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Das ist ein kleiner Teil des Diebesgutes, das die Polizei nach dem Zugriff in Uelzen sichergestellt hat. (Foto: polizei)

Bande hat Beute beim Schrotthändler versilbert

Lüneburg. Ein herabstürzender Ast traf den Waldarbeiter auf den Kopf, er verlor die Kontrolle über die Motorsäge, die in sein Bein schnitt. So wurde der Serbe arbeitslos. Einige Monate später machte ihm der Bruder seines Stiefvaters einen Aufenthalt in Deutschland schmackhaft, fuhr ihn 2012 zu einem Bekannten nach Hamburg. Und der versprach dem jungen Mann 500 Euro im Monat plus täglich 10 Euro für Essen und Zigaretten. Dafür soll er als Chauffeur agieren – dass diese Fahrertätigkeit allerdings für Metalldiebstähle in großem Stil sein sollte, kapierte er erst später. So jedenfalls erzählte es ein heute 29 Jahre alter Serbe, der wegen bandenmäßigen Einbruchsdiebstahls in 17 Fällen am Landgericht Lüneburg angeklagt ist. Die Beteiligung an sieben Taten gestand er gestern zum Prozessauftakt.

Polizei gründete Sondereinheit

Im Herbst 2012 begann eine in Norddeutschland bis dahin einzigartige Serie von Diebstählen, bei denen es eine Bande auf Kupfer und andere Metalle abgesehen hatte, in drei Fällen war Lüneburg der Tatort. Sie transportierte ihre Beute tonnenweise in zuvor bei einem Autoverleih unter falschen Namen angemieteten Transportern ab. Spezialisten der Lüneburger Polizei gründeten mit Beamten der Bundespolizei aus Hamburg eine Sondereinheit, die schnell eine Gruppe von Serben ins Visier nahm.

Ein Beamter schaut sich einen Teil des sichergestellten Diebesguts an. (Foto: polizei)
Als in der Nacht zum 11. Februar 2013 ein Wachmann Männer auf das Gelände einer Uelzener Firma schleichen sah und er die Polizei alarmierte, war die flugs zur Stelle. Die Täter flüchteten zu Fuß, acht von ihnen konnten die Beamten noch auf dem Areal festnehmen und in der Nähe aus einigen Büschen pflücken.

Die acht Serben im Alter von 24 bis 43 Jahren erhielten im ­April 2014 am Landgericht Lüneburg Haftstrafen zwischen 48 Monaten und fünf Jahren. Sie hatten in wechselnder Besetzung Beute im Wert von mehr als 500 000 Euro gemacht. In anderen Verfahren mussten sich weitere Mittäter verantworten.

Acht Komplizen wurden bereits verurteilt

Der jetzt angeklagte 29-Jährige konnte sich nach der Uelzener Tat in seine Heimat absetzen. Die Strafverfolger und Zielfahnder bewiesen aber einen langen Atem: Am 9. Mai 2018 wurde der Mann festgenommen, als er mit seiner Frau in Holland unterwegs war.

„Ich sollte fahren, aber  nicht stehlen.“
Der Angeklagte

Der Angeklagte redete gestern um den heißen Kupfer-Brei herum: „Ich sollte fahren, aber nicht stehlen.“ Bei der ersten Tat sei er davon ausgegangen, dass er bereits gekaufte Metalle aufladen sollte. Er fuhr mit einem Van Renault Espace zum Lüneburger Güterbahnhof, wo weitere Serben waren. Laut Anklage sollten hier 120 Kilo Metallschrott aus zwei Fässern erbeutet werden, so weit kam es aber nicht. Der Angeklagte: „Noch beim Einladen kam die Polizei.“

Die Männer wurden vorläufig festgenommen, machten danach aber fleißig weiter. Erfolgreicher waren die Täter bei einer Lüneburger Bahnbau-Firma, wo sie einen Materialschuppen aufbrachen und unter anderem mit mehreren Seiltrommeln im Wert von 19 000 Euro verschwanden, und beim Einbruch in ein Lüneburger Bahngebäude, wo Metallteile im Wert von 27 300 Euro verschwanden.

In Geld umgemünzt wurde die metallene Beute bei Schrotthändlern, häufig verkauften sie unter falschen Namen an einen speziellen Hamburger Händler. Der allerdings griff nicht allzu tief in seine Tasche: Die Metallteile aus Lüneburg im Wert von 27 300 Euro brachten den Dieben gerade mal 7989 Euro.
Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Rainer Schubert