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In der Innenstadt hat gerade eine Postfiliale ihre Türen geschlossen, viele Lüneburger müssen jetzt die Hauptpost aufsuchen. (Foto: be)

Die Wege ändern sich

Lüneburg. Die Nachricht hat auch die Deutsche Post kalt erwischt, Ersatz gibt es deshalb bislang nicht: Am Sonnabend hat mit einem Ausstattungsladen in der Rotehahnstraße auch die darin angesiedelte Postfiliale dicht gemacht. Es war die letzte in der Innenstadt.

Besonders ärgerlich ist das für die Nachbarschaft, darunter viele Senioren. Sie haben sich Pakete meist in das Geschäft liefern lassen, um mit dem Abholschein nicht die Hauptpost an der Sülztorstraße ansteuern zu müssen. In anderen Stadtteilen wiederum soll sich die Lage entspannen: Manche Filialen haben bereits eine Paketausgabe erhalten, andere sollen noch „aufgewertet“ werden. Für einige Kunden werden die Wege also deutlich kürzer.

Gespräche mit Interessenten

Zur Schließung an der Rotehahnstraße sagt Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt: „Das ist recht kurzfristig letzte Woche geschehen. Wir stehen in dem Einzugsgebiet aber schon in Gesprächen mit Interessenten.“ Bekanntlich benötigt die Post für ihre Filialen stets Partner, meist ist ein entsprechender Schalter im Supermarkt oder in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft zu finden.

2008 wurden alle Zweigstellen, die selbst gemietet und mit eigenem Personal betrieben wurden, abgestoßen. Selbstständige Unternehmer, sogenannte Postagenten, betreiben die Annahmestellen. „Für den Einzelhandel ist das ein Zusatzgeschäft, gegen eine entsprechende Vergütung“, erklärt Hogardt.

Eine solche Agentur gibt es auch in dem Bürobedarfsladen „Lehrer Lämpel“ auf dem Gelände des Loewe-Centers an der Wulf-Werum-Straße. Während der Post-Pressesprecher sagt, dass eine „Organisationsveränderung“ möglich sei, nicht aber verrät, wann und in welcher Form, Kunden „unter Umständen“ Alternativen angeboten bekommen sollen, sagt eine Mitarbeiterin des Geschäfts, dass längst offiziell bekannt sei, dass Pakete nun dorthin geliefert würden. „Vorher waren wir nur eine Wunschfiliale.“ Kunden konnten also bislang bei einer Bestellung angeben, dass diese beim Loewe-Center abgegeben werden soll.

Neu eingerichtet werden soll eine Paketausgabe in der Post am St.-Stephanus-Platz in Kaltenmoor. Wer im Zuständigkeitsgebiet dieser Filiale wohnt, kann dort dann seine Sendungen abholen, wenn der Postbote ihn nicht zu Hause angetroffen hat. Die zusätzliche Leistung dürfte sich für die Einzelhändler rentieren: Sie rechnen pro Paket ab.

Bald gar keine Pakete mehr an der Sülztorstraße?

„Computer Fitzek“ an der Dahlenburger Landstraße bietet diesen Service bereits, dort ist man für Neu Hagen, das Hanseviertel, Ilmenaugarten, den Lüneburger Hafen und den Bilmer Berg zuständig – also quasi für den ganzen Osten der Stadt.

Während ein Teil des Paket­aufkommens künftig zur Filiale nach Kaltenmoor abwandern dürfte, kommt gleichzeitig viel Arbeit von der großen Post an der Sülztorstraße hinzu. Ein Mitarbeiter sagt zur LZ: „Die Paket­ausgabe soll dort über kurz oder lang rausfliegen und auf die anderen Filialen aufgeteilt werden.“

Dass Kunden mit ihrer Benachrichtigungskarte bald nicht mehr das Postbank-Finanzcenter aufsuchen können, bestreitet dagegen Jens-Uwe Hogardt. Er habe davon keine Kenntnis, die Filiale solle lediglich entlastet werden und angesichts der nahenden Weihnachtszeit weniger Pakete ausgeben.

Die Frage, ob diese Argumente nicht eine weitere Poststelle in der Innenstadt rechtfertigen würden, beantwortet er so: „Wir schauen uns die Struktur immer wieder an, das Netz an Filialen ist in den Städten recht dicht. Auch in Lüneburg.“ Es sei nicht zwingend erforderlich, innerhalb des Radius einer bereits vorhandenen Filiale wie der an der Sülztorstraße eine weitere zu eröffnen. Das könnte zu Konkurrenz führen, der einen oder anderen Zweigstelle „Kunden abspenstig machen“.

Übergangslösung

Paketshops als Alternative

Zusätzlich zu den Postfilialen sind Paketshops Anlaufstellen, um zum Beispiel Porto für Pakete zu kaufen, frankierte Päckchen und Retouren abzugeben. In der Regel nehmen sie aber keine Briefe an, verkaufen Marken nur in Sets. In der Lüneburger Innenstadt gibt es solche Shops unter anderem in der Oberen Schrangenstraße, Am Berge oder Am Sande.
Der Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt weist darauf hin, dass Paketshops Zusatzangebote sind. „Deshalb bieten sie nur einen eingeschränkten Service.“

Von Anna Paarmann