Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Die Schieneninfrastruktur auf den Nebenstrecken im Landkreis Lüneburg ist deutlich in die Jahre gekommen. Foto: t&w

Güterverkehr als Schlüssel

Lüneburg. Das langfristige Ziel ist klar: Die Wiederbelebung des öffentlichen Personennahverkehrs auf der Schiene zwischen Lüneburg und Bleckede. Dafür setzt sich die „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg“ (AVL) seit Jahren mit ihrer Tochter „Bleckeder Kleinbahn“ ein. Bislang reicht es aber hauptsächlich für einen saisonalen Tourismusbetrieb, den die ehrenamtlichen Freizeitbahner beschicken. Um ihrem großen Ziel einen weiteren Schritt näher zu kommen, brauchen sie Geld für die Streckensanierung. Um die Mittel einzuspielen, setzen sie nun auf den wieder aufkeimenden Güterverkehr, der auf der Strecke nachgefragt wird.

Über ein Programm des Bundes zur Förderung des Güterverkehrs könnten die AVL zunächst rund eine Million Euro Zuschuss einwerben. Nur den Eigenanteil von zehn Prozent, also 100.000 Euro, kann der Verein alleine nicht tragen und hofft auf Unterstützung des Landkreises Lüneburg. Das war jetzt Thema der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Lüneburger Kreistags. Zuletzt nahm die Diskussion eine bemerkenswerte Entwicklung, an deren Ende die Frage stand, ob nicht eine kommunale Trägerschaft der Bahnstrecke sinnvoller wäre.

Für einen symbolischen Euro hatte 2010 die AVL die Trägerschaft der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede übernommen. Seitdem ist der Verein konzessionierter Betreiber der Eisenbahninfrastruktur. Der Pachtvertrag läuft noch bis Ende 2060.

Schienenelemente stammen noch aus preußischer Zeit

AVL-Vorstand Hans Dierken stellte dem Ausschuss die neuesten Pläne der Freizeitbahner vor. Zwar hat die AVL seit der Streckenübernahme bereits reihenweise Einzelschwellen getauscht, Spurhalter eingebaut, Bahnübergänge und beispielsweise ganze Bahnsteige in Bleckede und am Ebensberg neugebaut. Doch auf Sicht reichen die Mittel der AVL nicht mehr aus. Dierken betonte: „Zur weiteren Erhaltung der Strecke sind größere und vor allem dauerhafte Investitionen erforderlich.“ Langfristig geht Dierken von Gesamtkosten von schätzungsweise 10,85 Millionen Euro aus, um den Neubau aller Gleisbereiche unter Verwendung von altem, wiederverwendbarem Material umsetzen zu können. Gut 90 Prozent der Kosten könnten von Bund und Land übernommen werden im Rahmen des „Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetzes“ (SGFFG), so Dierkens Hoffnung. Ob diese Rechnung aufgeht, will die AVL bei kurzfristigen Sanierungsmaßnahmen ausloten.

Für 2019 müssen laut AVL dringend zirka 2,2 Streckenkilometer auf dem Teilstück zwischen Scharnebeck und Rullstorf erneuert werden. Laut Dierken ist auch dort noch die Schienenform „Preußen 6“ verbaut: „Allein am Namen können Sie schon ermessen, wie alt die Substanz ist“, sagte Dierken vor dem Wirtschaftsaussschuss. Der Ansatz der Baukosten beläuft sich auf rund eine Million Euro. 50 Prozent Förderung nach SGFFG sollen beim Bund beantragt werden, 40 Prozent beim Land. Die restlichen zehn Prozent kann die AVL alleine nicht zahlen, hofft auf 90.000 Euro Zuschuss vom Kreis. Offen ist zudem die Frage nach einer notwendigen Bürgschaft.

Bislang ist von zwei Fahrten monatlich die Rede

Laut Dierken habe ein regionaler Holzvermarkter Interesse bekundet, verbindlich Güterzüge auf der Strecke fahren zu lassen. Bislang ist von zwei Fahrten monatlich die Rede. Doch die Strecke könnte künftig auch für den Gütertransport zum Deichbau interessant sein oder zur Baustoffanlieferung für die geplante neue Schleuse in Scharnebeck.

Die Fraktionen nahmen den Zuschussantrag zur internen Beratung mit. Zuvor warf noch Leo Demuth einen Gedanken in die Runde. Das beratende Mitglied vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Ex-AVL-Vorstand sagte: „Ich rege dringend an, die Trägerschaft der Strecke auf eine neue Basis zu stellen.“ Der Landkreis solle die Aufgabe übernehmen, schließlich gehe es um die Sicherung bedeutender Verkehrsinfrastruktur. Auch Dierken befürwortete die Idee.

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. Die Strecke ist nicht zu beleben, da es eine Sackgassenlinie ist. Die Betriebe die an der Strecke liegen kann man an einer Hand abzählen.