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Luchse
Auf einem Feld zwischen Bargfeld und Dreilingen im Landkreis Uelzen ist bereits im Oktober diese Aufnahme eines Luchses entstanden. (Foto: privat)

Gekommen, um zu bleiben?

Lüneburg/Bargfeld. Jäger Heinz Schütte musste selbst zweimal hinschauen, als er vor zwei Wochen die Bilder seiner Wildtierkamera über den Fernsehbildschirm laufen ließ. Kein Hund, keine Hauskatze – nein, ein Luchs ist offenbar durch sein Jagdrevier zwischen Dreilingen und Bargfeld spaziert. „Man rechnet ja nicht damit, dass man so etwas bei uns sieht.“ Doch die überbaute Figur, der kurze Schwanz mit dem schwarzen Ende, die typische gepunktete Fellzeichnung an der Beininnenseite: „Keine Frage, das ist ein Luchs“, bestätigt Experte Ole Anders, als ihm die LZ das Foto übermittelt.

Seitdem die Raubkatzen im Harz vor rund 18 Jahren wieder angesiedelt wurden, sei wohl keines der Tiere jemals offiziell so weit in den Norden vorgedrungen. Und es sei recht wahrscheinlich, dass dieser Luchs von dort stammt. „Bis zur A2 – weiter ist die Tierart bislang nicht gekommen, was aber nicht ausschließt, dass es einzelne wandernde Exemplare gibt“, sagt der Koordinator des „Luchsprojektes Harz“. Hinweise habe es in der Vergangenheit dazu durchaus schon gegeben. 2008 etwa aus dem Raum Celle, nie aber Beweise – geschweige denn ein Foto.

Lüneburgs Kreisjägermeister ist skeptisch

Und nun gibt es offenbar sogar schon mehrere Bilder. „Wir haben auch einen Luchs im Landkreis Lüneburg mit der Fotofalle fotografiert“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft, Christian Voigt. Das sei vor zirka vier Wochen im Raum Amelinghausen gewesen. Und mehr noch: Bereits vor rund einem Jahr soll ein solches Tier südlich von Munster gesichtet worden sein, so Voigt.

Lüneburgs Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs jedoch steht dem Ganzen skeptisch gegenüber. Nicht etwa, weil er den Luchs fürchtet, sondern weil er das Foto aus Uelzen nicht als wissenschaftlichen Beweis sondern lediglich als Hinweis gelten lassen könne. Dieses sei kürzlich durch eine WhatsApp-Gruppe für Jäger kursiert. „Ich habe schon zu viel gesehen oder gehört, was sich später als Gerücht herausgestellt hat“, sagt er, dem die Lüneburger Aufnahmen nicht bekannt sind. „Der Luchs geht doch nicht zu uns in die Heide, wo höchstens Kaninchenlöcher sind. Er braucht die bewaldeten Mittelgebirge als Biotop“, glaubt Cohrs.

„Man rechnet ja nicht damit, dass man so etwas bei uns sieht.“ – Heinz Schütte , Jäger

Da hat Ole Anders andere Erfahrungen gemacht. Im Grunde genommen brauche der Luchs lediglich eine Nahrungsgrundlage – vorzugsweise Rehe – und Wald. „Er läuft ungern über weite Räume ohne Bäume. Wenn er aber erst einmal in der Lüneburger Heide angekommen ist, hat er keine Probleme.“ Bis auf eines vielleicht: Anders geht davon aus, dass ihn die Suche nach einem Weibchen so weit fort getrieben hat. „Da ist er natürlich in der Heide falsch.“ Trotzdem habe sich ja auch bei Altengrabow in Sachsen-Anhalt ein Luchs langfristig etabliert – weit weg von all seinen Artgenossen.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wies 2006 in einem Online-Ratgeber darauf hin, dass sich der Luchs – sofern ausreichende Rückzugsmöglichkeiten vorhanden seien – auch in direkt von Menschen besiedelten Räumen behaupten könne. „Damit stellen die großen Waldgebiete im Mittelgebirgsraum und in den norddeutschen Heidelandschaften (Lüneburger Heide, Truppenübungsplätze) potenzielle Luchslebensräume dar“, heißt es an dieser Stelle.

90 Luchse im Harz heimisch

Im Harz fiel zur letzten Jahrhundertwende der Startschuss zur Wiederansiedlung des Luchses. Dabei wurden ausschließlich Tiere aus europäischen Gehegen ausgesetzt: drei im Jahr 2000, insgesamt 24 bis 2006. Inzwischen sind nach Angaben von Ole Anders dort rund 90 Luchse heimisch, darunter 35 Jungtiere. Meist sind sie in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag aktiv, da sie ihre Lebensweise dem Zyklus der Beute anpassen. Mit Menschen sei es da nie zu Konflikten gekommen, betont Anders. Begegnungen zwischen Hund und Luchs habe es jedoch schon öfter gegeben. Allerdings begreife der Hund in der Regel doch recht frühzeitig, dass er im Falle einer Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen würde – und komme daher in der Regel glimpflich davon.

Bis zu Uelzens Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge war die Nachricht von dem Raubtier in seinem Gebiet bis gestern noch nicht vorgedrungen. Er heißt den Luchs aber herzlich willkommen, schließlich hielten sich die Tiere bekanntlich von Menschen fern, würden als Einzeljäger auch die übrigen Wildtierbestände nicht maßgeblich beeinflussen. Hellbrügge: „Der Luchs macht mir jedenfalls weniger Sorgen als der Wolf.“

Von Anna Petersen

2 Kommentare

  1. Was versteht man nun unter dem vorletzten Satz vom Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge?: „Er heißt den Luchs aber herzlich willkommen, schließlich hielten sich die Tiere bekanntlich von Menschen fern, würden als Einzeljäger auch die übrigen Wildtierbestände nicht maßgeblich beeinflussen“. Der Wolf tut dieses schon? Aussage von Herrn Hellbrügge: „Der Luchs macht mir jedenfalls weniger Sorgen als der Wolf.“ Wölfe dürfen die Wildtierbestände nicht beeinflussen? Warum? Weil ein Jäger dann nicht mehr so viel zum Schießen hätte?

    • Es geht ihm wahrscheinlich darum, dass ein einzelner Luchs weniger Einfluss auf das Ökosystem hat, als ein Wolfsrudel. Einflüsse, die sich im Endeffekt die Jäger anpassen müssen, auch darin wie viele Tiere sie selber schießen. Außerdem ist ein Wolfsrudel schlichtweg präsenter als ein einzelner Luchs, da finde ich es verständlich, sich mehr Sorgen um die Wölfe zu machen, sind ja im Endeffekt mehr. LG

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