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Silicon Valley Leuphana
Das Maskottchen des Teams: Es steht für die Idee, zukünftig mehr mit digitalen Assistenzen zu arbeiten. (Foto: t&w)

Ein Stückchen Silicon Valley an der Leuphana

Lüneburg. Die Hälfte des Jahres verbringt Prof. Dr. Sabine Remdisch im Silicon Valley, dort ist sie umgeben von kleinen Robotern, Whiteboards, die über Kameras und Projektionsmöglichkeiten verfügen, von Virtual-Reality-Brillen. Dass all diese hochmodernen Instrumente Auswirkungen auf die Arbeit haben, steht für sie außer Frage. Doch wie verändert sich Unternehmensführung in einer digital vernetzten Welt? Eineinhalb Jahre lang hat Remdisch dafür gekämpft, ein Stück vom Silicon Valley auf den Campus der Leuphana Universität zu holen. Jetzt ist es ihr gelungen: Im Zentralgebäude existiert nun ein „Digital Leadership Lab“.

Doch wofür steht dieser sperrige englische Begriff? „Ein Ort, an dem man sich ausprobieren, experimentieren kann“, sagt Remdisch. „Wir wollen Dinge innovativ weiterentwickeln.“ Sie leitet das Institut für Performance Management an der Leuphana, forscht seit 2014 auch als Gastwissenschaftlerin an der Stanford University.

Vertrauen ist die zentrale Variable

Neun Technologieunternehmen, darunter große Firmen wie IBM, konnte Remdisch für ihr Projekt gewinnen. Sie haben dem Labor im Libeskind-Bau hochwertige Soft- und Hardware zur Verfügung gestellt, damit Unternehmen und Führungskräfte aus der Region die Möglichkeit haben, sich mit den neuesten Instrumenten der digitalen Arbeitswelt vertraut zu machen.

„Das Thema betrifft uns alle“, sagt Remdisch. Durch flexiblere Arbeitszeitmodelle oder das Home Office müssten heutzutage viel größere Distanzen überbrückt werden. Davon sei auch das Thema Führung nicht ausgenommen. Da jemand, der an einem ganz anderen Standort sitzt, seinem Angestellten nicht mal eben auf die Schulter klopfen könne, sei Vertrauen die zentrale Variable in diesem Verhältnis. Und dabei könnte die Technik eine große Hilfe sein.

Auch eine veränderte Feedbackkultur, in der zu jeder Zeit online reagiert werden kann, erobert den Arbeitsplatz. Bisher habe Feedback in den Büros ohnehin nicht den größten Stellenwert, wie sollen Lob und Tadel dann noch über Tausende von Kilometern transportiert werden? „Es gibt in Web-Konferenzen schon Tools, mit denen man in Echtzeit reagieren kann. Etwas Durchschlagendes haben wir aber noch nicht gefunden.“

Interaktive Schreibtafeln

Im Digital Leadership Lab sollen nun gemeinsam mit Experten aus der Praxis und Studenten digitale Technologien getestet, die Erkenntnisse diskutiert werden. Unternehmen, die überlegen, künftig Whiteboards, Datenbrillen, Telepräsenz-Roboter oder Hilfsprogramme für Videokonferenzen einzusetzen, können die Instrumente erproben. Remdisch: „Es geht auch um einen Wissenstransfer zwischen Hochschule und Praxis, wir wollen bei dem Austausch lernen.“

Manuel Miska arbeitet bei Ricoh Deutschland, die Firma hat der Uni zwei 65-Zoll-Whiteboards gesponsert. Die Vorteile einer solchen interaktiven Schreibtafel hat er schnell erklärt: „Wir setzen sie durchgehend ein, um über Standortgrenzen hinweg zu arbeiten.“ Neben Videokonferenzen gäbe es etwa die Möglichkeit, auf einem Board zu schreiben und auf dem anderen live mitzulesen. „Wissen muss heutzutage nicht mehr gebündelt an einem Standort sein. Ein Spezialist kann in Hamburg sitzen, der andere in München.“

Von Anna Paarmann