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1998 haben Maria Elena Cosme de Tews (l.) und Lucy Grimme Escobar den Verein Amistad gegründet. Carlos Tillmans, ebenfalls im Vorstand, ist vor einigen Jahren eingestiegen, weil er gern wieder Spanisch sprechen wollte. Foto: t&w

Der Freundschafts-Verein

Lüneburg. Auf eine Errungenschaft ist Lucy Grimme Escobar besonders stolz: Amistad hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Spanisch an vielen Lüneburger Schulen als zweite Fremdsprache angeboten wird. Angefangen hat alles 1998 mit einer Gruppe von Kindern, deren Mütter wollten, dass sie Spanisch lernen. Heute zählt der Kulturverein Amistad, der Name bedeutet übersetzt „Freundschaft“, 80 Mitglieder aus Peru, Spanien, Honduras, El Salvador, Chile, Costa Rica und Deutschland. Am Sonnabend, 27. Oktober, feiern Grimme Escobar und ihre Mitstreiter das 20-jährige Bestehen.

Spanisch-Kindergarten war das eigentliche Ziel

Die Vereinsvorsitzende, die vor 37 Jahren aus El Salvador nach Deutschland gekommen ist, hatte sich damals mit mehreren Familien mit kleinen Kindern zusammengetan. Eigentlich wollten sie einen Kindergarten eröffnen, in dem Spanisch gesprochen wird. „Das ist uns leider nicht gelungen, die bürokratischen Hürden waren für einen kleinen Verein, der sich gerade erst gegründet hatte, zu hoch.“ Stattdessen wurde ein spanischer Kindergruppen-Nachmittag ins Leben gerufen, mit Unterstützung der Rübe und der Familien-Bildungsstätte.

Im Jahr 2000 eroberte die Sprache die Schulen: Als Pionier gilt das Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck, später folgten die Herderschule, das Gymnasium Oedeme und weitere Schulen. Manche hatten Spanisch da zwar schon längst als AG im Repertoire, nicht aber als offizielle zweite Fremdsprache neben anderen. Um die Schulen auf dem Weg zu unterstützen, wurde die „rollende Spanisch-Bibliothek“ mit Materialien für den Unterricht gegründet. 2007 legten die ersten Schüler ihre Abiturprüfung in Spanisch ab.

Rund 200 Lüneburger kommen aus Lateinamerika

„Das war eine sehr schöne Phase“, sagt Grimme Escobar. „Heute bieten wir den Schulen immer noch unsere Unterstützung an.“ Unterstützung lässt Amistad auch allen zukommen, die aus Lateinamerika oder Spanien nach Lüneburg ziehen und hier Fuß fassen möchten. „Wir fördern den gegenseitigen Austausch der Kulturen“, erklärt Grimme Escobar das Hauptanliegen des Vereins. „Es ist gerade in Zeiten, in denen es viel Rassismus gibt, wichtig, etwas zu tun.“

Rund 200 Lateinamerikaner leben nach Angaben von Amistad an der Ilmenau. Es sei wichtig, dass sie sich wohlfühlen, Freunde finden. „Jemand, der glücklich ist, kann besser Deutsch lernen und hat somit bessere Chancen, sich zu integrieren.“ Aus eigener Erfahrung und von vielen Mitgliedern weiß auch Maria Elena Cosme de Tews, dass Deutschland Neuzugewanderten viele Chancen und Perspektiven bietet, „wenn man die Sprache lernt und in die Gesellschaft hineinfindet“. Die El Salvadorianerin ist vor 20 Jahren hergezogen und sagt: „Ich bin hier sehr glücklich.“

Für Kulturvereine gibt es keine staatliche Hilfe

Neben der Integrationsarbeit leistet der Verein humanitäre Hilfe, vor allem in Regionen, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden. Im vergangenen Jahr flossen Spenden nach Peru. „Dort wurde aufgrund des starken Regens ein komplettes Dorf zerstört“, sagt Grimme Escobar. „Mit dem Geld konnte die Schule wieder aufgebaut werden.“

Sie macht auch auf ein finanzielles Problem aufmerksam. Wie andere Vereine finanziert sich Amistad durch Mitgliedsbeiträge. „Für Kulturvereine gibt es keine staatliche Hilfe, wir brauchen von Seiten der Kommune Unterstützung.“

Der Verein trifft sich stets am ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr in der Krone.

Von Anna Paarmann

Fest im Glockenhaus

Geburtstagsfeier

Die Preisträgerin des Gesangswettbewerb „The Voice Colombia“ sorgt für musikalische Unterhaltung bei der 20-Jahre-Feier des Vereins Amistad im Glockenhaus. Die Veranstaltung am Sonnabend beginnt um 19 Uhr. Neben einer Flamenco-Tänzerin wird eine mexikanische Gruppe erwartet. Es gibt Getränke und ein Buffet, Spenden sind erwünscht. Gäste werden gebeten, sich per E-Mail an amistad.lueneburg@gmx.de anzumelden.