Aktuell
Home | Lokales | Namen für Armen-Gräber
Sozialbestattung
Die Tobias-Gemeinschaft setzt sich für würdige Bestattungen für alle ein, (v.l.:) Matthias Schmeling, Kerstin Herrschaft, Jürgen Bohle, Martina Forster, Friedemann Pache und Florian Moitje. (Foto: t&w)

Namen für Armen-Gräber

Lüneburg. Sie haben keine Familien, leben unter ärmsten Umständen in einer eigenen Wohnung in Lüneburg. Oder sie haben kein Obdach, kommen in der Herberge unter. Oder es sind psychisch Langzeiterkrankte ohne Familienanhang. Sterben sie, „verschwinden sie sang- und klanglos“, weiß Matthias Schmeling von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft, zusammen mit der Leitenden Superintendentin Christine Schmid Initiator der jetzt ins Leben gerufenen Tobias-Gemeinschaft Lüneburg. Sie will sich mit Unterstützung der Hansestadt für eine würdevolle Bestattung für alle engagieren. Dazu gehören vierteljährliche Trauerfeiern, die erste gibt es am Sonnabend, 24. November, um 10 Uhr in der Kapelle des Waldfriedhofs. Danach werden die ersten fünf Urnen mit der Asche von Verstorbenen dort beigesetzt.

„Die Kirchen und die Stadt hatten bereits erreicht, dass Sozialbestattungen in angemessener Zeit nach dem Tod erfolgen. Sie wurden ohne Trauerfeier von Amts wegen bestattet“, sagt Schmid. Beigesetzt wurden sie ohne Hinweis auf die Person auf den Friedhöfen in Bardowick und Reppenstedt. 2017 gab es 35 solcher Beisetzungen von Lüneburgern. Nun erhalten die Gräber auf einem von der Stadt auf dem Waldfriedhof zur Verfügung gestellten Areal Stelen mit den Namen der Verstorben. „Dieser noch eingewachsene Bereich ist rund 500 Quadratmeter groß und befindet sich nah an der Kapelle“, sagt Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Grünplanung, Friedhöfe und Forsten: „Der zentrale Aspekt passt zu unserer Philosophie, Grabfelder nicht mehr an den Grenzen der Friedhöfe einzurichten, sondern alte Stellen zu belegen.“

Konfession spielt keine Rolle

Die Tobias-Gemeinschaft ist eine ökumenische Initiative. Der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis, die katholische und die reformierte Gemeinde sowie Freikirchen arbeiten in ihr mit der Johanniter-Hilfsgemeinschaft und dem Lebensraum Diakonie zusammen. Sie steht allen Menschen offen, Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben.

Zu den Aufgaben der Mitglieder zählen unter anderem die Vorbereitung und die Teilnahme an Trauergottesdiensten, die jeweils am letzten Sonnabend im Februar, Mai, August und November um 10 Uhr auf dem Waldfriedhof beginnen. Die Namen der Toten werden genannt und es wird für sie gebetet. Danach geben die Mitglieder ihnen das letzte Geleit. Dabei spielen Konfession oder Kirchenzugehörigkeit der Verstorbenen keine Rolle. Pastor Friedemann Pache von den Evangelischen Freikirchen sagt: „Die Tobias-Gemeinschaft ist als diakonisch-caritatives Angebot für jeden Menschen da.“ Pastorin Kerstin Herrschaft hofft, „dass vielleicht doch irgend­jemand aus der Nachbarschaft oder Bekanntschaft der Toten zu den Feiern kommt“. Die Termine samt Namen der Toten veröffentlicht die Gemeinschaft rechtzeitig in der Lokalpresse als Traueranzeige. Da die Gemeinschaft keine Mitgliedsbeiträge erhebt, hofft sie auf Spenden. Denn Stelen, Namensschilder und Dekorationen kosten Geld.

  • Mehr Informationen unter www.tobiasgemeinschaft.de im Internet
  • Spenden können überwiesen werden an: Kirchenkreisamt, Sparkasse Lüneburg, IBAN DE96 2405 0110 0000 0002 16, BIC NOLADE 21 LBG, Stichwort Tobias-Gemeinschaft

Von Rainer Schubert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.