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Max Dominik lehnt sich lässig ans Treppengeländer im Hotel Drei Könige. Am Rosen-Set fühlt er sich wohl. Foto: be

„Ich bin nur etwas anders“

Lüneburg. Mark Stürmer träumt von einer Karriere in der Hotellerie und ist stolz, als ihm Gunter Flickenschild die Möglichkeit eröffnet, in seinem Hotel Drei Kö nige als Praktikant die Branche kennenzulernen. Doch Gunter ist skeptisch, denn Mark hat das Down-Syndrom. Gespielt wird Mark von Max Dominik – und der hat den großen Traum von einer Schauspielkarriere, obwohl er weiß, dass Schauspieler mit Behinderung in Film und Fernsehen kaum präsent sind. Er ist stolz, dass er jetzt einige Tage in Lüneburg für die Roten Rosen drehen durfte. Die zehn Folgen mit ihm gehören offiziell zur nächste Woche startenden „Gerechtigkeitswoche“ in der ARD.

Zu seiner Rolle in den Rosen sagt er: „Das Down-Syndrom ist bei Mark nicht so schlimm – und bei mir selbst auch nicht.“ Der 21-Jährige legt Wert darauf, „dass das keine Krankheit ist, ich bin nur etwas anders als die anderen“.

Ausbildung an der Akrobatikschule UFA-Fabrik

„Durch meinen Patenonkel bin ich zur Schauspielerei gekommen, ich habe gemodelt und in einem Dokumentarfilm mitgespielt“, erzählt Max Dominik, der von 2009 bis 2011 eine Ausbildung an der Akrobatikschule UFA-Fabrik absolvierte. Sein Onkel ist Wolfgang Janßen, der langjährige ehemalige Verwaltungsleiter der Berlinale. Der setzte sich auch dafür ein, dass Max 2010 in dem Fernsehfilm „Tod einer Schülerin“, einem Krimi, an der Seite von Corinna Harfouch und Matthias Brandt spielen konnte. Bei den Dreharbeiten kam in Max der Wunsch auf, professioneller Schauspieler zu werden. Doch das war nicht einfach. So entwickelte Wolfgang Janßen die Online-Plattform Rollenfang: Seit 2015 unterstützt, vertritt und vermittelt die Initiative, gefördert von der Aktion Mensch und zusammen mit dem VIA Verbund für Integrative Angebote, professionelle Schauspieler mit körperlicher oder geistiger Behinderung.

So war Max Dominik 2017 in der TV-Serie „Praxis mit Meerblick“ dabei. Die schlagfertige Ärztin Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) macht in einer Folge auf Rügen die Bekanntschaft mit dem gutaussehenden Fischer Matthias (Shenja Lacher), der sich fürsorglich um seinen mit Down-Syndrom lebenden Bruder Robin kümmert – gespielt von Max Dominik. Der hat aber auch schon eine schlechte Erfahrung gemacht: „Ich war mal Praktikant an einem Theater, die haben mich aber nicht genommen.“

„Bei der Hitze war das anstrengend“

Das Fernsehen ist seine Welt: „Das macht mir Spaß.“ Für seinen Rosen-Dreh Anfang August während der Hitzewelle räumt er aber ein: „Bei der Hitze war das anstrengend.“ Probleme mit dem Textlernen hat er nicht, stolz sagt er: „Das schaffe ich. An einem Tag hatte ich sogar sechs Bilder mit viel Text. Da habe ich mich gefreut.“ Probleme habe er in einem anderen Bereich: „Rechnen fällt mir schwer.“

Zuhause in Berlin weiß er sich seine Zeit zu vertreiben: „Ich koche gerne, singe, spiele Schlagzeug. Und ich mache Sport – Fitness.“ In Lüneburg hatte er auch Gelegenheit, sich die Stadt bei Spaziergängen anzuschauen. Sein Urteil: „Eine schöne Stadt.“ Vielleicht kommt er ja mal wieder – und taucht als Mark erneut in den Rosen auf. rast