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Anwohner der Baumstraße finden, ihnen wir zu viel zugemutet. Sie haben in ihrer Nachbarschaft mehrere Häuser mit nicht ganz einfachen Mietern. Nun will die Herberge dort eine Außenstelle eröffnen. Foto: privat

Es gärt weiter an der Baumstraße

Lüneburg. „Wir fühlen uns überfordert“, sagte eine Anwohnerin der Baumstraße, und die gut 30 anwesenden Nachbarn sahen es am Montagabend bei einer Versammlung im Gemeinderaum der Nicolaikirche ähnlich: Eine Außenstelle der „Herberge plus“ mit vermutlich 15 Plätzen könne das soziale Gefüge empfindlich stören.

Zwischen Bardowicker Straße und Im Wendischen Dorf gebe es drei, vier Häuser, in denen schon jetzt Menschen zu Hause seien, die „nicht ganz einfache Lebensläufe“ hätten, außerdem werde Prostitution ausgeübt. Das habe die Straße bislang verkraftet. „Wenn wir uns im Sommer abends spontan zusammensetzen, sind auch Bewohner aus diesen Häusern dabei“, sagte ein Anwohner. Das sei gut und richtig so, doch die Frage sei, ob ein weiteres Plus zu verkraften wäre.

Keine einfachen Lebensläufe

Wie berichtet, hat die Herberge extremen Zulauf. Um die 100 Menschen wohnen dort. Die Sozialarbeiter fühlen sich damit überfordert, sie haben Überlastungsanzeigen geschrieben. Michael Elsner, Geschäftsführer des Trägervereins, will nun einen Teil der Menschen an der Baumstraße in einem ehemaligen Ballettstudio unterbringen, das entsprechend umgebaut wird.

Der neue Hauseigentümer des Studios genießt unter den Anwohnern nicht den besten Ruf: Er besitze dort bereits ein Gebäude, um das er sich nach Meinung von Nachbarn nicht besonders kümmert. Das sorgt für Skepsis.

Keine einheitliche Linie unter den Nachbarn

Verärgert reagierten mehrere Anlieger darauf, dass sie nicht im Vorfeld über die Pläne informiert wurden. Die von Sozialdezernentin Pia Steinrücke in einer Erklärung gegenüber der LZ genannten Gespräche seien erst auf Nachfragen bei der Verwaltung zustande gekommen.

Die Anwohner, die inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet haben, verfolgen keine einheitliche Linie. Während einige dafür plädieren, die Unterkunft ganz zu verhindern, fragen sich andere, was passiert, wenn eben nicht der Trägerverein der Herberge als Hauptmieter auftritt. Dann sei denkbar, dass der Hauseigentümer von sich aus eine schwierige Klientel ins Haus einziehen lasse – ohne Betreuung.

Abwarten wollen die Anwohner nun eine Versammlung am Montag, 5. November, 20 Uhr, in St. Nicolai. Steinrücke und Lebenraum-Diakonie-Geschäftsführer Elsner sollen ihre Konzeption vorstellen.

Von Carlo Eggeling

Ein Fall für den Anwalt

Betroffene legen Widerspruch ein

Drei Anwohner haben den Rechtsanwalt Jens-Uwe Thümer eingeschaltet, um ihre Interessen zu vertreten. Der Jurist hat Widerspruch gegen eine „Baugenehmigung/Nutzungsänderung betreffend den Umbau des Hauses Baumstraße 28 a“ eingelegt. Es habe sich eine Bürgerinitiative gebildet, welche die geplante Nutzung verhindern wolle: „Dies wird auch mit juristischen Mitteln geschehen.“ Thümer weist auf problematische Häuser hin, die es an dem Straßenzug gebe. Es stelle sich die Frage, „warum Obdachlose nicht auch in Stadtteilen wie dem Roten Feld, Wilschenbruch oder dem Ilmenaugarten untergebracht werden. Augenscheinlich meint man, den dortigen wohlhabenden Bewohnern Menschen mit sozialen Problemen nicht zumuten zu können.“

Mehr dazu:

Kritischer Blick auf neue Nachbarn

 

 

5 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Heiliger Sankt Florian
    Verschon’ mein Haus
    Zünd’ and’re an!

    Not in my backyard – wo ist denn da die Empathie ?

  2. – Kita, super, tolle Idee!
    – Herberge für Obdachlose, muss sein, man kann doch nicht zulassen, das Menschen auf der Straße leben!
    – Hospitz, wunderbar, da braucht man nicht im Krankenhaus sterben, muss auch gefördert werden!
    Aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft!
    Ist schon eine merkwürdige Zeit, in der wir leben. Alle Annehmlichkeiten haben wollen, aber soziale Einrichtungen in der Nachbarschaft?! Das geht überhaupt nicht!!!
    Eine Welt voller Egoisten!

  3. „Roten Feld“ „Ilmenaugarten“ „wohlhabenden Bewohnern“ – äh, bitte was? Seit wann sind Studenten bitte ‚wohlhabend‘? Hab ich irgendeine geheime Geldausschüttung für Studenten verpasst?

    Und seit wann wohnen ‚wohlhabende Bewohner‘ in Mietswohnungen?

    In welchem Stadtteil wohnt eigentlich der Herr Jurist? Irgendwie hab ich das Gefühl das das weder das Rote Feld noch Wilschenbruch oder Ilmenaugarten ist…

  4. Ja, ja , die Mietskasernen von Wilschenbruch, 300 qm mit Swimmingpool.
    Die Leute von der Baumstraße haben mein volles Verständnis. Die Kommentatoren wohnen sicher alle dort und freuen sich auf die neuen Nachbarn.

  5. überall, wo die wohlhabenden sich zusammengerottet haben, wird sich gegen den angeblichen ,,pöbel“ gewehrt. egoisten gibt es überall. ich wollte meine anwohnerstraße zur spielstraße erklären lassen. antwort der gemeinde: die straße hat auf einer seite einen bürgersteig und deswegen ist es nicht zulässig. es leben die schwachsinnigen vorschriften bei uns ein eigenleben.