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Störe
Dr. Jörn Gessner mit einem jungen Stör – 20000 sind in der Elbe bereits ausgesetzt worden. (Foto: t&w)

Ein Platz für Störe

Geesthacht. Fast ein Jahr dauerten die Gespräche, doch jetzt steht fest: Für eine Außenstelle des Leibnitz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf der Geesthachter Elbinsel könnte es baurechtlich grünes Licht von der Stadt Geesthacht geben. Der Finanzausschuss hat beschlossen, das entsprechende Grundstück auf der Elbinsel an das IGB zu verpachten. Die Experten wollen dort eine Aufzuchtstation und Laichfischhaltung für den Europäischen Stör errichten und betreiben.

„Ich fühle mich wie bei einem Marathon und freue mich auf die erste Station, an der es Wasser und Zitrone gibt“, berichtet Jörn Gessner vom IGB. Er wartet jetzt auf die Entscheidung der Stadt. „Ich bin zuversichtlich, aber erst dann kann ich richtig weitermachen und Fördermittel organisieren.“ Zuletzt hatte er viele Diskussionen mit dem Landkreis geführt. „Jetzt haben wir aber das grundsätzliche Okay, dort bauen zu dürfen“, sagt er.

Der Europäische Stör galt als ausgestorben

Der Europäische Stör ist eine der am stärksten gefährdeten Fischarten Europas. Die Berner Konvention hat für den Stör 2007 einen Aktionsplan für das gesamte Verbreitungsgebiet vorgelegt. Deutschland hat das Papier 2010 in einen nationalen Aktionsplan umgesetzt hat. Der Europäische Stör galt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. Seit 1994 versucht die Gesellschaft zur Rettung des Störs, den Wanderfisch auch wieder in der Elbe anzusiedeln. „Die Tiere müssen von klein auf ans Elbwasser gewöhnt werden“, sagt Gessner. Aktuell werden die Störe in Berlin gezüchtet, können sich erst spät an die Elbe gewöhnen, wo sie in früheren Jahrhunderten in großer Zahl den Fluss bevölkerten.

„Die Tiere müssen von klein auf ans Elbwasser gewöhnt werden.“ – Dr. Jörn Gessner , Biologe

Auf der Elbinsel am Stauwehr neben der Fischaufstiegsanlage möchte das IGB die neue Forschungseinrichtung bauen. Sie soll sich mit Fragen der Fließgewässerökologie und insbesondere mit der Wiedereinbürgerung des Europäischen Störs befassen. Hierfür wird eine zentrale Laichfischhaltung in Kombination mit einer Jungfischaufzucht geplant. „Diese Anlage soll als zentrale Elterntierhaltung für die Wiedereinbürgerungsbemühungen dieser Art in Mitteleuropa dienen“, schreibt Jürgen Pflantz vom Umweltamt der Stadt in der Ausschuss-Vorlage. Gessner: „Hier vor Ort können wir gleich sehen, welche Tiere fit sind und welche nicht.“ Die Idee ist, dass die Tiere in der Geesthachter Fischtreppe zur Vermehrung herausgenommen und nach dem Ablaichen wieder in die Elbe entlassen werden.

Aufzuchtstation ist für den Bestandsaufbau notwendig

Der Aufbau einer zentralen Laicherhaltung des Europäischen Störs gilt für den Bestandsaufbau als unverzichtbar. Die aktuellen Kapazitäten am Standort Berlin sind unzureichend, auch ist ein Ausbau dort nicht möglich. Die auf einen Betrieb von 15 bis 20 Jahre ausgelegte Zuchtanlage soll von drei dauerhaften und bis zu sechs saisonalen Mitarbeitern wissenschaftlich begleitet werden. Pflantz: „Zudem soll die Einrichtung auch als Zentrum der Öffentlichkeitsarbeit zur Vermittlung von Forschungsergebnissen zu den Fließgewässern und hier insbesondere zum Fischbestand der Elbe dienen.“ Der Fokus der Öffentlichkeitsarbeit soll auf der Wiedereinbürgerung des Störes und die Rolle der Geesthachter Fischtreppe gerichtet sein.

Das IGB hat bereits mehr als 20 000 Störe in der Elbe ausgesetzt. „Ein halbes Jahr müssen die Störe alt sein, bevor wir sie aussetzen können“, sagt Gessner. Dann wandern die Fische, die bis zu fünf Meter lang und über 100 Jahre alt werden können, in Richtung Nordsee. Nach 15 bis 20 Jahren kehren sie zurück, um erstmals zu laichen. Für das IGB ist die Fischaufstiegsanlage die einzige Möglichkeit einer sicheren Ortung und Entnahme von rückkehrenden Stören. Für die Realisierung der Anlage sind die Flurstücke 33, 34 und 35 notwendig, wobei nur das 4300 Quadratmeter große Flurstück 34 der Stadt gehört. Eigentümer der anderen Flächen ist der Bund, eine Teilfläche ist an Vattenfall verpachtet. Laut Gessner gibt es aber die nötigen positiven Signal zur Zusammenarbeit.

Von Timo Jann