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Im Keller und Obergeschoss dieses Hauses hat die Stadt das Wohnen untersagt. Drei Mieter mussten ihre Zimmer räumen. Foto: t&w

Das Rathaus greift durch

Lüneburg. Die Stadt hat sich das Haus an der Stöteroggestraße 2 ein zweites Mal angesehen. Räume, die bei der ersten Begutachtung Ende August verschlossen gebli eben sind, konnten die Vertreter der Bauaufsicht nun ansehen. Mit dem Ergebnis: „Die Nutzung von Keller- und Obergeschoss zum Wohnen wurde untersagt“, sagt Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Im Nachgang habe man auch nochmal überprüft, ob sich die Mieter daran halten. Drei Personen seien von der Maßnahme betroffen.

Der Backsteinbau, in dem mindestens zwölf Personen in sieben Zimmern wohnen sollen, hat zuletzt für jede Menge Schlagzeilen gesorgt: Ob Rattenplage, Müllberge oder Lärm – Nachbarn fühlten sich massiv belästigt, wandten sich mit einem Schreiben ans Ordnungsamt. Den Eigentümer des Hauses kritisierte auch ein Mieter: Zweieinhalb Jahre wohne er schon zu horrenden Preisen im Keller, die Decke sei nicht einmal zwei Meter hoch, die Fenster seien vergittert. Auf solche Zustände hat die Verwaltung jetzt reagiert. „Keller- und Dachgeschoss sind nicht zum Wohnen vorgesehen. Sie gelten schlicht nicht als Wohnräume“, sagt Moenck.

Umfangreiche Schäden durch Setzung

Es sind jedoch nicht die einzigen Bereiche des Hauses, die Sorgen bereiten sollten. Bekanntlich soll das 1933 errichtete Gebäude zwangsversteigert werden (siehe Infobox), in dem Zuge wurde ein Gutachten angefertigt. Darin ist zu lesen, dass das Haus „umfangreiche Schäden durch Setzung“ aufweise, sich der Wintergartenanbau im Dezimeterbereich vom Haupthaus gelöst habe. Das bestätigt auch ein Bewohner, er geht sogar so weit, von Abriss zu sprechen. Die Stadt sieht das anders, Moenck: „Der Riss ist aus Sicht der Bauaufsicht nicht dramatisch für Standsicherheit beziehungsweise Nutzung.“

Das Gebäude an der Stöteroggestraße steht im Zusammenhang mit der Immobilie Auf dem Kauf, die im August wegen massiver Brandschutzmängel geräumt und versiegelt wurde. Bei beiden Objekten handelt es sich um ein und denselben Vermieter – ein Lüneburger, der Zimmer mehrfach belegt und sie gegenüber dem Sozialamt und Jobcenter als deutlich größer ausgewiesen haben soll. Viele ehemalige Mieter haben bis heute ihre Kaution nicht zurückerhalten. Das Sozialamt hatte gegenüber der LZ Anfang September angekündigt, sich den Rechtsweg vorzubehalten. Jetzt heißt es: „Hier gibt es verschiedene Schriftwechsel und wir bleiben am Ball.“

Dass beide Stadtsiegel von der Eingangstür verschwunden sind, begründet Suzanne Moenck damit, dass der Eigentümer das Haus „regulär in seine Obhut genommen“ habe. „Uns liegen keine Pläne für Umbauten oder Umnutzungen vor. Das Haus steht unseres Wissens leer.“

Von Anna Paarmann

Sachstand

Zwangsversteigerung

Mitte September sollte das Haus an der Stöteroggestraße zwangsversteigert werden. Es wurden keine Gebote abgegeben, weil am Gebäude Schulden hängen. Das Geldinstitut, das dem Eigentümer einen Millionen-Kredit gewährt hat, deutete im Amtsgericht an, dass es dem Verfahren beitreten möchte. Noch ist das Finanzamt betreibender Gläubiger. Die Behörde, die rund 170 000 Euro vom Eigentümer fordert, hat noch knapp vier Monate Zeit, einen zweiten Versteigerungstermin vorzubereiten.

Rechtspfleger Ulrich Adam rechnet damit, dass Bank und Finanzamt das Verfahren dann gemeinsam vorantreiben. „Bei einem zweiten Versteigerungstermin könnte das Haus für die Hälfte des Verkehrswerts weggehen“, sagt er. Dieser liegt derzeit bei geschätzten 300 000 Euro. Das habe einen einfachen Grund: Die Grundschuld müsse nun bezahlt werden, weil das Geldinstitut diese gekündigt habe. Da der Besitzer des Grundstücks offenbar nicht liquide ist, soll die Versteigerung Geld in die Kassen der Bank spülen.

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