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Deutlich zugenommen hat der Schwerlastverkehr nach dem Gefühl der Anwohner in der Ortsdurchfahrt Melbeck, nachdem die Durchfahrtsverbot-Schilder abmontiert worden sind. Foto: t&w

Verlierer im Maut-Geschäft

Melbeck. Straßen sind Lebensadern der Industrie: So gesehen befindet sich die Wirtschaft steil im Aufwind, denn der Lkw-Verkehr auf der Bundesstraße 4 legt weit er zu. Dieser Eindruck jedenfalls drängt sich Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner auf. Ein Grund zur Freude ist das für ihn nicht: Seit Jahren kämpfen die Melbecker darum, den Schwerlastverkehr aus ihrem Ort herauszubekommen. Stattdessen müssen die Melbecker mit der Mautpflicht, die für Lkw über 7,5 Tonnen seit Anfang Juli auch auf allen Bundesstraßen gilt, einen erneuten Dämpfer hinnehmen. „Der Lkw-Verkehr auf der B 4 ist seit Juli geradezu explodiert“, beobachtet Hübner. Er vermutet: „Die Fahrer nutzen nun ganz offiziell die B 4 als Ausweichstrecke für die überlastete A 7, die auf Jahre hinaus noch Baustelle bleiben wird.“

Um seine Beobachtungen mit belegbaren Zahlen zu untermauern, hat Hübner Verkehrszahlen von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr angefordert. Bei Grünhagen ist im Asphalt der B 4 eine Dauerzählstelle eingebaut. Doch die Zahlen will die Behörde erst am 20. November bekannt geben – im Rahmen einer Verkehrskonferenz.

Der jahrelange Kampf gegen den Schwerlastverkehr durch Melbeck zeigt auch das Versagen der Politik: 2006 hatte der damalige niedersächsische Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) während einer CDU-Veranstaltung den Anwohnern Abhilfe versprochen. Hirches Worte damals: „Bis zum Ende des Jahres werden wir für die Melbecker eine Lösung gefunden haben.“

Minister ordnete 2006 Durchfahrtsverbot an

Daraufhin ordnete der Minister ein Durchfahrtsverbot für Lkw auf der Bundesstraße 4 an. Die entsprechenden Schilder wurden medienwirksam an der Abfahrt Häcklingen auf der Ostumgehung aufgestellt. Hinweise auf das Verbot standen zudem am Maschener Kreuz. Der Lkw-Transitverkehr über zwölf Tonnen sollte die B 4 Richtung Süden und auch die B 209 Richtung Soltau nicht mehr befahren dürfen. Doch der Erfolg dieser Maßnahme hatte Hübner nie so richtig überzeugt. Zum einen, weil Brummi-Fahrer die Hinweisschilder ignorierten, zum anderen, weil es laut dem Bürgermeister an einer konsequenten Kontrolle durch die Polizei fehlte. Als „Witz“ bezeichnet das Dorfoberhaupt daher auch heute noch die Durchfahrtverbotsschilder.

Die sind inzwischen ohnehin Geschichte: Denn mit Einführung der Maut auch für Bundesstraßen gibt es auch kein Mautausweichverkehr mehr. Ob die Lkw nun auf der Autobahn oder der B 4 unterwegs sind – sie werden gleichermaßen zur Kasse gebeten. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau- und Verkehr hat deshalb das Abmontieren der Schilder angeordnet. Sie seien aufgrund der neuen Situation rechtswidrig. In der Begründung heißt es: „Der Rechtsgrund für diese Beschilderung ist durch die neue Rechtslage schlichtweg entfallen. Für die Benutzung einer Bundesstraße ist nun eine Benutzungsgebühr zu zahlen, ganz gleich, aus welchem Grund die Bundesstraße befahren werden soll. Die Frage nach Durchgangs- oder Zielverkehr ist nicht relevant.“

Anwohner hoffen auf Entlastung durch A39

Für die Brummi-geplagten Melbecker – aber auch die anderen Gemeinden entlang der B 4 – ist das keine gute Nachricht. Zumal jetzt zum Schwerlastverkehr auch wieder die Zuckerrübentransporte nach Uelzen rollen. Die Rüben-Laster aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Niedersachsen bringen ihre Fracht auch an Sonn- und Feiertagen zur Zuckerfabrik. „Wir sind die Verlierer im Maut-Geschäft“, stellt Hübner frus­triert fest.

Eine echte verkehrliche Entlastung kann für die B4-Anwohner aus Hübners Sicht daher nur der Bau der A39 bringen: Doch gegen die regt sich im Verlauf der geplanten Trasseführung an vielen Orten Widerstand. Bis die Autobahn realisiert werden kann, wird es wohl noch Jahre dauern.

Der Bau einer Ortsumgehung, in der Vergangenheit ebenfalls diskutiert, will Hübner nicht thematisieren. Aus gutem Grund: „Wir würden unsere Probleme auf Kosten anderer Gemeinden lösen.“ Bei einer Umgehung östlich um Melbeck herum wäre die Gemeinde Deutsch Evern betroffen, bei einer Westumfahrung Embsen und Barnstedt. Daher sind dies für Hübner im Gegensatz zur A 39 keine Optionen.

Von Klaus Reschke

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