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November 2018: Landrat Manfred Nahrstedt erklärt im Kreistag seinen Rückzug Ende Oktober 2019. Parallel zur Europawahl im kommenden Mai soll der Nachfolger gewählt werden. Foto: t&w

Der Landratspoker

Lüneburg. Landrat Manfred Nahrstedt hat seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt – und damit das Personalkarussell in Schwung gebracht. Wer wird am 1. November 2019 sein Nachfolger im Kreishaus? Erste Namen potenzieller Kandidaten werden bereits diskutiert. Teils öffentlich, teils hinter vorgehaltener Hand – und auch schon wieder verworfen. Fest steht nur: Die Suche nach dem neuen ersten Mann oder der ersten Frau an der Kreisspitze ist eröffnet.

Ein Bewerber hat sich bereits aus der Deckung gewagt: Norbert Meyer (SPD), seit 2006 Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide, würde sich das höchste Amt im Kreis durchaus zutrauen. Und erste Fürsprecher hat der 51-Jährige auch schon. So erklärte der Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Franz-Josef Kamp: Seine Fraktion könne sich sehr gut Norbert Meyer als Nachfolger vorstellen. In einer E-Mail schreibt Kamp weiter: „Herr Meyer bringt neben seiner fachlichen Expertise ein hohes Maß an Kompetenz und Menschlichkeit mit und arbeitet bereits erfolgreich in der kommunalen Verwaltung.“ Er sei in der Region verwurzelt und als Kreis- und Bezirksvorsitzender im Städte- und Gemeindebund mit den kommunalen Problemen der Region sehr vertraut. „Er wäre der Richtige, den Landkreis weiter auf Erfolgsspur zu halten und könnte nahtlos die Arbeit in der Kreisverwaltung übernehmen“, erklärte Kamp.

Rowohlt und Maack winken als SPD-Bewerber ab

Auf Anfrage der LZ sagte der Vastorfer: „Mir macht die Arbeit in der Samtgemeinde Ostheide nach wie vor sehr viel Spaß. Aber es ist der richtige Zeitpunkt, um Neues zu wagen.“

Andere SPD-Rathauschefs, die ebenfalls lange Zeit als mögliche Landrats-Kandidaten im Gespräch waren, winken auf LZ-Anfrage ab. Peter Rowohlt aus der Samtgemeinde Ilmenau etwa, aber auch der Adendorfer Bürgermeister Thomas Maack. Der will im kommenden Mai lieber erneut für das Amt des Verwaltungschefs in seiner Heimatkommune kandidieren. Die Nachricht, dass sein Kollege Norbert Meyer den Hut in den Ring wirft, kommentiert Maack mit den Worten: „Ein guter Mann, das freut mich.“

Für sich persönlich schließt auch Andrea Schröder-Ehlers eine Kandidatur als Landrätin aus. Die SPD-Unterbezirksvorsitzende und Landtagsabgeordnete will lieber weiter Politik in Hannover machen und dort die Interessen der Lüneburger Region vertreten.

CDU-Kreisvorsitzender fühlt sich noch zu jung

Möglichen Spekulationen erteilt auch ihr Pendant von der CDU eine Absage: Er werde sich nicht als Kandidat zur Verfügung stellen, betonte der CDU-Kreisvorsitzende Felix Petersen. Der Amelinghausener ist 30 Jahre alt und fühlt sich für das Amt des Landrates noch zu jung. „Ich glaube, da braucht es auch eine gewisse Lebenserfahrung“, räumte Petersen ein. Nächste Woche komme der geschäftsführende CDU-Kreisvorstand zusammen: „Da werden wir unser weiteres Vorgehen beraten“, sagte Petersen, der aber auch erklärte: „Ich halte es für einen guten Stil, auch mit den anderen Parteien zu reden.“

Ob die AfD einen eigenen Landrats-Kandidaten aufstellen will? „Diese Frage zu beantworten, dazu ist es jetzt noch zu früh“, sagt der AfD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stephan Bothe: „Das werden wir jetzt in aller Ruhe beraten und dann weitersehen.“

Angesichts des bundesweiten Umfragehochs für Bündnis 90/Die Grünen können sich auch Lüneburger Vertreter der Partei für die Landratswahl mehr vorstellen. Kreissprecher Claus-C. Poggensee aus Hohnstorf/Elbe formulierte es mit Blick auf die bisherige Amtszeit des SPD-Landrats so: „13 Jahre sind eine lange Zeit. Wir würden es begrüßen, wenn wir einen politischen Wechsel hinbekämen, damit sich auch Verwaltungsstrukturen erneuern können.“

„Das muss ich erstmal sacken lassen.“

Nach einem möglichen Kandidaten befragt, sagt Poggensee: „Vorstellen können wir uns Vieles, aber um über konkrete Nominierungen zu sprechen, ist es noch zu früh.“ Mit einem Ergebnis sei aus Grünen-Sicht nicht vor dem 5. Dezember zu rechnen. „Bis dahin müssen sich noch Kreisvorstand und die Kreismitgliederversammlung darüber austauschen.“

„Wir sind von der Ankündigung des Landrats überrascht worden“, sagt Edzard A. Schmidt-Jortzig, Vorsitzender des FDP-Kreisverbands. „Wir sind noch in der Willensbildung, und stimmen uns gerade intern ab.“ Die Nachricht, dass die SPD Norbert Meyer ins Rennen schicken will, war die zweite Überraschung für den Lüneburger Liberalen: „Das muss ich erstmal sacken lassen.“ Zudem müsse abgewartet werden, wie sich die anderen politischen Konkurrenten verhalten.

Einen Landrats-Kandidaten hat auch die Linke nicht in der Schublade. Kreisvorsitzender Thorben Peters sagt zunächst zu Nahrstedts Rückzug: „Wir wünschen ihm Gesundheit, vor allem in dem Alter. Es verwundert allerdings sehr, dass er das Amt überhaupt noch angetreten hat, zumal die Altersgrenze erst auf sein Bestreben hin angehoben wurde.“ Die vorgezogene Wahl sei eine „Chance zur Erneuerung“, etwa im Sozial- und Bildungsbereich. Peters: „Die kleinsten Verbesserungen mussten auch gegen den Widerstand der SPD durchgesetzt werden.“ Über mögliche Kandidaten müsse sich die Linke indes noch in Kreistagsfraktion und -vorstand abstimmen.

Ex-Herausforderin Scherf fühlt sich auf Posten wohl

Nahrstedts vorzeitiger Rückzug überrascht auch seine ehemalige Herausforderin Monika Scherf: Die heutige Landesbeauftragte für regionale Landentwicklung war 2014 als Parteilose für die CDU gegen Nahrstedt angetreten, hatte damals ein achtbares Wahlergebnis erzielt. Die Christdemokraten boten ihr deshalb an, sie bei der nächsten Landratswahl erneut zu nomieren – sofern sie wolle. Doch diese Frage stellt sich für Scherf heute nach eigenem Bekunden nicht: „Ich habe ein schönes Amt, das mich fordert und in dem ich mich sehr wohl fühle.“

Die LZ fragte auch Scherfs Nachfolgerin als Kreisrätin, Sigrid Vossers, nach ihren Ambitionen. Die Parteilose sagt: „Ich arbeite sehr gerne im Landkreis Lüneburg und in meiner Position, in der ich noch sechs Jahre gewählt bin, und übernehme auch gerne weiterhin Verantwortung.“ Einen „Automatismus“, sich von der Position der Kreisrätin aus auf das Landratsamt zu bewerben, sehe sie nicht.

Scheidet ein Landrat aus, wirft auch oft dessen Verwaltungsvertreter, der Erste Kreisrat, seinen Hut in den Ring. Jürgen Krumböhmer (SPD) gab am Mittwoch auf die Frage, ob er kandidieren wolle eine äußerst knappe Antwort: „Nein!“

Von Klaus Reschke und Dennis Thomas

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