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Da geht doch was zwischen Alten und Jungen: Szene aus dem Stück "Wir sind die Neuen" am Theater Lüneburg. Foto: Theater/Tamme

WG-Leben 1978 / 2018

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Lüneburg. Am Samstag feierte die Kommödie „Wir sind die Neuen“ nach dem gleichnamigen Kinofilm von Ralf Westhoff Premiere am Theater Lüneburg. Aus diesem Anlass lassen LZ -Kulturredakteur Hans-Martin Koch und Leuphana-Studentin Kim Burmester die LZ-Leser an ihren WG-Erfahrungen teilhaben. Er teilte sich 1978 mit anderen Menschen eine Wohnung, sie 2018. Was hat sich im WG-Leben in einem halben Jahrhundert verändert hat und was nicht?

Hans-Martin Koch 1978. Foto: Klemz
Kim Burmester 2018. Foto: oc

 

 

Die Wohngemeinschaft

2018: Lüneburg, City, erster Stock, 100 Quadratmeter: Hier leben Lucien (24), Kim (25), Oleg (29), Johanna (24). Kim studiert Grundschullehramt, Lucien Finance, Johanna ist Keramikerin, Oleg Ingenieur, er muss jeden Tag nach Büchen. „Es ist keine Preisfrage, so zu wohnen, es ist ein Lebensstil“, sagt Oleg.
1978: Wetzen, altes Bauernhaus, 350 Quadratmeter plus Schuppen: Hier leben mehr oder weniger ganz Horst, Angelika, Ute, Karl-Henning, Arne, Gabi, Roswitha, Mecha, Ernst; Hunde wie Tramp und Io, Kater Antek und Katzen namens Jango und Edwards und Dr. Meyer. Aus den Mitbewohnern wurden Lehrer, Unternehmer, Archäologen und anderes; die meisten sind heute Wohlstandsbürger mit Familie und alternativem Anstrich.

Neu-Zugänge

2018: „Wir sind keine Zweckgemeinschaft“, sagt Kim. Sie hat schon in einer anderen WG gelebt, und auch in der jetzigen gibt es Fluktuation. Lucien ist neu, er baut sich gerade eine Treppe zum Hochbett. Sie kochen zusammen, spielen Monopoly, laden zu Partys und gehen zusammen zum Poetry Slam. Wie findet man bei Bedarf Neue? Es gibt Internetportale und dann wird eingeladen – WG-Casting. „Wir hatten 70 Bewerber, haben 15 eingeladen, mit Lucien saßen wir gleich eineinhalb Stunden zusammen, das passte“, sagt Kim.
1978: Wir wollten die Welt verändern, wie auch immer, und auf jeden Fall anders leben als unsere Eltern. Wechsel in der WG-Besetzung gab es viele, neue Kandidaten kamen über Mundpropaganda oder Aushänge in der Uni, in Kneipen. Wir bauten Zucchinis an und auch mal anderes, laufend wurde an Autos geschraubt. Nur Gruppensex, von dem manche Dorfbewohner raunten, den gab es nicht, nur ganz typischen Beziehungsstress. Alles nicht so ganz anders als 2018, nur mit längeren Haaren und älteren Autos.

Das Leben findet in der Küche statt

2018: Zentraler Raum ist die Küche, vier verschiedene Stühle, ein wackeliger Esstisch, ein alter Küchenschrank, der unter vielen Lagen weißer Farbe dick geworden ist, ein Regal aus dem Sperrmüll, ein Herd mit rostgefährdeten Herdplatten.
1978: Es sah eigentlich genauso aus. Es gab zwar einen Gemeinschaftsraum, aber das Leben spielte sich in der Küche ab.

Putzplan und Kühlschrank-Ordnung

2018: Ein Putzplan hängt in der Küche. Es klappt. Jede/r hat ein Fach im Kühlschrank, eins im Regal. Beim gemeinsamen Frühstück wird zusammengeworfen.
1978: Putzpläne gab es auch, aber jede/r hatte da so seine/ihre Vorstellungen. Die wurden bei Gruppenabenden bis zum Erbrechen diskutiert. Mit Haushaltskasse, Kochen und manch anderem lief es auch eher chaotisch als logisch. Wie viele Leute gerade im Haus waren, blieb ein dauerndes Rätsel. Land-WG, das war einmal, aber Freundschaften halten bis heute.

von Hans-Martin Koch