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Bereitschaftspolizisten und Statisten legten sich mächtig ins Zeug bei der Übung im Adendorfer Eisstadion. Trainiert haben die Teilnehmer das Trennen gewaltbereiter Fans von friedlichen. Foto: t&w

Gerangel und Gepöbel an Eishalle

Adendorf. Polizei zieht vor der Walter-Maack-Eishalle auf. Beamte in Schutzausrüstung sichern den Eingang. Es kommt zu Rangeleien. Zwei Dutzend Männer und Frauen bedrängen die Beamten, provozieren sie, pöbeln und grölen. Doch die Situation eskaliert nicht. Denn das, was am Donnerstagmorgen unter den Augen einiger Schaulustiger wie ein echter Polizeieinsatz aussieht, ist nur ein Schauspiel. „Wir üben“, sagt Polizeihauptkommissar Boris Ichter, Zugführer bei der vierten Hundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg.

„Wir simulieren den Einsatz bei einem Eishockeyspiel der Lüneburger Keiler gegen die Hamburger Elche in der Adendorfer Halle“, erklärt er. Die Mannschaften gibt es in Wahrheit nicht, sie sind fiktiv. Das angenommene Spiel bildet den Rahmen für die Übung, bei der 35 junge Polizisten, Durchschnittsalter 24 Jahre, auf den Ernstfall vorbereitet werden. Die Frauen und Männer haben am 1. Oktober an den niedersächsischen Polizeiakademien in Oldenburg, Nienburg/Weser und Hannoversch Münden ihr Bachelor-Studium beendet und versehen seitdem ihren Dienst in Lüneburg, werden dort bei der Bereitschaftspolizei weiter ausgebildet. „Nach der Theorie ist nun die Praxis an der Reihe“, erläutert Boris Ichter.

Erfahrene Beamte spielen die Anhänger

Die Trennung gewaltbereiter Anhänger von den friedlichen bei der Anreise der Eishockey-Fans ist eine Aufgabe für die jungen Polizisten. Außerdem sollen sie Zuschauer am Eingang kontrollieren und verhindern, dass sie Pyrotechnik, Signalpistolen oder andere Waffen in die Halle schleusen.

Erfahrene Bereitschaftspolizisten sind die Statisten. Sie spielen die Fans. Ihren reichen Erfahrungsschatz aus zahlreichen Einsätzen legen sie in die Waagschale. Entsprechend heftig geht es zum Teil ab. Ein Feuerwerk an verbalen Unverschämtheiten bis hin zu derben Beleidigungen prasselt auf die Polizisten ein, die dann auch noch körperlich von den Komparsen bedrängt werden: ein Schubser hier, ein Schlag mit dem Fan-Schal da und wildes gestikulieren mit den Händen vor den Gesichtern der Ordnungshüter.

„Das Ziel ist, dass die jungen Kollegen lernen, wie sie mit Fans richtig kommunizieren und was sie dabei dürfen und was nicht. Das gibt ihnen für die bevorstehenden Einsätze die nötige Sicherheit und Sensibilität“, sagt der stellvertretende Ausbildungsleiter, Polizeioberkommissar Sebastian Hinz, der zusammen mit zwei weiteren Beamten das Drehbuch für die Übung entwickelt hat.

„Beleidigungen prallen an mir ab“

Boris Ichter räumt ein, dass die Zahl der gespielten Straftaten bei der Trainingseinheit deutlich höher ist als im Regelfall bei echten Einsätzen. „Das ist der Tatsache geschuldet, dass wir kompakt üben müssen, um dicht an die Realität heranzukommen.“ So ganz könne das allerdings nicht gelingen. „Die Atmosphäre bei Massenveranstaltungen können wir nicht nachstellen.“

Dennoch fühlen sich die neuen Bereitschaftspolizisten, die bislang nur den Streifendienst kennengelernt hatten, gut gerüstet für den ersten Einsatz. „Es ist aufregend“, gibt Sarah Marie Gäthke zu. „Einer solchen Masse an Störern gegenüber zu stehen, ist neu für mich. Beleidigungen prallen an mir ab, weil ich weiß, dass sie nicht mich persönlich treffen sollen, sondern verbale Gewalt gegen die Institution Polizei ist“, sagt sie. Sie fühle sich wohl und sicher. „Die Zusammenarbeit funktioniert gut.“ Das hören Sebastian Hinz und Boris Ichter gerne. „Die wichtigste Voraussetzung bei unseren Einsätzen ist gute Teamarbeit“, sind sich beide einig.

Bundesweiter Einsatz bei Großveranstaltungen

Denn die Lüneburger Bereitschaftspolizei wird bundesweit unter anderem bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Konzerten, wie dem Hurricane-Festival in Scheeßel, und Demonstrationen wie bei Pegida in Dresden eingesetzt. Aber auch bei Straßenkontrollen zur Einbruchprävention oder Polizei-Einsätzen gegen Clan-Kriminalität in der Region verrichten die Beamten ihren Dienst. Als nächstes steht für sie im Kalender der niedersächsische Landesparteitag der AfD in Oldenburg am kommenden Sonntag und das Niedersachsen-Derby zwischen Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg im DFB-Pokal am Dienstag, 30. Oktober.

Von Stefan Bohlmann