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Die Einsatzorganisation liegt im Ernstfall in den Händen von (v.l.) Ulrik Etzold, Jana Sander (beide Feuerwehr Kolkhagen), Joachim Schiller (ASB Lüneburg) und Matthias Knaack (Feuerwehr Westergellersen). (Foto: t&w)

Trümmerregen aus All fällt auf den Kreis

Scharnebeck. Dramatische Szenen spielten sich am Sonnabend im Kreisgebiet ab. Trümmerteile der Internationalen Raumstation ISS, die im All mit einem Meteoriten zusammengestoßen war und danach in Richtung Erde stürzte, trafen den Lüneburger Bahnhof und einen Supermarkt in Bleckede. Weltraumschrott hatte überdies einen Krater in den Erdboden in Hohnstorf/Elbe gerissen, Radioaktivität trat aus. Aufgrund der langen Trockenheit hatten die glühend heißen Metallteile der ISS den Wald bei Breetze in Brand gesteckt. Mehr als zehn Hektar standen in Flammen. Und nach einer Schiffskollision auf dem Elbe-Seitenkanal wurde ein Matrose vermisst. Zudem trat Öl aus. Unfallursache war eine durch Wrackteile beschädigte Kanal-Brücke zwischen Lüneburg und Barendorf. Aus Bardowick wurden Plünderungen gemeldet.

Ein Jahr Vorbereitung

Natürlich waren keine Trümmer der ISS auf Orte im Kreis gestürzt. Die Raumstation unter dem Kommando des deutschen Astronauten Alexander Gerst umkreist nach wie vor in der vorgesehenen Umlaufbahn die Erde. Das Science-Fiction-Szenario eines Trümmerregens aus dem All diente der Technischen Einsatzleitung (TEL) des Landkreises Lüneburg als Grundlage für eine Übung, in der sie den Katastrophenfall beziehungsweise einen Großschadensfall in den dafür eigens eingerichteten Räumen in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Scharnebeck probte.

„Wir haben im Laufe der Jahre gelernt, dass wir mit allem rechnen müssen. Es gibt nichts, das es nicht gibt.“ – Uwe Hauschild , Technische Einsatzleitung

„Wir haben in einjähriger Vorbereitungszeit ein Drehbuch entworfen mit einer dramatischen Lage, damit wir unseren Apparat hochfahren können“, berichtet TEL-Leiter Uwe Hauschild. „Wir müssen üben und haben im Laufe der Jahre gelernt, dass wir mit allem rechnen müssen. Es gibt nichts, das es nicht gibt“, sagt der Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Ilmenau. Und so gab es in den vergangenen Jahren Übungen, die etwa einen Flugzeugabsturz im Landkreis simulierten, einen Zwischenfall im Atomkraftwerk Krümmel, einen Güterzug-Unfall im Lüneburger Bahnhof und ein ICE-Unglück auf der Strecke Hamburg-Hannover.

Bei dem jetzt angenommenen ISS-Absturz übten am Sonnabend 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren, von DRK, ASB, DLRG, Polizei und Bundeswehr. Acht Stunden dauerte die Einheit. „Es nahmen weitere 20 Helfer in sogenannten örtlichen Einsatzleitungen teil, die kreisweit in Feuerwehr- und Rathäusern ihre Leitstellen eingerichtet hatten“, sagte Uwe Hauschild.

Kommunikatin muss funktionieren

Wichtig war es den Organisatoren der Übung, dass die bei einer Katastrophe für die Bevölkerung lebenswichtige Kommunikation unter den Einsatzkräften reibungslos funktioniert. „Aber wir testen auch, ob unsere Technik einwandfrei läuft“, so Ulrich Mentz von der Kreisverwaltung.

Denn im Ernstfall soll es die TEL schaffen, innerhalb von einer halben Stunde die Arbeit aufzunehmen. „Das schaffen wir. Die Erfahrungen mit den Jahrhunderthochwassern der Elbe hat uns das gleich mehrfach in den vergangenen Jahren gezeigt“, erklärte Uwe Hauschild.

Hoch konzentriert ging es jetzt in den Räumen in der FTZ zu. Die Einsatzkräfte koordinierten an unzähligen Laptops die Hilfe für die Menschen in einer sich ständig ändernden und immer dramatischer werdenden Lage mit insgesamt mindestens 100 Einschlägen aus dem Weltall. Ihre Aufgabe war es unter anderem, im Schulzentrum Oedeme ein Notfallkrankenhaus für 300 Schwer- und 200 Leichtverletzte einzurichten. Darüber hinaus sollte am Schulzentrum in Embsen eine Notunterkunft für 500 Menschen errichtet und der gesamte Personen- und Zugverkehr eingestellt werden.

Warnungen über spezielle Apps

„Bei der Übung arbeiten wir auch mit den sozialen Medien im Internet. Wir trainieren, die Menschen mit Twitter über aktuelle Entwicklungen zu informieren und nutzen den Dienst, um selber weiterführende Nachrichten aus der Bevölkerung zu erhalten“, erläuterte Andreas Bahr, bei der Feuerwehr zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem wurde die Bevölkerung laut Szenario über die Apps Biwapp, Nina und Katwarn vor den Gefahren gewarnt.

Die Auswertung der Übung wird nach den Worten von Uwe Hauschild bei einer Nachbesprechung mit allen Beteiligten im November erfolgen. „Dann wissen wir, was gut war und wo wir noch Luft nach oben haben.“

Von Stefan Bohlmann