbe gilt auch für die ehemaligen Haltepunkte in Lüdersburg und Jürgenstorf. „Zudem sind wir auf der Suche nach einer Originalaufnahme der Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Bruchwetter bei Lüdersburg. Vielleicht kann uns auch da jemand helfen.“ Wer Informationen zur alten Bleckeder Kreisbahn hat, wendet sich an Leo Demuth, (04131) 58136.

Von Ute Lühr