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„Die Kartoffeln, die man abgetütet kaufen kann, haben eine Größe von 3,5 bis 6,5 Zentimetern“, sagt Michael Kleinlein. (Foto: phs)

Unendliche Kartoffelsaison

Südergellersen. Auf den Äckern ist die Kartoffelsaison beendet, in einer unscheinbaren Halle bei Südergellersen geht das Geschäft mit den Kn ollen weiter. Wer den Ort verlässt und auf der Kreisstraße Richtung Oerzen fährt, passiert einen der größten Kartoffelhändler Deutschlands: die Hans Willi Böhmer Verpackung und Vertrieb GmbH & Co.KG und seinen Partnerbetrieb Lünekartoffel.

Gemeinsam sorgen die Firmen dafür, dass Supermärkte, Restaurants und Großmärkte das ganze Jahr über mit Kartoffeln versorgt sind. Die LZ hat hinter die Kulissen geschaut und einen Ort erlebt, an dem die Kartoffel an 365 Tagen im Jahr Hochsaison hat.

Geschäft erfordert viel Koordination

Was da passiert, ist im Groben schnell erklärt: Die Kartoffeln werden geliefert, gewaschen, getrocknet, sortiert, abgepackt, verladen. Ein Geschäft, das einfach klingt, aber jede Menge Koordination und Vermarktungsgeschick erfordert. „Wir arbeiten hier Just-in-Time“, sagt Lünekartoffel-Chef Michael Kleinlein. Soll heißen: Der Kunde ordert heute, die Südergellerser liefern morgen, spätestens übermorgen. Dazu kommt die Herausforderung, auch für ganz große und sehr kleine Kartoffeln einen Kunden zu finden. Denn diese Knollen sind in den Standard-Bestellungen der Supermärkte unerwünscht.

Erdäpfel am laufenden Band

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Gefragt sind sie dennoch, „man muss nur wissen wo“, sagt Kleinlein. So vermarktet er die größten Kartoffeln an ein Restaurant in Görlitz an der polnischen Grenze. „Die rühmen sich damit, die dicksten Kartoffeln Deutschlands anzubieten.“ Übergrößen mit einem Gewicht von 280 bis 380 Gramm gehen an die Restaurantkette „Blockhaus“. „Da zählt die Einheitlichkeit, denn die wollen, dass die Kartoffeln in jedem ihrer Restaurants gleich groß sind.“ Die ganz kleinen Kartoffeln wiederum gehen aktuell auf den Großmarkt in der tschechischen Hauptstadt Prag.
Dass Kartoffeln aus Südergellersen ins Ausland gehen, ist allerdings die Ausnahme. „Der Großteil unserer Ware bleibt in Nord- und Mitteldeutschland“, sagt Kleinlein. Dort, wo sie auch produziert wurden.

Grundstein für die Firma wurde 1950 gelegt

Mit den meisten Landwirten arbeitet er seit Jahrzehnten zusammen. Das ganze Jahr über beliefern sie ihn mit Kartoffeln, lagern ihre Ware nach der Ernte selbst in klimatisierten Hallen zwischen.

1950 legten Kleinleins Großvater und Partner mit „Heidesaat Lüneburg“ den Grundstein für das Geschäft, seine Nachfahren haben ihn weiter entwickelt und modernisiert. „Damit sind wir gut aufgestellt“, sagt Kleinlein. Einen Trend aber können auch sie nicht aufhalten. „Die Deutschen essen immer weniger Speisekartoffeln.“
Dabei ist Kleinlein überzeugt: Kartoffeln sollten auch in den deutschen Haushalt wieder an 365 Tagen im Jahr Hochsaison haben.

Von Anna Sprockhoff