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Die Johannes-Rabeler-Schule ist nur noch bis 2022 Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. (Foto: t&w)

Zu wenig Interesse an der Förderschule

Lüneburg. Der Kreis der Befragten war äußerst überschaubar, die Zahl der Teilnehmer äußerst gering: Nur von 16 Eltern hat die Stadtverwaltung eine Antwort auf ihre Frage zum Thema Förderschulzukunft erhalten, 36 waren im Oktober angeschrieben worden.

Die Förderschule Lernen läuft aus, eine befristete Verlängerung, die durch eine Schulgesetzänderung möglich wäre, wird seit Monaten in Lüneburg diskutiert. Auf Kreisebene hat die Politik einen klaren Schlussstrich gezogen, in der Stadt Lüneburg war eine Elternbefragung der gangbare Kompromiss.

Allerdings wurden nur jene Eltern befragt, die im Stadtgebiet wohnen und Kinder mit einem ausgewiesenen Förderbedarf Lernen haben, die derzeit noch in der dritten oder vierten Klasse sind.

Einzige Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen

Das Ergebnis laut Verwaltung: Lediglich die Eltern von fünf Viertklässlern und die von drei Drittklässlern gaben an, die Förderschule gegenüber einer anderen weiterführenden Schule für ihr Kind zu bevorzugen. Zu wenig, um ausreichend große Klassen bilden zu können. Die Verwaltung will dem Rat deshalb nun empfehlen, die Johannes-Rabeler-Schule, einzige Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in Trägerschaft der Stadt, wie geplant zum Jahr 2022 auslaufen zu lassen. Neue Schüler würden dann also nicht mehr aufgenommen.

Die Ergebnisse der Umfrage werden in der nächsten Sitzung des Schulausschusses am Dienstag, 4. Dezember, detailliert vorgestellt.

Land lenkte ein

Nach scharfer Kritik am Aus für die Förderschule Lernen hatte die Landesregierung reagiert. Durch die mit Gesetz vom 28. Februar 2018 erfolgte Neufassung eines entsprechenden Paragrafen im Niedersächsischen Schulgesetz wird ein Übergangszeitraum für die weitere Umsetzung der Inklusion im schulischen Bereich gestaltet. Schulträgern bestehender Förderschulen im Förderschwerpunkt Lernen wird auf Antrag und nach Genehmigung durch die Niedersächsische Landesschulbehörde ermöglicht, die Förderschulen bis zum 31. Juli 2028 fortzuführen. Laut Ministerium bedeutet dies, dass ab dem 1. August 2018 und letztmalig zum Schuljahresbeginn 2022/23 wieder Schülerinnen und Schüler in den Jahrgang 5 aufgenommen werden können.

Alternativ dazu können auf Antrag des Schulträgers auch Lerngruppen für Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Lernen an einer anderen allgemein bildenden Schule eingerichtet werden.

Von Alexander Hempelmann

Geringe Chancen für die Förderschule

One comment

  1. Dr. Thomas Felleckner

    Zu kurz gesprungen!
    Durch die Vorgehensweise der Stadt, bei ihrer Befragung nur Stadteltern von Kindern mit bereits festgestelltem Förderbedarf Lernen zu berücksichtigen, sind für die Frage, ob die Johannes-Rabeler-Schule eine Zukunft hat, wichtige Aspekte außer Acht gelassen worden. Welche sind das? Erstens kommen erfahrungsgemäß immer schon etliche der Schüler aus den angrenzenden Kreisgemeinden. Diese sind bewusst und lediglich aus formalen Gründen ausgeschlossen worden. Außerdem sind Eltern, deren Kinder zusätzlich zum Förderbedarf Lernen noch den Förderbedarf KME (Körperlich-Motorische Entwicklung) haben, ebenfalls nicht befragt worden, angeblich, weil die Johannes-Rabeler-Schule nicht barrierefrei sei. Es sitzen nur längst nicht alle KME-Kinder in Rollstühlen! Außerdem ist der Förderschwerpunkt Lernen üblicherweise immer prioritär. Es gibt zudem Eltern, deren Kinder noch keinen festgestellten Förderbedarf Lernen haben, diesen aber noch bekommen werden und ebenfalls in einer Förderschule angemeldet werden sollen. Der langen Rede kurzer Sinn: Die Befragung ignoriert wesentliche Fakten und ist daher wertlos. Die Zahl der Förderschulkinder ist in Wirklichkeit viel größer. Aufgrund eines derart fragwürdigen Ergebnisses kann man die Johannes-Rabeler-Schule nicht einfach dichtmachen! Zu kurz gesprungen!