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Volksfeste Lüneburg
Nicht nur bei den Sülfmeistertagen fühlen sich Händler und Geschäftsleute am Sand durch Buden und Sperrungen benachteiligt. (Foto: phs)

Getrübte Feierlaune

Lüneburg. Ob Stadtfest, Sülfmeisterfest, Kinderfest, ADAC-Oldtimerrallye oder – wie in diesem Jahr – auch noch das Feuerwehr-Jubiläum – in Lüneburg wird gern und viel gefeiert. Stets aufs Neue verwandelt sich der Platz Am Sande dann zu einer großen Spaß-, Bier- und Bratwurstmeile mit vielen bunten Buden, die zum Verweilen einladen – und inzwischen zu reichlich Frust bei den Händlern sorgen.

„Wir haben davon nichts, im Gegenteil“, sagt Ernst Joachim Petersen, Inhaber von Edeka Wist am Platz Am Sande. Bei jeder Veranstaltung mache er rund ein Viertel weniger Umsatz, bei jeweils drei Festtagen komme da einiges zusammen. Denn Petersen zählt neben dem Veranstaltungs-Sonnabend auch die Aufbauzeit mit, „und die fängt inzwischen schon donnerstags an“.

Wichtige Kundschaft bleibt weg

Weil dann die Busse den Platz nicht mehr anfahren dürfen, bleibe wichtige Kundschaft weg. „Viele sagen schon von vornhe­rein, dass sie dann nicht mehr in die Stadt kommen wollen“, berichtet der Edeka-Händler und beteuert: „Wir haben nichts gegen die Veranstaltungen, aber so kann es nicht bleiben.“

Unterstützung bekommt Petersen vom benachbarten Bekleidungsgeschäft Ulla Popken. „Wegen der vor den Geschäften aufgestellten Buden sind viele gehemmt, den Laden zu betreten“, sagt Filialleiterin Monika Meyer. Inzwischen schickt sie sogar schon Personal an diesen Tagen wieder nach Hause, da die Kundschaft ausbleibe.

Das sieht auch Kathrin Brüderle von „Optik Müller Hörgeräte“ so. „Bei der Aufstellung der Buden sollte mehr Rücksicht auf den Einzelhandel genommen werden“, fordert die Augenoptikermeisterin. Sie empfiehlt, die Verkaufsstände vor denjenigen Geschäften aufzustellen, die am Sonnabend ohnehin geschlossen haben, „wie beispielsweise Arztpraxen oder die Geldhäuser“.

Aufbauzeiten verkürzen

Als ersten Schritt schlägt Ernst Joachim Petersen vor, zumindest die Aufbauzeiten zu verkürzen. „Warum muss man mit dem Aufbau schon am Donnerstagmorgen beginnen? Es muss doch möglich sein, das in die Abendstunden zu verlegen.“ Dem kann Ulrich Steiger nur zustimmen: „Für den Aufbau einer Würstchenbude braucht man doch nicht zwei Tage“, wundert sich der Inhaber der Einhorn Apotheke, zumal die Buden anschließend den ganzen Tag ohnehin leer ständen. „Man kann so etwas doch bestimmt auch anders organisieren, ohne immer gleich den ganzen Platz sperren zu müssen“, ist der Apotheker überzeugt. Er beklagt sogar Umsatzeinbußen von bis zu 40 Prozent an diesen Tagen.

„Für den Aufbau einer Würstchenbude braucht man doch nicht zwei Tage?“ – Ulrich Steiger, Apotheker

Für die Stadtverwaltung und die Lüneburg Marketing GmbH als Organisatorin sind die Veranstaltungen „ein wichtiger Beitrag, um die Hansestadt als attraktiven Ort für Einkauf, Gas­tronomie und Erlebnis zu positionieren im Wettbewerb mit anderen Städten“, wie Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck erklärt. Nicht immer ließen sich alle verschiedenen Interessen gleichzeitig berücksichtigen. „Man muss sehen, was tatsächlich machbar ist, aber wir nehmen die Wünsche gerne auf.“ Zugleich empfiehlt sie, Probleme oder Anregungen „am besten direkt anzusprechen bei den Kollegen, die vor Ort sind, vom Ordnungsbereich oder der Marketing. Im konstruktiven Gespräch lässt sich manches lösen oder zumindest der Grund besser verstehen, wenn es mal nicht anders geht.“ Ohne Aufbautag ginge es wegen des logistischen Aufwands aber nicht.

Das Argument der Stadt, auch die ansässigen Unternehmen würden von den Veranstaltungen profitieren, teilt Ernst Joachim Petersen nicht: „Die Leute wollen an diesen Tagen eine Bratwurst essen, aber keine Margarine kaufen.“

Gespräche mit der Stadt angekündigt

Mehr Verständnis für die Situation der betroffenen Händler zeigt Heiko Meyer, Chef vom Lüneburg City Management. „Ich sehe das ähnlich und hab‘ den Ball aufgenommen.“ Auch er habe den Eindruck, dass die Aufbauzeiten länger geworden seien. Natürlich müsse man die Aussteller und die Marketing GmbH verstehen, „aber eben auch die Händler“. Er kündigte an, hierzu mit der Stadt sprechen zu wollen.

Von Ulf Stüwe

12 Kommentare

  1. Na ja, wenn denn über Kurz oder Lang die „kleinen“ Inhabergeführten Geschäfte sich dort nicht mehr halten können, wird Platz geschaffen für besondere Frisörgeschäfte und Shisha Bars. Davon gibt es in der Innenstadt in exponierter Lage einfach noch zu wenige.

    In der Tat, wenn in der Innenstadt wieder so ein Rummel veranstaltet wird, meide ich diese wie die Pest.

    Lüneburg hat doch so einen schönen und große Festplatz, nennt sich Sülzwiesen, da kann man Buden bis zum Abwinken aufbauen und Anwohner in der Innenstadt sind auch weniger genervt.

  2. Das kann ich nur bestätigen. Ist aber ein alter Hut. Ich war selbst viele Jahre in einem inhabergeführtem Geschäft in der Innenstadt beschäftigt. An derartigen Veranstaltungstagen hatten wir nur eine Art Notbetrieb laufen. Mehr lohnte einfach nicht. Die werte Kundschaft wich dann in die Stadtrandgeschäfte aus.

    • Ja, taugen denn die schönen schlichten Stadtmarketingkonzepte von Heiko Meyer und seinen vielen auf- und bald wieder abspringenden LMG-Geschäftsführern nichts?

      Wie ist’s mit den jedes Jahr weiter durch unsere Stadt wuchernden Weinachtsmärkten?

      Zwängen sich da die Kunden auf der Rückseite der Zuckerwasser(Glühwein)buden zwischen Hausmauern und Holzverschlägen entlang, um bei Kathrin Brüderle ein paar Hörgeräte oder bei Ernst Joachim Petersen einen Doppelzentner Salatkartoffeln einzukaufen?

  3. Es gibt Politiker und Verwaltungsmitarbeiter, die davon träumen, ganzjährig alle Linienbusse vom Sande und aus der Innenstadt zu verbannen. Ab 2020 werden schon eine Reihe von Überlandbuslinien wegfallen. Schade für den verbliebenden Einzelhandel.
    Aber es geht scheinbar nur um die Rote-Rosen-Touristen.

  4. Nur mal so eine Anmerkung, da wir unser inhabergeführtes Geschäft schon vor einiger Zeit schließen mussten: versucht mal in unserer Kernstadt, also innerhalb der alten Stadtmauern, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Lampen oder Fotoequipment zu kaufen. Tja, wo sind sie alle hin, die vielen guten alten Geschäfte? Ach ja, zur Not hilft Amazon.

    • Bücher nicht zu vergessen – die Inhaberin einer Buchhandlung gab kurz vor Geschäftsaufgabe mir gegenüber an, das vor allem junge Leute ganz offen zugaben, sich bei ihr beraten zu lassen, damit sie das Buch dann im Internet bestellen…

    • Amazon wird häufig gern als Schlagwort zur Verdammung des online Handels verwendet. Doch im online Handel gibt es auch viele Fachhändler die ganz normale Ladengeschäfte betreiben. Nur eben nicht gleich um die Ecke. Viele davon schaffen es auch sich mit durchaus günstigen (nicht immer die billigsten) Angeboten zu behaupten. Aber nicht nur das. Ein nicht unerheblicher Teil davon bietet zudem einen erstklassigen Service und hervorragende Beratung per Telefon und/oder Mail. Manchmal sogar besser als ein Gespräch Auge in Auge mit einem (unfreundlichen) Verkäufer vor Ort. Freundlich, geduldig und zuvorkommend. Diese Händler haben nicht nur rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt, sondern sie geben den Kunden auch das Gefühl mit ihrem Anliegen für sie wichtig zu sein. Da kaufe ich dann gerne auch wenn es nicht der absolut billigste Anbieter ist. Diese Händler würde ich selbst dann bevorzugen wenn es einen Artikel in Lüneburg oder Umgebung vielleicht noch günstiger gäbe, mir aber ein unfreundlicher Verkäufer gegenüber stünde bei dem ich den Eindruck habe ihn zu belästigen. Online Handel, und dazu gehört auch Amazon, muss nicht gleich schlecht sein. Hier vor Ort und auch online ist Freundlichkeit und Service ein ganz wichtiges Kriterium. Vielleicht sollte mancher im Handel mal intensiver darüber nachdenken. Und zugegeben: Entspannter und bequemer ist es auch als extra in die Stadt zu fahren, einen Parkplatz zu suchen (bei gleichzeitigen Veranstaltungen in der Stadt nahezu aussichtslos) und dann auf einen Verkäufer zu warten. Leider verleitet das Internet aber manchmal auch zu Spontankäufen. Aber Sie werden es kaum glauben, ich habe dabei (auch bei Textilien) eine Rücksendequote von nahezu null.

      • oscar
        ich bestelle sehr oft bei amazon, weil die geschäfte in lüneburg sehr provinziell sind. die auswahl sehr gering, lagerhaltung ist eh nicht vorhanden , dafür eine menge ausreden, die gewünschte ware nicht zu haben. ich mag amazon zwar nicht, es ist ein ausbeuter vor dem herrn, aber ein guter lehrmeister für unsre hiesige sogenannten unternehmer. diese verwechsel oft aktionismus mit unternehmen.

      • Der Onlinehandel ist auch ein idealer Rückzugsort für Leute, die sich nicht gern persönlich mit anderen Menschen konfrontieren. Insofern ist es kein Wunder, das diese Handelsplattform(en) ideal für proteistische Persönlichkeiten sind. Das sich nur wenige inhabergeführte Unternehmen den (personellen + zeitlichen = finanziellen) Aufwand eines Internetshops (der braucht nämlich Pflege!) leisten kann, sollte inzwischen bekannt sein. Und natürlich gilt nicht zuletzt und überall auch: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.

  5. Das ist doch nichts überraschendes, als Unternehmer muss ich mir eben überlegen ob sich die zentrale Position am Sande unterm Strich nicht doch auszahlt. Das Gejammer kann ich schwerlich nachvollziehen. Sollten die betroffenen Unternehmen mit ihrem Standort solche Probleme haben, dann mögen sie bitte umziehen. Ich wette es gibt eine Menge Geschäfte die sich darum streiten würden einen solchen Standort zu bekommen.

    • Genau, @Wezz11, die bekannten Großketten. Da habe ich als Kunde natürlich DEN Mehrwert. Als Altlünerburger vermisse ich aber immer mehr Geschäfte wie Popken, Nolte, Tegeler…. Ja, da gibt es jetzt viele Großmärkte am Rande der Stadt. Am RANDE! Wenn es das ist, was Lüneburg will, dann ist es gut gelungen.

  6. Man muss eben mit der Zeit gehen, sonst muss man irgendwann mit der Zeit gehen. Einzelhandel ist bis auf wenige Ausnahmen ein totes Gewerbe, damit sollte man sich abfinden. Umdisponieren lautet hier die Devise! Es sollten mehr Hotels, Restaurants und Cafés am Sande angesiedelt werden.