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Die vier Angeklagten verbergen ihre Gesichter. Sie sitzen mit ihren Verteidigern in Saal 121 des Lüneburger Landgerichts. Foto: be

Computerbetrug in großem Stil

Lüneburg. Die Anklageschrift gegen die vier jungen Männer im Alter zwischen 22 und 26 Jahren umfasst 338 Seiten, verlesen wurde sie am Montag zum Prozess­auftakt vor der 4. großen Jugendkammmer am Landgericht Lüneburg allerdings bis zum Nachmittag noch nicht. Denn zunächst galt es Organisatorisches zu klären. Und die Verteidiger behalten sich sogar vor, Aussetzungsanträge zu stellen, sodass das Verfahren möglicherweise erst im kommenden Jahr über die Gerichtsbühne geht.

Oberstaatsnwalt Frank Lange, Leiter der Zentralstelle für die Bekämpfung der IuK-Kriminalität der Staatsanwaltschaft Verden, also der Internetkriminalität, wirft dem Quartett Computerbetrug in besonders schwerem Fall und das Ausspähen von Daten in insgesamt 20.854 Fällen vor. Die Anklage geht davon aus, dass die Männer zwischen Oktober 2011 und Februar 2016 über ein selbst eingerichtetes Internetportal namens iStreams.to illegale Streamingdienste angeboten haben. Dafür haben sie laut Lange unter anderem das Signal des Pay-TV-Senders Sky entschlüsselt und den Nutzern ihrer Seite die Übermittlung des unverschlüsselten Signals zu einem geringeren Preis angeboten als den, den Sky in Rechnung gestellt hätte. Dabei ging es unter anderem um Spielfilme in den verschiedensten Sprachen, beispielsweise in Tschechisch und Armenisch.

Einnahmen in Höhe von rund 250.000 Euro

Die Anklage geht davon aus, dass das Quartett Einnahmen in Höhe von rund 250.000 Euro erzielt hat und der Firma Sky durch entgangene Abonnements ein Schaden von 3,12 Millionen Euro entstanden ist.

Die Verteidiger der aus dem Landgerichtsbezirk Lüneburg, aus Bayern und Nordrhein-Westfalen stammenden Angeklagten bemängelten, dass ihre Unterlagen nicht vollständig sind, die Ermittler beispielweise Telekommunikationsüberwachungsdateien mit einer Speicherkapazität von 1,5 Terabyte, was 1500 Gigabytes entspricht, und 300.000 Audiodateien nicht weitergeleitet hätten. Wie hier weiter verfahren wird, ist noch unklar. Möglicherweise werden aus diesem Grund die Aussetzungsanträge gestellt.

Wird der Prozess durchgezogen, sind zunächst 19 Verhandlungstage bis in den März 2019 hinein vorgesehen. An allen Tagen soll dann Bernd Flickenschild als Berater präsent sein. Er ist der Informationssicherheitsbeauftragte der Universität in Hamburg. rast