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Dr. Antje Seidel (l.) und Annika Weiser haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Lüneburg es jetzt in die dritte und letzte Runde geschafft hat. (Foto: t&w)

Lüneburg wird zur Zukunftsstadt

Lüneburg. Dresden, Bocholt, Friedrichstadt, Gelsenkirchen, Ulm, Loitz und Lüneburg: Es sind Städte, die sich im nächsten Jahr verändern dürfen. In Richtung bezahlbarer Wohnraum, nachhaltige Mobilität, Klimaanpassung und Digitalisierung. Wer alles von den insgesamt 10,5 Millionen Euro profitiert, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“ bereitstellt, darüber hat jetzt eine Expertenjury entschieden. Waren zuletzt noch 22 Kommunen im Rennen, zählt Lüneburg nun zu den sieben auserwählten Städten. 1,5 Millionen Euro fließen in die Region.

Wie berichtet, ist der bundesweite Wettbewerb im Jahr 2015 gestartet. 168 Gemeinden und Ortschaften hatten sich beworben, 65 wurden für die erste Runde zugelassen. Lüneburg holte sich die Leuphana Universität als Partner an Bord. In zwei Phasen haben sich rund 800 Studenten und 500 Lüneburger eingebracht, zunächst 25 Visionen für eine nachhaltige Stadt ausgearbeitet und diese dann zu 17 konkreten Lösungen weiterentwickelt. Die LZ hat die Maßnahmen im Rahmen einer Serie vorgestellt.

Weitergekommen trotz starker Konkurrenz

Groß ist die Freude bei Annika Weiser, die das Projekt bis zuletzt gemeinsam mit Dr. Antje Seidel koordiniert und wochenlang die Daumen gedrückt hat. „Wir sind sehr, sehr froh, dass wir tatsächlich weitergekommen sind“, sagt sie nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe. „Die Konkurrenz war wirklich stark.“ Infos zum weiteren Vorgehen erhofft sich Weiser von Dr. Karl-Heinz Rehbein, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Stadt, und Prof. Dr. Daniel Lang, dem Projektverantwortlichen vonseiten der Uni. „Sie sind gerade gemeinsam mit Vertretern der anderen sechs Städte in Düsseldorf und erhalten vom Fördermittelgeber die Details.“

Sicher ist, dass Lüneburg bis Ende des Jahres einen Vollantrag einreichen muss. Bislang liegt dem Ministerium lediglich eine 15-seitige Skizze vor. In dem detaillierten Konzept geht es etwa darum, welche Summen wofür benötigt werden und was für Experimente umgesetzt werden sollen. Von den 1,5 Millionen Euro sind 650 000 Euro für Personalkosten vorgesehen: So sollen beispielsweise vier halbe Stellen im Rathaus geschaffen werden, eine wissenschaftliche Begleitung an der Leuphana und auch eine Position für jemanden aus der Bürgerschaft.

Vorbild: 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

2019 soll es dann richtig losgehen: Dann verlassen die Projekte die Köpfe und werden in Lüneburg getestet. Von sogenannten Reallaboren ist die Rede, Antje Seidel hat das mal so formuliert: „Zeit zum Ausprobieren und Beforschen“.

Grüne Oasen in der Stadt, eine Servicestelle, die Ehrenamtliche unterstützen soll, ein Vergabeschlüssel zum gerechten Wohnen, Lieferungen per Lastenrad, Quartierstrom-Konzepte und vieles mehr: All diese Maßnahmen sind an die international vereinbarten 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen angelehnt. Dreieinhalb Jahre lang werden Experten die Entwicklungsschritte im Blick behalten, sie dokumentieren und Erkenntnisse daraus ziehen. Die Hoffnung ist, dass manche Projekte auch zu Selbstläufern werden und unabhängig von der Förderung vorangetrieben werden.

Weitere Infos zu den einzelnen Maßnahmen und dem Projekt gibt’s hier. 

Von Anna Paarmann

3 Kommentare

  1. Geld ist da, nur was konkret damit finanziert werden soll, das ist noch unklar – aber dafür werden nun 650.000 Euro an Personalkosten ausgegeben. Also 43,3% der Steuermittel werden ausgegeben, um überhaupt Bedarfe für die restlichen 56,6% zu ermitteln.

    Hmm. An den Grundschulen und Föderschulen gäbe es noch Bedarf. Auch beim Sprachunterricht in DfA. Ganz ohne Projekte und Ministerialverwaltung, die ja auch noch bezahlt werden muss…

    Ein Milieu finanziert seine eigenen Jobs, so läuft das eben. Steuermittel sind ja mehr da denn je. Ich dachte, es gäbe auch so viel Armut wie nie zuvor, wo jedoch Mittel fehlen?

    Es ist wirklich schlimm, wie sich hier ein weitgehend grünes, urbanes Milieu selbst finanziert, während Grundaufgaben des Staates an Schulen unterfinanziert bleiben. Ich finde das asozial im Wortsinne – weil wir genau wissen, wo wir dringend investieren müssen!

    Dieses Projekt ist der Luxus einer Wohlstands-Wohlfühl-Gesellschaft. Kann man machen. Macht man aber nur, wenn man noch nie in EU-Osteuropa war, als nur ein Beispiel. Sorry – solche Projekte sind einfach vollkommen unangebracht, um Bildungs-, Umwelt- und Sozialprobleme zu lösen – die jedoch ein Hauptanliegen nachhaltiger Entwicklung sind.

    • Na, Herr Recha, dreschen Sie immer noch das leere Phrasenstroh der nationalradikalen AfD, deren Führungskader so gerne in den Komfortfauteuils säßen, deren Inhaber sie als „Elite“ beschimpfen, — vor allem aber beneiden? „Bedarfe“? „Ein Milieu“? „So läuft das eben“? „Ein sich weitgehend selbst finanzierendes grünes, urbanes Milieu“? „Die Wohlstands-Wohlfühl-Gesellschaft“? „Nachhaltige Entwicklung“? Wo, Herr Recha, steckt das von Ihnen angemahnte „Konkrete“ in diesen inhaltslosen Klanghülsen von größtmöglicher, also nichtssagender Abstraktheit?

      „WIR wissen genau, wo WIR dringend investieren müssen“? Ja, Herrgott, warum verraten Sie uns denn nicht auf den greifbaren Einzelfall bezogen, wo das sein soll, Herr Recha? Warum begnügen Sie sich mit vagen, bedrohlich wackelnden Schattenspielereien? Und wer ist „wir“, Herr Recha? Umarmen Sie ungefragt wieder alle die, von denen Sie annehmen, sie seien so dumm, wie Sie schreiben?

      Gewiss, Herr Recha, Schulen sollten nicht „unterfinanziert“ sein, „Bildungs-, Umwelt- und Sozialprobleme“ gelöst werden, aber ist das von Ihnen nicht alles furchtbar lieblos und bis zum Verblassen allgemein dahingeredet? Wer soll Ihnen eigentlich abnehmen, dass auch Gedanken bei Ihren Worten sind?

      Frau Dr. Seidel und Frau Weiser, junge, studentisch asketische lebende, für Ihre detaillierten Konzepte beinahe unentgeltlich brennende Akademikerinnen, die etwas tun, anstatt immer nur zu jammern und zu schimpfen und – wie Sie, Herr Recha, vermeintlich Andersmeinende pauschal zu diffamieren, — diese beiden haben (im Unterschied zu Ihnen, Herr Recha) KONKRETE Pläne, was sie auf seine Zukunftsfähigkeit und seinen KONKRETEN Nutzwert untersuchen möchten: Zum Beispiel Grüne Oasen in der Stadt, eine Servicestelle, die Ehrenamtliche unterstützen soll, einen Vergabeschlüssel zum gerechten Wohnen, Lieferungen per Lastenrad, Quartierstrom-Konzepte und vieles mehr.

      Mir wäre es auch lieber, wenn der Akzent in manchen Bereichen (dem sozialen Wohnungsbau etwa) ein wenig mehr auf Lüneburg als Gegenwartsstadt und nicht so sehr als Zukunftsstadt gelegt würde, aber ich kann nicht erkennen, was diese hervorragend investierten 1,5 Millionen Euro, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Lüneburger*inne*n im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“ bereitstellt, mit Ihren wirren, künstlich empörten Luftfechtereien über Osteuropa und Förderschulen zu tun haben sollen. Sie, Herr Recha, fern davon, irgendwelche KONKRETEN Verbesserungsvorschläge machen zu können, möchten mit Ihren bleichen Projektionsschablonen für vagabundierende Ressentiments ausschließlich Voreingenommenheiten und Animositäten schüren. Das ist alles!

      Und das ist abstoßend!

      Sie schlagen Sprachunterricht als „Zukunftsthema“ vor. Sehen Sie da keinen Interessenkonflikt? Denn mit drei, vier Intensivkursen in Deutsch für Biosprachler (DfB) wären Sie selbst doch sicher ganz vorne unter denen, die dringende „Bedarfe“ haben.

  2. Sie haben sowas von Recht und das ist leider fast überall so. Es wird von Nachhaltigkeit geschwafelt und von Qualitätsmanagement Diese besteht darin irgendwelche Leuchttürme zum glühen zu bringen oder die Verwaltung auszubauen.
    Lieber Häuptlinge als Indianer.
    Wie z.B. in den Pflegekammern, wo eine Qualität kontrolliert werden soll, die nicht erbracht werden kann, weil man das Geld lieber in Verwaltung steckt als in Personal oder Löhne. Ganz im Gegenteil, die Pflegekammer finanziert sich aus den Löhnen der Pfleger.

    Ist dieser Zynismus überhaupt noch steigerungsfähig ?