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Zielfahnder
Beamte aus Lüneburg und Hannover flogen nach Bangkok, um den mutmaßlichen Dealer zurück nach Deutschland zu holen. (Foto: be)

In Thailand schnappt die Falle zu

Lüneburg/Stade. Als er mitbekam, dass sein Komplize Anfang des Jahres verhaftet wurde, verlängerte David M. seinen Urlaub in Thailand auf unbestimmte Zeit. Er wähnte sich dort sicher, versuchte, die Polizei zu täuschen, indem er seinem Kumpel eine Urlaubskarte aus Indonesien in den Knast schickte. Doch es half alles nicht: Lüneburger Ermittler fanden heraus, dass der 26-Jährige in Bangkok steckte. Inzwischen haben sie ihn nach Deutschland zurückgeholt, seit vergangener Woche sitzt er in Frankfurt/Main in Haft.

M. gilt als der Kopf eines Trios, dass im sogenannten Darknet, dem geheimen Internet, im großen Stil mit Drogen gehandelt haben soll. „Marihuana, Kokain, Amphetamine“, sagt der ­Stader Oberstaatsanwalt Kai-Thomas Breas. Nach den Recherchen der Polizei soll es um mehr als 3000 Fälle gehen. Die Stader Anklagebehörde führt das Verfahren. Sie hat die Zentrale Kriminalinspektion (ZKI) in die Ermittlungen eingebunden. Und die Kriminalisten, die eher im Verborgenen auf die Pirsch gehen, haben offensichtlich einen guten Job gemacht.

Gestolpert über Visum-Vorschriften

Die Spezialisten wussten relativ schnell, dass sich ihre „Zielperson“ in Thailand aufhält. Auch wenn M. immer wieder versuchte, falsche Fährten zu legen, ließen sich die Fahnder über Monate nicht in die Irre führen.

Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft schlugen sie ungewöhnliche Wege ein. „Thailand hat kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland geschlossen“, sagt Breas. Doch es gibt andere Möglichkeiten, die Kombination griff: Die Bundesrepublik kann einem Bürger den Pass entziehen beziehungsweise nicht verlängern, wenn er Straftaten begeht. Eben dazu wies man die deutsche Botschaft an.

Hilfreich waren zudem die thailändischen Visavorschriften. „Ein Visum endet dort nach 30 Tagen“, sagt Breas. M., der mit weltweit gültigem Haftbefehl gesucht wurde, hielt sich also illegal dort auf. Die Thailänder setzten ihn durch die detaillierten Angaben der Lüneburger Ermittler schließlich fest.

Ein Loch in der Zelle als Klo

Das asiatische Gefängnis habe nichts mit einem deutschem Knast zu tun, heißt es aus Polizeikreisen: zwei Dutzend Gefangene in einer Art Käfig, ein Loch in der Zelle als Klo, Neonbeleuchtung Tag und Nacht. Beamte des Landeskriminalamtes und von der Ilmenau flogen jetzt nach Bangkok, um den Mann abzuholen. Wann er vor Gericht stehen wird, ist noch unklar.

Das hat einer seiner Partner schon hinter sich, der ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Für David M., der als Haupttäter gilt, könnte es also noch dicker kommen. Übrigens wird die thailändische Haft angerechnet, ein Tag dort soll so viel zählen wie drei in Deutschland.

Für die Lüneburger ist der Fall nicht abgeschlossen. Ein dritter Mann ist noch auf der Flucht. Sie vermuten ihn im Ausland. Allzu sicher sollte er sich nicht fühlen.

Von Carlo Eggeling