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Sami Köppe (links) und Julian Schulze präsentieren mit ihrer Hauptdarstellerin Robin Zakowitz stolz die Filmklappe für den ersten Platz. Foto: tongers

Hitchcocks Erben

Lüneburg. Sami Köppe und Julian Schulze schauten kurz irritiert, nahmen die Entscheidung der Organisatoren dann aber gelassen. Kurz vor der Aufführung ihres Psychothrillers „Between the Lines“, Gewinner der Kategorie „Sekundarstufe 2 & Berufsbildende Schulen“, baten die Moderatoren der Heide-Wendland-Filmklappe alle Kinder unter 16 Jahren aus dem Kinosaal. Rund die Hälfte der circa 200 Besucher der Veranstaltung im Filmpalast durfte den Film der beiden Lüneburger nicht mit anschauen. Der Grund: Die Jury des Schüler-Filmfestivals hatte der Nachwuchs-Produktion eine inoffizielle Alterseinstufung „FSK16“ verpasst.

9 Preisträger aus 21 Einreichungen

„Der Film ist großartig, aber wirklich nicht ohne“, erklärt Ekkehard Brüggemann, Koordinator der Heide-Wendland-Filmklappe. Der darin gezeigte Horror sei sehr interpretationswürdig, deshalb sollte er Kindern nicht unkommentiert gezeigt werden. „Wir bitten die Jury regulär für alle Filme um eine Einschätzung der Altersfreigabe. Eine FSK16 gab es jedoch noch nie“, so Brüggemann. Einen generellen Trend hin zu mehr Gewaltdarstellung in den Schülerproduktionen beobachte er aber nicht. Insgesamt wurden am Dienstag bei der sechsten Ausgabe des Wettbewerbs für die Landkreise Lüneburg, Harburg, Uelzen, Heidekreis und Lüchow-Dannenberg neun Filme aus insgesamt 21 Einreichungen in vier verschiedenen Altersklassen prämiert (alle Filme sind auf dem LZ-Videportal LZplay.de zu sehen).

Köppe und Schulze, beide gerade erst 16 Jahre alt, ist die polarisierende Wirkung ihres Thrillers durchaus bewusst. Darin verbringt die 16-jährige Robin (Zakowitz) erstmals ein Wochenende allein zu Haus. Die Freude darüber ist schnell vorbei, als eine düstere Gestalt sie in eine Parallelwelt entführt, gefangen hält und verwundet. Es beginnt ein Taumel zwischen zwei Welten, zwischen Realität und Wahn, die irgendwann nicht mehr auseinander zu halten sind.

„Wir haben vorher ein Liebesdrama produziert, jetzt wollten wir mal etwas anderes machen, etwas gruseliges“, so Schulze über die Produktion, die mit ihrem Thriller am 21. Oktober im gleichen Kino vor Freunden und Familie Premiere feierte (LZ berichtete). Er und Köppe, verantwortlich für Drehbuch, Regie und Produktion und Köpfe eines rund 30 Teenager starken Teams, freuen sich über die Aufmerksamkeit, die die Auszeichnung mit sich bringt. „Darum geht es uns, denn genau das wollen wir später auch beruflich machen“, so Köppe.

Zwei weitere Preisträger aus dem Landkreis Lüneburg

Und noch eine Lüneburger Produktion belegt 2018 einen ersten Platz: Die 16-jährige Phuong Tringh vom Gymnasium Oedeme und ihr Team setzten sich mit ihrem Film „Kopfsache“ in der Kategorie „Klassen 8–10“ gegen elf Mitbewerber durch. Die Produktion, die komplett ohne Worte auskommt, handelt vom Schlankheitswahn junger Mädchen und verfolgt die Gedanken einer Schülerin, die Tringh selbst spielt. „Der Film ist im Rahmen des Kunstunterrichts entstanden und sollte vor allem authentisch sein. Ich wollte ein ernsteres Thema behandeln und Magersucht begegnet mir in der Schule immer wieder“, erklärt sie die Themenfindung. Zusammen mit den anderen Erstplatzierten wird Tringh im Februar 2019 an der Niedersachsen-Filmklappe in Aurich teilnehmen. In der Kategorie „Klassen 5-7“ freute sich außerdem die Lüneburgerin Mila Nele Borcherts mit ihrem Team über einen zweiten Platz für ihr Meerjungenfrauen-Märchen „Der verzauberte Gartenschuh“.

von Katja Grundmann

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