Aktuell
Home | Lokales | Haferkekse hatten einen schweren Start
Schulleiter Stefan Schulz bedankt sich mit Blumen bei den Eltern für deren Engagement. Foto: t&w

Haferkekse hatten einen schweren Start

Lüneburg. Drei sind durch, eines durchläuft gerade die entscheidende Phase: Vier Kinder von Uta Sittmann haben am Gymnasium Oedeme gelernt, als Letztes wird ihr Sohn im nächsten Jahr in die Abi-Prüfungen gehen. Dann ist die Familie durch, dann wird wohl auch die Mama ihren „Job“ in der Schule an den Nagel hängen, den sie allerdings ohne Lohn ausübt: Gemeinsam mit anderen Müttern und Vätern betreibt sie die Snack-Bar. Das Projekt feiert in dieser Woche 10. Geburtstag.

Anfangs wurde das Angebot boykottiert

Der Schulkiosk am Gymnasium Oedeme war beliebt. In den Pausen oder Freistunden haben die Schüler hier Pizza, Schokoriegel und andere Leckereien bekommen. Doch dann musste die Betreiberin aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Weil damals aber gerade der Ganztagsbetrieb eingeführt wurde und es noch keine Mensa gab, stellte sich die Frage der Verpflegung mehr denn je. Deshalb ergriffen Eltern die Initiative und boten im ehemaligen Kiosk im Untergeschoss der Schule fortan vor allem gesunde Snacks an in Konkurrenz zum Süßigkeiten-Automaten direkt nebenan.

Uta Sittmann war damals schon dabei. Der Start sei nicht einfach gewesen, der Kiosk war beliebt, die älteren Schüler hätten die Snack-Bar und ihr bewusst anderes Angebot zunächst boykottiert. Doch mit der Zeit sollte sich die Mühe der Eltern lohnen, längst sind lange Schlangen in den Pausen vor dem Verkaufstresen die Regel. Montags, dienstags und freitags versorgen die Eltern die Gymnasiasten jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr mit belegten Vollkornbrötchen, Müsliriegeln, Haferkeksen, Äpfeln, Joghurt, Getränken und einigem mehr, teils sogar glutenfrei – alles zu kleinen Preisen, denn verdienen muss an dem Verkauf niemand. Mittwochs und donnerstags übernehmen diese Aufgabe Schüler der benachbarten Förderschule am Knieberg in Form einer Schülerfirma.

„Ich mag vor allem die warmen Brezeln“

Schulleiter Stefan Schulz ist froh über das Engagement der Eltern. Das sei keineswegs selbstverständlich. Im vorigen Schuljahr habe die Bar freitags nicht öffnen können, weil zu wenige Eltern bereit gewesen seien, beim Betrieb mitzuhelfen. „Wir haben dann bei Elternveranstaltungen noch einmal kräftig die Werbetrommel gerührt, insbesondere von Schülern zweier 5. Klassen haben sich dann Eltern gemeldet, so dass die Snack-Bar jetzt wieder an allen Tagen geöffnet hat“, sagt der neue Direktor. „Die Atmosphäre – auch mit den Sitzgelegenheiten drum herum – ist so nett, dass meine Stellvertreterin und ich unsere regelmäßigen Besprechungen hierher verlegt haben.“

Die Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren, sind bis auf ganz wenige Ausnahmen Mütter. Meist zweimal im Monat kommt jede von ihnen morgens um 8 Uhr in die Schule, schmiert Brötchen, backt Brezeln auf, verkauft die Waren und macht nach dem großen Ansturm wieder klar Schiff – bis etwa 12.30 Uhr. Die knapp 1600 Schüler, aber auch die 120 Lehrer, die allerdings ein bisschen mehr zahlen, wissen das Engagement und das Angebot zu schätzen. „Ich mag vor allem die warmen Brezeln“, sagt Penelope Glantz aus der 10. Klasse. Ihre Freundin Bentje Becker greift gern bei den Äpfeln zu – die sind für die Schüler sogar gratis.

Limbo und Cocktails zum runden Geburtstag

Nicht alles, was über den Tresen geht, ist nach Gesundheitsaspekten ausgewählt worden. Popcorn, Muffins und Zimtschnecken zählen auch zum Angebot. Kuchen allerdings sei nicht so stark gefragt, wohl auch eine Frage des Preises, den die Eltern bewusst etwas höher als bei den gesunden Lebensmitteln angesetzt haben.

Zum 10. Geburtstag haben Uta Sittmann und ihre Mitstreiter eine Aktionswoche initiiert – zum Auftakt gab es für die Schüler am Montag alkoholfreie Cocktails, Limbo – und vom neuen Schulleiter Blumen als Zeichen der Anerkennung.

Von Alexander Hempelmann