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Wolf
Der Fall hatte vor ein paar Tagen für Aufsehen gesorgt: Ist in Niedersachsen erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden? Nun ist das Ergebnis der DNA-Analyse da.

„Das Problem ist nicht der Wolf, sondern der Mensch“

Mechtersen/Lüneburg. Politiker fordern in einer Bundesratsinitiative, die „Entnahme“ von sogenannten Problem-Wölfen zu erleichtern. Berufsschäfer Wendelin Schmücker geht noch einen Schritt weiter: Er will notfalls sogar selbst auf das Grautier schießen dürfen. Er hat deshalb, wenn auch vergeblich, bei der Stadt Winsen/Luhe eine Waffenerlaubnis beantragt (LZ berichtete). Die Willkommenskultur für Wölfe schwindet – Thomas Mitschke beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Es findet ein massiver Feldzug gegen den Wolf statt“, stellt der Nabu-Kreisvorsitzende fest. Aber er macht deutlich: „Nicht der Wolf ist das Problem, sondern der Mensch!“

Viele Weidetierhalter würden geradezu „Wolfsfütterungsstationen“ unterhalten – weil ihr Herdenschutz nicht einmal dem Mindestschutz entspreche. Mitschke bezieht sich auf Statistiken des Niedersächsischen Wolfsbüros: Danach war in mehr als 80 Prozent aller bekannt gewordenen Fälle von Wolfsrissen nicht einmal der Grundschutz für die Weidetiere gegeben“, stellt er kritisch fest.

120 Zentimeter Mindesthöhe

„Mobile Weidezäune, meist elektrifizierte Draht- oder Netzzäune, sollten eine Höhe von mindestens 90, besser noch von 120 Zentimetern haben. Um das Untergraben des Zauns durch den Wolf zu verhindern, muss der Zaun eine stromführende Litze haben, die nicht mehr als 20 Zentimeter vom Boden entfernt sein darf. „Seit zwölf Jahren ist der Wolf wieder zurück in Niedersachsen und trotzdem sind viele Weidetierhalter nicht in der Lage, durch entsprechende Maßnahmen ihre Tiere zu schützen“, ärgert sich Mitschke.

„Vom Schäfer war nichts zu sehen“

Dass nun ausgerechnet der Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung (FDS), Wendelin Schmücker, einen Waffenschein und eine Abschuss-Genehmigung für Wölfe fordert, klingt für Mitschke zynisch: Der Berufsschäfer aus dem Landkreis Harburg hatte seine Forderung unter anderem mit der jüngsten Wolfsattacke auf seine Herde bei Mechtersen begründet. „Meine Tiere sind meine wirtschaftliche Existenz“, betonte Schmücker kürzlich gegenüber der LZ. Weil aus seiner Sicht der Schutz durch Zäune und Herdenschutzhunde alleine nicht reiche, wolle er künftig mit der Flinte in der Hand seine Schafherde hüten.

Mitschke hatte sich sieben Tage nach dem Wolfsangriff auf Schmückers Schafe in Mechtersen umgeschaut – und war überrascht: Statt des empfohlenen 1,20-Meter-Zauns hatte Schmücker nur den 90 Zentimeter hohen Zaun gesteckt. Und das auch nur lückenhaft. „Rund 200 Meter Zaun fehlten“, berichtet Mitschke. Zwei Stunden habe er die Situation beobachtet – „vom Schäfer war in dieser Zeit nichts zu sehen!“ Das sei eine Einladung für Wölfe und streunende Hunde.

Erst am Abend, als er sich die Situation erneut angeschaut habe, sei die Lücke im Zaun geschlossen gewesen. Für Mitschke zu spät. Er bleibt dabei: „Das war ein absolut fahrlässiges Verhalten des Schäfers.“ Ein solches Verhalten „führt doch erst dazu, dass Wölfe zu Problemwölfen werden.“

„Wenn der Wolf rein will, kommt er rein“

Schmücker kontert: „Als Wanderschäfer hat man nicht immer die Menge Zaun dabei, die man braucht.“ Dann könne es schon mal vorkommen, dass man die Herde kurzzeitig verlassen und Nachschub holen müsse. Und ob der Zaun nun 90 oder 120 Zentimeter hoch sei, spiele aus seiner Sicht auch keine große Rolle: „Wenn der Wolf rein will , dann kommt er rein…!“

Mitschke fordert ein Umdenken: „Die Weidetierhaltung braucht einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft!“ Zweistellige Milliarden-Beträge aus EU- und Bundesmitteln würden jährlich in die Landwirtschaft fließen. „Doch die Weidetierhalter profitieren nicht davon“, kritisiert der Nabu-Vorsitzende. Wenn die Weidetierhalter mehr Geld für ihre Arbeit und ihre Produkte bekämen, investierten sie auch mehr in den Herdenschutz, glaubt Mitschke. Dann, so seine Hoffnung, werde auch der Wolf nicht mehr als ein so großes Problem angesehen. „Der beste Schutz des Wolfes ist der Schutz von Weidetieren“, bringt es der Nabu-Vorsitzende auf den Punkt.

Minister freut sich über EU-Entscheidung

Kosten werden künftig erstattet

Erfreut hat sich Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) über die Entscheidung der Europäischen Kommission gezeigt, dass in Zukunft Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsrisse zu 100 Prozent durch die Länder finanziert werden dürfen. Lies hatte diese Forderung schon im Frühjahr bei seinem ersten Besuch zum Thema Wolf in Brüssel vorgetragen. Bisher konnte das Land aufgrund von EU-Regelungen nur 80 Prozent der anfallenden Kosten für Zäune übernehmen.

Das war ein Problem, auf das der Umweltminister gegenüber der EU immer wieder hingewiesen habe. „Wir werden uns nun schnell an die Umsetzung machen, damit wir Weidetierhalter in Niedersachsen schon bald vollumfänglich bei ihren Herdenschutzmaßnahmen finanziell unterstützen können,“ betont der Minister. lz

Von Klaus Reschke

71 Kommentare

  1. Wir halten auch Schafe und sind daher mit der Nummer Netze abbauen, weitergehen bzw fahren, aufbauen, Schafe holen usw.
    Einmal musste ich ein ‚verlorengegangenes, sehr altes Schaf suchen, ein andermal war ein Netz so beschädigt, dass ich’s nicht mehr aufbauen wollte, da fährt man halt heim, um Material zu holen. Das hält auf, aber ist halt so.
    Vermerken möchte ich in diesem Zusammenhang: Herrn Mitschke war der Schafhalter ganz offenbar bekannt. Hier hätte es der Anstand geboten, den Schäfer direkt zu kontaktieren, anstatt quasi öffentlich ein paar Kübel Dreck über ihm auszukippen. Das war menschlich ausgesprochen schwach.

    • Herr oder Frau Seiler, da hat niemand Zäune geholt, sondern die Riesenlücke am Graben nur geschlossen, weil die Tiere dort ausgebüxt sind. Ich kann nachvollziehen, dass Sie Ihren „Kollegen“ zur Seite springen wollen, doch hat dieser „Kollege“ ganz andere Prioritäten!

      • Annegret Sproesser

        Der Zaun hat sich bis zum Abend dann offensichtlich selbst von Zauberhand aufgebaut, oder haben Sie, Herr Mitschke das freundlicherweise für den Schäfer übernommen?

      • Dann antworten Sie, Herr Mitschke! Aber ehrlich! Warum haben Sie nicht den Schafhalter zumindest versucht zu erreichen, anstatt ihn mit Dreck zu bewerfen? Mancher fährt sich auch mal fest, und nichts geht weiter.
        Ihr Argument ist im Übrigen eine Unterstellung ohne jede Beweiskraft. Wenn der Schäfer weg war und später der Zaun stand, Ihr Interesse aber ganz offensichtlich nicht war, zu helfen, sondern abzulästern, wurde der Zaun wohl kaum von Ihnen ergänzt. Warum verhalten Sie sich so schäbig?

      • Marco Timmermann

        Bitte weniger hetzen Herr Mitschke! Es reicht wenn sie ihren geistigen Durchfall auf ihrer FB Seite verbreiten!

      • Herr Mischke, sie haben völlig recht, wer hier hetzt dürfte bekannt sein. wenn tiere sprechen könnten, würde so mancher mensch ziemlich dämlich aus der wäsche schauen. ob es einem weidetier egal ist , im schlachthof zu enden, oder vom wolf getötet zu werden? die gefahr im schlachthof zu enden ist weit aus höher, als vom wolf gefressen zu werden.

  2. Was will Herr Michael den, wenn er sagt dass bei 80% die Zäune zu niedrig waren? Er ist doch ein Paragraphenreiter, wenn bei 89 cm der Wolf drüber kommen soll und bei 90 cm nicht. Er macht sich doch mit aller Gewalt lächerlich.

  3. Wenn der Wolf rein will, kommt er rein“
    und wenn der mensch sich mühe gibt, kann er es verhindern.

    • Maike Schulz-Broers

      Wie sollen die Maßnahmen denn aussehen, um die Wölfe draussen zu halten?
      Die Tiere haben gelernt, Zäunen in jedweder Höhe zu überwinden, Herdenschutzhunde wurden schon verletzt.

      In 14 anderen Europäischen Staaten werden die Wölfe, auch im Rahmen der FFH Richtlinie, bejagt. Und dort waren die Wölfe nie so zurück gedrängt, wie bei uns.

      Die Wölfe werden erst von den Weidetieren ablassen, wenn sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und die erzeugt man nicht durch Wattebällchen oder Klatschen. Scheue ist ein erlerntes Verhalten, kein genetisch Fixiertes.

      Und die Wölfe bei uns haben es noch nicht gelernt.

      • eigentlich doch ganz einfach, nur mal verantwortung für sein besitz übernehmen und vorher denken, anstatt hinterher zu jammern. in schleswig holstein soll es drei wölfe geben. alarm wird gemacht, als ob es dreihundert wären. in niedersachsen ist es nicht viel anders. wer einen sicheren zaun aufstellt, hat sogar in seinem garten vor wildschweinen schutz. es geht hier beim jammern doch auch nur ums geld und nicht um die weidetiere, die eh geschlachtet werden. dummerweise zahlt der wolf sein essen nicht, deswegen die aufregung. schlechte erfahrungen hat der wolf im strassenverkehr schon gemacht und?? wer seine fleischtheke ungeschützt präsentiert, darf sich doch nicht wundern, wenn plötzlich was fehlt. menschen haben schon bei uns ganze schafsherden gestohlen, wer kommt da auf die idee, rumzuballern? der mensch sollte sich mit esel zusammentun, es wäre passend. wenn bei uns wieder angefangen wird auf sogenannte problemwölfe zu schießen, haben wir schnell nur noch problemwölfe und der wolf wird wieder einmal in deutschland ausgerottet. die hauptspeise des wolfs ist bei uns das reh. weidetiere liegen bei ihm unter 1% . es gibt dazu reichlich wissenschaftliche studien darüber. weidetierhalter verhalten sich hier genau so wie alkoholiker, die sich auch nie einen film über die gefahren des alkohols ansehen werden. warum sollte sich man ja bei der wissenschaft schlau machen, wenn das jammern doch so einfach ist? warum würden jäger zu gern wölfe schießen? fragt mal die rehe und deren eitelkeit.

        • Annegret Sproesser

          Wenn man Ihren Vorschlag in die Tat umsetzt, haben wir hier Wildwest-Verhältnisse. Bislang haben Wölfe jeden Herdenschutz, außer 3m hohen Zäunen, überwunden, „Herdenschutzesel“ lediglich den Speisezettel der Wölfe bereichert.
          Weidetierhalter verdienen Ihr Geld nun mal mit dem Verkauf von Tieren, sei es zum Schlachten, zur Zucht oder zu Hobbyzwecken. Wenn unter den 1% Ihre Tiere dabei sind und dies, wie z.B. bei Herrn Fröschle im Schwarzwald, über 10% Ihrer Herde -Ihres Betriebsvermögens- ausmacht, dann tut das weh. Wären sie bereit ca. 1 1/2 Jahre auf 10 % Ihres Gehalts zu verzichten, nur weil das von außen verordnet wird. Die Entschädigungen decken immerhin ca. 8-10% de tatsächlichen Verlustes ab. Bevor Sie hier nachfragen, schlagen Sie bitte bei der KTBL nach.

          • Annegret Sproesser
            sie meinen also, sie können raubtiere genau so regulieren, wie man es mit pflanzenfresser machen kann? ich muss bei meiner rente auf mehr als nur 10% verzichten und lebe trotzdem noch. schmunzeln. und ich gehöre zu dem größten raubtier auf erden und wer reguliert seine vermehrung? das leben ist ein risiko. die meisten menschen sterben immer noch im bett. sie wissen doch ganz genau, wenn das schießen losgeht, gibt es kein halten mehr. illegales töten von wölfen findet doch schon statt. also haben wir doch schon wildwest-verhältnisse.

      • GESCHICHTENERZÄHLER, POLITIKER, JÄGER, GEGNER

        Effekte der Bejagung von Wölfen
        Es ist allgemeiner aktueller Wissenstand, dass sich die Wolfsdichte einer Region ganz eng dem Nahrungsangebot anpasst.
        Eine Regulierung der Wolfsbestände seitens des Menschen ist somit aktuell nicht erforderlich, der vernünftige Grund zum Töten m. E. nicht gegeben. Dieses gilt insbesondere vor dem Hintergrund der seit Jahren vom Deutschen Jagdverband gemeldeten hohen Wildbestände in Deutschland, die sich nicht zuletzt negativ auf die Waldentwicklung und landwirtschaftliche Flächen
        auswirken. Allein in Niedersachsen fallen täglich ca. 68 Rehe dem Straßenverkehr zum Opfer.
        Reine wirtschaftliche Interessen von Jägern stellen vor dem Hintergrund des strengen Schutzstatus des Wolfs und des Tierschutzgesetzes m. E. keinen vernünftigen Grund dar, Wölfe zu bejagen.
        Zudem könnte eine Bejagung – sofern von unerfahrenen Personen ausgeführt – zur Zerstörung von Rudelstrukturen und damit eher zur Destabilisierung der örtlichen Verhältnisse beitragen. Ein territoriales Wolfspaar lässt keine fremden Wölfe in seinem Revier zu. Die Wolfsdichte des besetzten Territoriums ist stabil und pendelt sich auf das vorhandene Nahrungsangebot ein. Dieses ändert sich, wenn die adulten Tiere getötet werden (bereits im Alter von 5 bis 6 Monaten sind juvenile Wölfe nur noch schwer von adulten zu unterscheiden). In der Folge lösen sich stabile Territorien auf, fremde Wölfe versuchen das Revier zu besetzen. Die der Führung der Eltern beraubten Jungwölfe haben keine Anleitung, verstärkte Wanderungen und
        flexiblere Beutewahl – insbesondere auf leicht erreichbare Nutztiere – wären die Folge. Auswertung von Daten über einen Zeitraum von 25 Jahren aus
        Idaho, Montana und Wyoming belegen eine anfängliche Zunahme der Nutztierrisse bei verstärkter Bejagung. Die Alternative, Welpen im Bau oder im Bereich des Aufzuchtortes zu fangen und / oder zu töten, wäre eine Form der Dezimierung, die m. E. weder ethisch noch gesellschaftlich vertretbar ist.
        Eine Akzeptanzerhöhung durch eine Bejagung ist ebenso wenig bewiesen. Erfahrungen aus den USA zeigen eher das Gegenteil. So berichtet Treves: „Die schrittweise Erlaubnis der Jagd auf den Wolf hat den Wert des Wolfs nach und nach reduziert.Einige Menschen akzeptieren nun zwar die Behörde, welche die Wolfsjagd erlaubt, die Akzeptanz gegenüber Wölfen ist mit einer Legalisierung der Jagd allerdings nicht gestiegen“. Mit Zulassung der Jagd auf den Wolf erhöhten sich nach Treves zudem die Wildereidelikte auf den Wolf.

        Es ist weiterhin bisher nicht wissenschaftlich belegt, dass eine Bejagung die Scheu der Wölfe dem Menschen gegenüber erhöhen würde. Seitens der zumeist jagenden Befürworter wird dabei häufig ein Vergleich zwischen dem Verhalten ihnen bekannter jagdbarer Tiere (Reh-RotSchwarzwild)
        gezogen, die sich auf intensivierte Jagdaktivitäten (z. B. im Winter nach Bewegungsjagden) mit erhöhter Vorsicht (Scheu) einstellen. Dieser Vergleich ist in meinen Augen fachlich kritisch zu hinterfragen. Beutetieren liegen von Natur aus etwas andere Handlungsprioritäten zu Grunde als großen Beutegreifern. Sie besitzen ein ausgeprägtes (Fress-) Feindvermeidungsverhalten, das dem großen Beutegreifer möglicherweise nicht im gleichen Maße eigen ist, da er es nicht benötigt. Zum Erhalt der individuellen Fitness müssen Beutetieren in der Lage sein, die aktuelle Jagdmotivation von potenziellen Prädatoren korrekt einzuschätzen und Energie raubendes Feindvermeidungsverhalten nur an den Tag zu legen, wenn dieses erforderlich wird. Sie stellen sich auf den Jagddruck ein.
        Hingegen hat der Wolf keine natürlichen Feinde (außer fremden Artgenossen). Sein Bestreben ist es vielmehr, sich beim Greifen der Beute nicht zu verletzten. Ein Wolf wagt sich teilweise auch an ihm in Körpergröße deutlich überlegene Beute heran. Er muss daher eine besondere Vorsicht beim Angriff walten lassen, will er sich nicht in Lebensgefahr bringen. Der Wolf ist allgemein ein sehr vorsichtiges Großraubtier, wenn nicht das vorsichtigste Großraubtier dieser Breiten.

        So beruht die sogenannte „Scheu“ des Wolfes m. E. nicht prioritär in der „Angst vor dem Menschen aufgrund von Bejagung“, sondern es liegt ihr vielmehr eine natürliche Vorsicht zu Grunde, die dieses Tier besitzen muss, wenn es sich nicht durch eine unvorsichtige Annäherung an unbekannte Objekte in Gefahr begeben will.
        Diese Vorsicht ist besonders bei adulten Wölfen ausgeprägt, wo hingegen die juvenilen noch deutlich unbedarfter auf Umweltreize reagieren und mehr ausprobieren (müssen), um Beuteerfahrung zu sammeln. Jedoch sind auch unbedarfte Jungwölfe in der Regel durch ihre Eltern auf die üblichen Wild-Beutetiere konditioniert und daher nicht vorrangig am Menschen als Jagdobjekt interessiert. Dieser muss ihnen durch seine völlig andere Erscheinung und den fremden Geruch sehr suspekt vorkommen. Erfahrungen aus Schweden, dem einzigen europäischen Land, das über eine wissenschaftliche Eingreiftruppe bei Vorfällen mit Großraubtieren verfügt, belegen zwar seltene Vorfälle von Luchsen (insgesamt 2, meist als Welpen angefüttert) und Bären (2,3 / Jahr, oft freilaufende Hunde involviert) gegenüber Menschen, seit 1822 jedoch keine durch Wölfe.
        Ein weiterer Aspekt dieser Vorsicht des Wolfes beruht darauf, sich von konkurrierenden fremden Rudeln fern zu halten. Aus diesen Überlegungen abgeleitet ergibt sich m. E. dass ein erhöhter Jagddruck an der Vorsicht eines Beutegreifers wenig ändern würde.
        Zwar wird postuliert, dass nordamerikanische (insbesondere arktische) Wölfe aufgrund geringer Bejagung weniger scheu seien jedoch gibt es hierzu (verständlicherweise) keine Ursachenforschung. In historischer Vergangenheit wurde der europäische Wolf mit leidvollen Methoden (Wolfsangel, Fallen, Gruben, Speeren, Gift, Lappjagd) regelrecht „bekämpft“. Dieser hohe Jagddruck soll in Europa und Asien Wölfe mit größerer Vorsicht selektiert haben,
        wonach sich in Folge dieses Verhaltengenetisch fixiert haben könnte. Das scheint plausibel. Ein derartiger Effekt ist jedoch nicht unwesentlich von der Art der Bejagung abhängig. Eine Verknüpfung schlechter Erfahrungen (hier Bejagung) kann nur dann zum Menschen geschehen, wenn sich dieser bei den einwirkenden aversiven Reizen nahe genug am Wolf befindet. Der so bejagte Wolf muss zudem noch überleben, um seine Erfahrungen weitergeben zu können. Die Methoden vergangener Jahrhunderte sind heute nicht mehr akzeptabel und anders als beim Schalenwild werden vermutlich selbst Treib- Bewegungsjagden auf den Wolf auch zukünftig keine Option sein. Bei der Ansitzjagd ist eine Verknüpfung des aversiven Reizes zum Menschen jedoch schwer herzustellen. Viel wahrscheinlicher könnte es hingegen eine Verknüpfung zum Ort des Geschehens geben, da menschlicher Geruch in unserer dicht besiedelten Gesellschaft allgegenwärtig ist. Überspitzt ausgedrückt könnte ein bejagter Wolf heute vielmehr lernen, den jagdintensiven Ort „Wald / Feld“ zu meiden und stattdessen die jagdberuhigte Nähe von Siedlungen zu suchen. Und selbst wenn die fehlende Bejagung eine Habituierung des Wolfes an den Menschen im Zweifel eher unterstützt, kann daraus nicht zwangsläufig eine von ihm ausgehende erhöhte Gefahr abgeleitet werden
        Quelle:
        Dr. med. vet. Dipl. Biol.
        Birgit Mennerich-Bunge
        Landkreis Lüchow-Dannenberg
        Königsberger Straße 10
        E-Mail: b.mennerich-bunge@luechowdannenberg.de

        • Annegret Sproesser

          Herr Mitschke, bislang ist aktueller, allgemeiner Wissenstand dass ein Nahrungsgeneralist und Habitatopportunist, wie der Wolf nicht durch das Nahrungsangebot reguliert wird. Einen Beleg für das von Ihnen behauptete Gegenteil müssen sie schon liefern.
          Auf das Geschwafel was Ihres Erachtens erforderlich sei oder nicht muss ich ja wohl nicht weiter eingehen. Dazu ist nur zu sagen dass Gesetze von Menschen gemacht und von Menschen geändert werden können.
          Die Bejagung durch unerfahrene Personen…. ist ebenso substanzloses Geschwafel. Die Ausgestaltung der Bejagung überlassen sie daher besser Menschen, die etwas davon verstehen. Wölfe müssen nicht führungslos sein um Weidetiere anzugreifen. Warum sollten Sie flinken Rehen oder wehrhaften Wildschweinen nachstellen, wenn Weidetiere nicht in eine Hochsicherheitstrakt leben.

          Sie wissen schon, dass die Studie von Wielgus und Peebles, auf die Sie sich offensichtlich beziehen, derart schlampig war, dass sie den Autor seine wissenschaftliche Reputation und seinen Job gekostet hat. Bitte lesen sie die Studie im Original und ganz. Dann werden Sie feststellen, dass der Übersetzung der Zusammenfassung, die sie offensichtlich gelesen haben, auf dem Weg über den großen Teich wesentliche Teile verlorengegangen sind. Gerade der Anstieg der Wolfsrisse, die die beiden dort postulieren kam daher, dass in einem der Staaten der Untersuchung keine Wölfe vorkamen bis zu dem Zeitpunkt, in dem in einem anderen Staat Tausende von Kilomentern entfernt, die Jagd auf Wölfe erlaubt wurde. Der logische Schluss wäre gewesen die Wolfsrisse in den jeweiligen Staaten vor und nach der Erlaubnis der Jagd zu vergleichen. Nicht das Ansteigen der Wolfsrisse von Null auf einige, was in Prozenten ausgedrückt gleich mehrere Hundert Prozent ausmacht, im einen Staat mit der Erlaubnis derJagd in einem anderen weit entfernt davon zu verquicken. Wie sagte schon Churchill:“ Ich glaube keine Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“
          Ihr Vergleich Beutetier Prädator hinkt gewaltig. Was Rehe und Rotwild betrifft mag er noch angehen, was Wildschweine betrifft keinesfalls. Wildschweine sind durchaus wehrhaft und daher in den Hinterlassenschaften der Wölfe eher selten zu finden.
          Das Herumgeiere ‚Ihres Erachtens‘ um die Scheu der Wölfe hätten Sie auf ein, zwei Sätze beschränken können. Etwa folgendermaßen, Scheu ist eine erworbene und keine angeborene Eigenschaft. Wenn Wölfe, von ihren Eltern lernen, dass die Nähe von Menschen und Weidetieren gefährlich ist, werden sie diese eher fern bleiben, als ohne Verfolgung. Die Habituierung von Wölfen an Menschen wird ohne Verfolgung nicht zu vermeiden sein. Schließlich marschieren sie bereits jetzt ungerührt durch Dörfer und so langsam auch durch Städte, dabei gewöhnen sie sich unweigerlich an Menschen. Bei Treibjagden folgen die Wölfe inzwischen den Schüssen, weil sie erfahren haben, dass es dort Fraß gibt und ihnen nichts passiert.

          Das Beispiel Schweden, wo Wölfe bejagt werden zeigt, dass Dieses effektiv ist. Überall, wo es einigermaßen klappt mit Wölfen, Menschen und Weidetieren werden Wölfe bejagt.
          Ob das erste menschliche Wolfsopfer nun vorrrangige Beute ist oder nur ein Zufallsopfer, wird den Hinterbliebenen kein rechter Trost sein. Mein Alptraum ist ein im Funkloch gehunfähig gestürzter Mountainbiker.
          „Hingegen hat der Wolf keine natürlichen Feinde“ Diese müssen durch den Menschen ersetzt werden.
          Der Königsweg wird sein Bejagung in Menschennähe und nach einem Riss zusammen mit Herdenschutz.
          Die Arbeit von Frau Mennerich Bunge ist nicht ganz so angreifbar, wie die Arbeit von Wielgus und Peebles, zieht aber auch einige unzulässige Schlüsse. Dieses habe ich ihr auch damals bei der Veröffentlichung mitgeteilt.
          Ich empfehle Ihnen die Lektüre von „Zur Hölle mit den Wölfen“ von Frank N. Möller und das Studium des Eskalationsmodells von Valerius Geist. Dort erfahren Sie auch den wirklichen Grund, warum Wildtiere die Nähe von Siedlungen aufsuchen.

          • bislang ist aktueller, allgemeiner Wissenstand dass ein Nahrungsgeneralist und Habitatopportunist, wie der Wolf nicht durch das Nahrungsangebot reguliert wird.
            diese behauptung von ihnen , wird ihnen gewaltig auf die füße fallen. ich bin gern bereit, ihre behauptung adabsurdum zu führen. aber würde es sich bei ihnen lohnen? wohl kaum.

          • Lebensweise des Wolfs
            […]

          • Guten Tag Herr Bruns, entweder zitieren Sie die Quelle, wie zum Beispiel „Quelle: Forum Großraubtiere Wildtiere“ oder Ihre Kommentare werden nicht mehr freigeschaltet.
            Elena Gulli / LZonline

  4. Merkwürdig, wie gerne Nabu-Vorsitzende sich auf Fehlersuche bei Tierhaltern begeben. Dabei waren es eine Herde des Nabu, aus der fast der gesamte Fohlenbestand zwei Wölfen zum Opfer fiel (Oranienburger Heide 2017). Die Tiere waren, trotz einem Wolfsangriff auf ein Fohlen im Jahr zuvor, in keiner Weise geschützt. Nach diesem Riss wurde mitgeteilt, dass ein Zaun auf dieser Fläche zu teuer sei und der Rest der Herde wurde in eine noch wolfsfreie Region verschafft, eine Massnahme, die kein Schäfer treffen kann.
    Wer im Glashaus sitzt, Herr Nabu-Kreisvorsitzender Mitschke, sollte die Finger von den Steinen lassen!

    • Frau Zahn, ich sitze keinesfalls im Glashaus und ich saß seiner Zeit auch nicht in der Oranienburger Heide. Ich bin für den Landkreis Lüneburg zuständig, hier berate ich, unterstütze Nutztierhalter, indem ich selbst Zäune baue und ich schaue beim Lautsprecher der Antiwolfsfraktion auch mal nach, wie dieser auf den letzten Übergriff reagiert hat. Im übrigen, ist es meine Aufgabe, meine Mission, für all die einzustehen, die nicht für sich selbst sprechen können.

      • Herr Mitschke, Sie sind Kreisvorsitzender der Organisation, die ihre eigenen Pferde in der Oranienburger Heide nicht geschützt hat. Meinen Sie nicht, es stünde Ihnen besser zu Gesicht, erstmal in Ihrem eigenen Verein aufzuräumen, statt andere zu diffamieren?
        Wieso glauben Sie eigentlich, zu Beratertätigkeiten in Sachen Tierhaltung befähigt zu sein? Für den Zaun, den Sie für 5 (fünf!) Hobbyschafe bauen halfen, würde ich übrigens wirklich gerne die Baugenehmigung sehen.

        • Sehr geehrte Frau Zahn, nochmals: Die Kreisgruppe Lüneburg ist für keine Pferde in der Oranienburger Heide zuständig, sondern als e.V. im Landkreis Lüneburg tätig. Wenn Sie sich für meine Arbeit innerhalb des Vereins interessieren, lade ich Sie gern zu einem Gespräch ein, denn hier fehlt Ihnen jegliches Wissen um sich ein Urteil bilden zu können.
          Zu den Zäunen bzw. gebauten Nachtpferchen: Um vorhandene Zäune zu optimieren, braucht es keine Baugenehmigung.

  5. Annegret Sproesser

    Wie ich diese selbstgerechten Ideologen hasse.

    Lassen sie mich sagen, dass die 100% Förderung erst dann stattfindet, wenn Wölfe bereits gelernt haben die bestehenden Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden. Erst danach wird ein Gebiet zum „Wolfsgebiet“ erklärt, womit dann auch ein Anspruch auf Förderung von öffentlicher Seite besteht. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Weidetierhalter bereits auf eigen Kosten aufgerüstet. Das ist zwar für die öffentliche Hand kostengünstig, aber Prävention von sieht anders aus.

  6. Maike Schulz-Broers

    Wurden diese Anschuldigungen seitens der Zeitung eigentlich überprüft?
    Herr Mitschke scheint die Anforderungen an den Herdenschutzhunde selbst nicht zu kennen und sollte sich hier nicht soweit aus dem Fenster lehnen.
    Der betroffene Schäfer wird nach dem Übergriff auf seine Herde sicher Maßnahmen ergriffen haben, weitere Übergriffe zu verhindern. Er hat wohl nur versäumt, dies Herrn Mitschke mitzuteilen…
    Ich habe versucht, Herrn Mitschke eine Plattform zu bieten, in den Austausch mit Betroffenen zu kommen. Er hat sie nicht genutzt, sondern hetzt ungehindert weiter in der Öffentlichkeit. Ob man als Zeitung so etwas unterstützen sollte, erschließt sich mir nicht.

  7. Andreas Schmid ein Blick in die Nutztierrisstabelle zeigt, dass der Schutz nicht zu gering war, sondern dass bei deutlich über 80% GAR KEIN Schutz vorhanden war! Bis zum 30.10.18 waren von von 117 Übergriffen 102(!) NICHT geschützt!

  8. Ein seriöser Schäfer in einem Wolfsgebiet stellt erst seinen Zaun auf und holt dann seine Schafe nach!

    • Annegret Sproesser

      Gerade im Herbst, wo es gerade in einer großen Schäferei viele Deckgruppen gibt, wird die Decke an Zäunen zunehmend dünn. Stellen Sie sich einmal vor, dass eben erst die Schafe mit den vorhanden Netzen hütesicher eingezäunt werden, dann Netze von der letzten Weide geholt werden um die Weide dann vollends zu schließen. Nachdem der Schäfer sich nicht zweiteilen kann wäre Herrn Mitschke und Ihnen zu empfehlen sich anzubieten die Herde in der Zwischenzeit vor Wölfen zu schützen. Hat Herr Mitschke den Schäfer darauf angesprochen oder vorsichtshalber als Erstes versucht Ihn durch die Medien zu zerren?

      Rechthaberische selbstgerechte Klugscheißerei kann man von der warmen Stube aus betreiben. Herdenschutz und Mithilfe machen deutlich mehr Mühe und um diese Jahreszeit auch kalte Füße.

      Schämen Sie sich für diesen Post.

      Dies gilt auch für Herrn Mitschke, der sich plötzlich nicht mehr für seine Organisation verantwortlich fühlt, wenn dieser Fehler nachgewiesen werden, die er so gerne bei anderen anprangert.

      Das ist einfach schlechter Stil um nicht zu sagen unverschämt und empathielos.

      • Annegret Sproesser
        seltsam, seit ihr schäfer alles einzelkämpfer, oder warum helft ihr euch nicht gegenseitig, wenn ihr eure probleme allein nicht lösen könnt? wenn ich meine haustür offen stehen lasse, um eine neue zu holen, muss sich nicht gewundert werden, wenn zwischenzeitlich etwas verschwindet, oder? es soll berufe gegeben haben, die sind verschwunden, weil sich die vorgaben geändert haben. wie wäre es mit kängurus? die boxen dann allein die massen an wölfen nieder. schmunzeln. wie wäre es das zerren des wolfs,durch euch, mit hilfe der medien, einzustellen? wie im wald reingerufen wird, schallt es wieder heraus. wer agiert und wer reagiert hier wohl? als wolf würde ich sagen: schämen sie sich.

      • kleiner zusatz
        ich bin weder in einem verein, noch mitglied einer partei, noch trage ich eine vereinsbrille. wie ist es bei ihnen Annegret Sproesser? sind sie neutral? natürlich nicht! sie sind jemand ,der geld sparen will. beim hobby kann man es machen, betreibt man aber etwas ernsthaft, investiert man, oder geht pleite, eigentlich ganz einfach, oder? hier ist es der wolf, der schuld hat, natürlich , menschen suchen nun mal gern schuldige, selten bei sich.

        • Annegret Sproesser

          Herr Bruhns, bitte informieren sie sich neutral über den von Ihnen besprochenen Themenkreis. Dann diskutiere ich gerne weiter mit Ihnen. Beim Thema Wolf gibt es für mich nur einen Königsweg, Herdenschutz und Bejagung. Überall, wo es einigermaßen klappt mit Wölfen, Weidetieren und Land Bewohnern werden Wölfe bejagt. Herdenschutz alleine wird zur Zeit in Frankreich von Wölfen ad absurdum geführt. Dort erfolgen inzwischen 82% der Wolfsangriffe auf mit Zaun und Hunden vorschriftsmäßig geschützte Herden.

          • Herr Bruhns, bitte informieren sie sich neutral über den von Ihnen besprochenen Themenkreis.
            das habe ich schon vor jahren gemacht und verfolge die hysterie ebenfalls schon jahre. ich habe gelernt, durch abschießen sind immer nur zusätzliche probleme entstanden. ist wie bei den wildschweinen. wer den boss erschießt, sorgt für unkontrollierte vermehrung. und sie wissen auch, die vermehrung der wölfe hängt hauptsächlich vom nahrungsangebot ab. von rehen allein, entstehen keine großen rudel. einen königsweg wird es nicht geben. töten war noch nie ein königsweg. unser strassenverkehr verhindert wölfe . sie suchen sich ruhigere gegenden. und wenn man sie im wald in ruhe lässt, kommen sie da auch nicht auf,,dumme,, gedanken. wenn der jäger aber meint, mitten im wald rumzuballern, sieht es anders aus. um genf herum wurde die jagd seit jahrzehnten verboten. zu beobachten ist ein normales verhalten von mensch und tier. bei uns sieht das leider ganz anders aus. und warum? die wälder werden bei uns für die tiere unsicher gemacht. jäger haben bei uns noch nie probleme lösen können. siehe wildschwein, waschbär usw. ganz im gegenteil, sie sind das problem. kann man gut, an den futterstellen mitten im wald erkennen. die pacht soll sich ja schließlich lohnen, oder?

        • Annegret Sproesser

          Nicht die Wölfe haben Schuld, sondern die Menschen, die gedankenlos zugelassen haben, dass diese sich unreguliert in Deutschland ausbreiten. Dies wird zum Bumerang für beide werden. Es hätte nicht geschadet vorher über Risiken und Nebenwirkungen nach zu denken.
          Ich zitiere:“Die Natur kennt keine Schuld, sondern nur Konsequenz.“ Dies wurde beim Beschluss zum vollschutz der Wölfe „übersehen“.

  9. Stimmt. Herr Mitschke hat Recht ! Das Problem ist nicht der Wolf. Das Problem sind Menschen, die andere gezielt denunzieren, statt mit ihnen zu reden. Und darin sind gewisse Personen richtige Meister.

    • Genau! Homo homo lopau… Der Mensch ist den Menschen sein Wolf… Solche und die Flugzeugeltern, die ham wer gern…

  10. Herr Berge und Herr Mitschke Ihre Ansichten bezüglich des Wolfes sind in jeglichen Foren bekannt. Und dennoch wissen Sie das der jetzt hier angesiedelte Wolf nicht vorm aussterben bedroht ist. Dennoch verkaufen sie die die Bevölkerung für dumm. Begründung : Der hier angesiedelte Wolf hat keine eigene Population es ist der Eurasische Wolf der aus Polen zu uns eingewandert ist. Der Wolf in der eigentlichen hier zu Lande lebenden Population ist vor ca. 150 Jahren verschwunden! Somit ist das totaler Blödsinn von einer Europäischen Flachland Population zu sprechen! Oder waren es doch Kofferraum Wölfe? Es spricht auch garnichts dagegen Wölfe die Probleme machen der Kulturlandschaft zu entnehmen! Denn wie wir alle wissen ist der Wolf sehr gelehrig im Umgang mit Zäunen. Also wenn man einen Wolf entnimmt sollten die anderen Wölfe dieses mit dem Menschen in Verbindung bringen! So bekommt das Rudel mit hier ist es gefährlich! Und dadurch gibt es einen lehrn Effekt.
    Sie disqualifizieren sich auch selbst in dem sie sagen das Biologen die einen Jagdschein haben keine Ahnung vom Wolf haben wie es der NABU gerne macht, ist auch hinreichend bekannt. Es ist auch vom NABU bekannt das Jagdschein Inhaber die sich auf eine Ausschreibung bewerben, mit hinreichender Qualifikation nicht berücksichtigt werden! Habe ich am eigenen Leib erfahren! Das ist diskriminierung!

    • Kai Hoitz
      sie haben eine nette ausdrucksweise fürs umbringen und töten. entnehmen sie auch weidetiere? ein soldat fällt ja auch nur hin. jägerlatein und anglerlatein haben etwas gemeinsames. sie verniedlichen ,außer wenn es um sogenannte probleme geht, da wird schon mal aus einer mücke ein elefant. und sie irren sich, es gibt und es gab immer eine europäische flachland population. oder ist bei ihnen nur deutschland europa? klingt nach afd und german angst. schmunzeln.

  11. Christian Berge, wie sieht denn so ein Schutz aus? Mal ehrlich, das weiss doch keiner so genau. Inzwischen wird von einer Zaunhöhe von 1,50m gesprochen…Schaut man sich aber Wolfsgehege an, sind die Zähne 2m hoch, oben nach innen gezogen incl. Untergrabungsschutz. Wer in Gottes Namen soll das bezahlen??? Mal ganz abgesehen davon, dass diese Art des Zaunbaus im Aussenbereich gar nicht genehmigt werden würde.

  12. Versuch zu vermitteln:

    Ich bin mit 64 immer noch ein junger Jäger. Der Wolf trägt also schon etwas länger zur Regulierung der Populationsdynamik von Wildtieren bei als ich.

    Bevor ich zu den Wölfen in Niedersachsen kommen, möchte ich die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland in den Zusammenhang eines größeren Geschehens einordnen, in einen naturgeschichtlichen Trend, den man schon lange beobachten kann, der aber der Öffentlichkeit erst jetzt ins Bewusstsein tritt und für Verwirrung und Unsicherheit sorgt.

    An alarmierende Nachrichten über den offenbar unaufhaltsamen Schwund der Artenvielfalt hat man sich gewöhnt. Nach dem gerade veröffentlichten Artenschutzbericht des Bundesamtes für Naturschutz sind ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Verzweifelt stemmen sich Naturschützer gegen das Artensterben. Der Schutz der Biodiversität steht längst ganz oben auf der Agenda der internationalen Politik. Das alles konnte global gesehen den verhängnisvollen Trend bisher nicht stoppen.

    Trotzdem ist Artenschutz nicht vergebens, ja er kann sogar spektakuläre Erfolge feiern und zwar gerade bei Arten und in Lebensräumen, bei denen man das nicht unbedingt erwartet. Ausgerechnet im dicht besiedelten Europa, dessen Naturräume seit Jahrhunderten völlig vom Menschen überformt sind, erleben große Raubtiere eine erstaunliche Renaissance. Wolf, Bär und Luchs und in Skandinavien auch der Vielfraß, ein Großmarder, breiten sich wieder aus, nachdem sie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in weiten Gebieten ausgerottet worden waren. Die Rückkehr der Wölfe nach Mitteleuropa, seit langem Dauerthema in den Medien, ist nur ein besonders spektakulärer Ausschnitt aus diesem Gesamtgeschehen.

    Ende 2014 veröffentlichten mehr als 70 Wissenschaftler aus 26 europäischen Ländern im Wissenschaftsjournal „Science“ eine differenzierte Bestandsaufnahme über Verbreitung und Populationsgrößen von Wolf (Canis lupus), Braunbär (Ursus arctos), Eurasischem Luchs (Lynx lynx) und Vielfraß (Gulo gulo) auf dem europäischen Festland ohne Russland, Weißrussland und die Ukraine (Guillaume Chapron et al.: Recovery of large carnivores in Europe’s modern human-dominated landscapes). Sie trugen alle verfügbaren Daten zusammen und kamen zu dem einigermaßen erstaunlichen Gesamtbild, dass das von Kulturlandschaften geprägte Europa ein durchaus „wilder“ Kontinent ist. Mindestens eine der genannten Arten kommt in fast allen Staaten vor. Die Autoren machen noch die Ausnahme Niederlande, Belgien, Luxemburg und Dänemark, aber auch dort ist jedenfalls der Wolf inzwischen aufgetaucht.

    Das Untersuchungsgebiet umfasst rund 4,5 Millionen Quadratkilometer. Auf einem Drittel dieser Fläche, auf 1,5 Millionen Quadratkilometern, zeigt mindestens eine der vier Beutegreiferarten dauerhafte Präsenz, kommt also permanent vor. Bär, Wolf und Luchs gleichzeitig kommen auf einer Fläche von rund 600.000 Quadratkilometern vor. Das ist ein Gebiet von fast der doppelten Größe Deutschlands.

    Wie groß sind die Bestände an großen Prädatoren in Europa? Bemerkenswerter Weise ist die größte der vier Arten, der Braunbär, auch die in absoluten Zahlen häufigste. Etwa 17.000 von ihnen leben in Europa in 22 Staaten. Dem Bär folgt der Wolf mit rund 12.000 Individuen in 28 Ländern. Der Luchs – gemeint ist der in Europa und Asien verbreitete Eurasische Luchs, nicht der tatsächlich vom Aussterben bedrohte Iberische Luchs oder Pardelluchs – bringt es auf 9.000 Individuen in 23 Ländern. Der Vielfraß ist auf Nordeuropa beschränkt und kommt mit etwa 1.200 Exemplaren nur in den skandinavischen Ländern vor.

    Aufschlussreich ist der Vergleich mit Amerika, vor allem, was die Wölfe angeht. Vergleichbar mit dem europäischen Untersuchungsgebiet sind die Vereinigten Staaten von Amerika ohne Alaska, die „contiguous US“. Sie sind mit acht Millionen Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie Europa ohne Russland, Weißrussland und die Ukraine und mit 40 Einwohnern pro Quadratkilometer weniger als halb so dicht besiedelt. Trotzdem leben hier nur halb so viele Wölfe (5.500), und auch das nur, weil man in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts begann, Wölfe in einigen Nationalparks wieder anzusiedeln. Amerikanische Naturschützer handeln überwiegend nach dem Grundsatz, dass Raubtiere und Menschen getrennt werden müssten, wenn Raubtiere eine Chance haben sollen. Sie richten ihre Anstrengungen deshalb darauf, Reservate einzurichten und Wildnisgebiete zu schützen. Die Tiere halten sich zwar nicht immer an dieses Ordnungsmuster. Vor allem Pumas und Schwarzbären suchen oft die Nähe menschlicher Siedlungen auf. Doch im Prinzip gilt die Separation Mensch-Raubtier. In Amerika gibt es so viel Platz, dass diese Naturschutzstrategie der Trennung der Lebensräume von Mensch und Raubtier den meisten plausibel erscheint.

    In Europa, stellen die Autoren des Science-Reports fest, gäbe es keine großen Beutegreifer, wenn man diesem Separationsmodell folgte. Zwar werden auch in Europa immer mehr Nationalparks eingerichtet. Für Wolf, Bär und Luchs spielen diese Schutzgebiete aber keine Rolle, weil selbst die größten noch zu klein sind, um den Lebensraum ganzer Populationen zu umfassen. Unsere 10.000-Hektar-Parkwinzlinge im Schwarzwald, der Eifel oder dem Hunsrück sind selbst als Streifgebiet eines einzigen Wolfsrudels zu klein. Wir haben nicht die Option, dass große Beutegreifer in Schutzgebiete gehören. Wir haben diese Wildtiere entweder als unmittelbare Nachbarn, oder wir haben sie gar nicht.

    Schaut man auf die Entwicklung der Populationen, muss man zu dem Schluss kommen, dass es in Europa mit dieser Nachbarschaft zwischen Mensch und Raubtier gar nicht so schlecht bestellt ist. Wenn man sich die Voraussetzungen dafür vor Augen führt, wird einem schnell klar, wie eng soziale, politische, kulturelle und natürliche Prozesse miteinander verflochten sind.

    Wichtigste natürliche Voraussetzung für die Rückkehr der großen Beutegreifer ist ein historisches Populationshoch ihrer klassischen Beutetiere, also der großen wildlebenden Paarhufer Reh, Rothirsch und Wildschwein. Diese Arten sind längst auch in Gebiete etwa Italiens, der Schweiz oder Frankreichs zurückgekehrt, wo sie durch Jagd nahezu ausgerottet waren. Die Jagdtradition im deutschsprachigen Raum mit ihrer „Hege“ hatte zwar immer für relativ hohe Schalenwildbestände gesorgt. Hier kam es seit etwa 30 Jahren auf hohem Niveau zu einer weiteren drastischen Vermehrung dieser Arten, vor allem aufgrund veränderter Landnutzung. Zu fressen also finden Wolf und Luchs überall in Europa genug.

    Der vom Menschen geformte Lebensraum, der mit intakter Natur nichts zu tun hat, ist für die großen Räuber kein Problem, sondern eher ein Schlaraffenland, in dem es aus ihrer Sicht nur einen großen Haken gibt. Und das sind die menschlichen Mitbewohner. Nur wenn die ihre pelzigen Nachbarn akzeptieren, haben diese eine Chance.

    Noch vor einer Generation hielt die Mehrzahl der Europäer die Ausrottung der großen Raubtiere für einen Fortschritt, zumindest für einen notwendigen Tribut an die Moderne. Selbst Naturschutzpioniere wie Bernhard Grzimek glaubten nicht daran, dass Wölfe noch einmal ihre Fährte in Deutschland ziehen könnten. Diese gesellschaftliche Grundeinstellung hat sich, zumindest in der urbanen Bevölkerung, gründlich geändert. Beutegreifer werden heute von den meisten als notwendiger Teil einer insgesamt schützenswerten Natur betrachtet, womit die Frage noch nicht beantwortet ist, wie nah der Einzelne diese Tiere in seiner Nachbarschaft haben will.

    Ein Glücksfall für den Artenschutz ist es, das ist der dritte wichtige Faktor, dass die europäischen Nationen auf diesem Gebiet verbindliche Formen der Kooperation gefunden haben. Die von mehr als 40 europäischen Staaten unterzeichnete Berner Konvention zum Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen machte 1979 den Anfang. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU aus dem Jahr 1992 implantierte ein Naturschutzregime, das die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, bedrohte Arten und ihre Lebensräume nicht nur zu schützen, sondern aktiv auf einen „günstigen Erhaltungszustand“ dieser Arten hin zu arbeiten. Bär, Wolf und Luchs profitieren also von starken rechtsstaatlichen Verfahren und Institutionen, die auch im ehemaligen sowjetischen Machtbereich relativ schnell und erfolgreich eingeführt werden konnten. Rechtssicherheit ist nicht nur die wichtigste Voraussetzung für das Glück der Bürger, sondern auch für das ihrer tierischen Mitgeschöpfe. Es ist die relative politische, rechtliche und soziale Stabilität Europas, die dem Wilden sein Daseinsrecht verschafft. Dieses Wilde existiert nicht als romantisches Gegenbild zur Zivilisation, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der vom Menschen geprägten Lebenswelt. Das Wilde ist nicht dort, wo die Zivilisation noch nicht hingekommen ist, wie man das in amerikanischer Tradition meint. Es ist mitten unter uns. Diese Erkenntnis mag für manchen noch überraschend sein. Sie ist nicht leicht einzuordnen in ein weit verbreitetes Denkmuster, das „Natur“ nur als vom Aussterben bedrohte „Reste“ kennt, als etwas „Ursprüngliches“, das vom Menschen „zerstört“ wird. Die großen Räuber aber nutzen Verhältnisse, die vom Menschen geschaffen wurden.

    Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Europäer den zurückkehrenden Raubtieren wohlwollend gegenübersteht. Wenn die neue Nachbarschaft auf Dauer gut gehen soll, sind Nüchternheit und Realismus nötig. Romantisch verklären als ultimativen Friedenschluss zwischen Mensch und Natur darf man diese neue Nachbarschaft nicht.

    • Annegret Sproesser

      Danke für diesen differenzierten Artikel.

      Was unterschlagen wird ist:

      -Wölfe sind in Europa nicht vom Aussterben bedroht
      -Die Populationen sind ausreichend vernetzt um genetischen Austausch zu gewährleisten
      -Deutschland müsste daher keine residenten Rudel sondern nur Durchzügler dulden
      – die unregulierte Ausbreitung der Wölfe führt dazu, dass immer häufiger mit Zaun und HSH geschützte Herden angegriffen werden. Die Folge:
      -immer mehr Weidetierhalter geben auf. Die Folge davon:
      -Bislang offengehaltene Wiesen werden über kurz oder lang zu Wald.
      -Sie gehen als Habitate für tatsächlich vom Aussterben bedrohte Arten als Habitat verloren. die Folge davon:
      -Seltene Pflanzen, die dazugehörigen Insekten, Boden- und Heckenbrüter verlieren damit Ihre Habitate und sterben aus.
      -60% des Oberflächenwassers werden durch Wiesen gebunden und nicht durch Wald. Wie wollen sie dieses Wasser dann halten?
      -Nicht zuletzt die Deiche, nicht nur an der See, sondern auch entlang der großen Flüsse? Ohne Schafbeweidung werden sie nicht lange halten.

      Es ist halt nicht so einfach, wie von Vielen dargestellt.

      Es wäre auch einmal philosophisch zu diskutieren welchen Sinn der künstliche Vollschutz einer Art macht in einem System, das in Kreisläufen organisiert ist und aus einem feingesponnenen Netz gegenseitiger Abhängigkeiten besteht.

      • Sehr geehrte Frau Sproesser, Sie sind ein wenig spät dran mit Ihren Einwänden. Zur Situation in Deutschland hatte ich mich bereits gestern Mittag ausführlich geäußert: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2074062-das-problem-ist-nicht-der-wolf-sondern-der-mensch#comment-212551

        Zum Problem der Flächen, Mulden, Rigolen oder Schachtversickerung von Regen- und anderen Oberflächenwassern und zu den Durchlässigkeitswerten unterschiedlicher Bodenarten unter Berücksichtung des Verschlammungsrisikos kann ich in diesem Zusammenhang leider nichts Substantielles beitragen.

        Grundsätzlich: Anders als Sie, Frau Sproesser, und auch anders als Ihre Kollegin, Frau Dr. Freudenberg, bin ich kein Universalgelehrter der zu jedem beliebigen Thema und allen seinen tausend Nebenaspekten etwas Gewichtiges unters Volk zu tragen weiß. Was ich zum Artikel und seinen ersten Kommentatoren zu sagen hatte, habe ich dargelegt. Was Sie damit machen, ist Ihre Sache. Erstaunlich bleibt für mich jedenfalls, dass sich immer wieder sehr plötzlich die immer selben Eiferer aus dem Fränkischen, aus dem Hannoverschen und sogar aus dem Neuseeländischen in dem Online-Forum der Lüneburger Landeszeitung zusammenfinden, wenn dort über den Wolf geschrieben wird und damit eine Gelegenheit geschaffen ist, „das Fremde“ mit „dem Wölfischen“ ineins zu setzen. Wie organisieren Sie diese konzertierten „Aktionen“ nur stets so effizient?

      • Annegret Sproesser

        Es wäre auch einmal philosophisch zu diskutieren welchen Sinn der künstliche Vollschutz einer Art macht in einem System, das in Kreisläufen organisiert ist und aus einem feingesponnenen Netz gegenseitiger Abhängigkeiten besteht.
        warum schließen sie dabei nicht auf den menschen? seine sehnsucht nach 100%tigen schutz, kann doch eh nie befriedigt werden. daher wird es für ihn zeit, sich mehr mit der natur zu beschäftigen , anstatt dem goldenen kalb hinterher zu rennen.

    • Annegret Sproesser

      @Eckhard
      Ich habe leider keine andere Möglichkeit mit Ihnen in Kontakt zu kommen. Daher auf diesem Weg. Ich finde Ihre Argumentation fundiert und klug. Darf ich Ihren obigen und die untenstehenden posts in anderen Foren verbreiten? Gerne können Sie mich auf Facebook kontaktieren.

      Zu Ihrem obenstehenden post: Ich bin keine Universalgelehrte, beschäftige mich aber aus vielen Gründen intensiv mit dem Thema Wolf. Daher versuche ich einen für Alle gangbaren Weg zu finden, bevor bezüglich der Wölfe bei uns im Süden dieselben Fehler gemacht werden, wie im Nordosten unserer Republik. Sie werden keinen post von mir finden, der nicht faktenbasiert und lösungsorientiert ist.

      • Sehr geehrte Frau Sproesser, meine hier, wie Sie sich sicher denken können, bloß leicht modifiziert wiederholten Gedanken (denn warum sollte ich Bewährtes und für richtig Gehaltenes ändern (?)) sind ein kleines, grobes Kondensat. Alles zur Sache Ausgeführte finden Sie, um Einzelheiten, vor allem aber um Nachweise und argumentierende Herleitungen ergänzt, in dem folgenden Büchlein, aus dem Sie gerne in allen Ihren „Posts“ zitieren dürfen, sofern Sie, worum ich bitte, die Quelle angeben: „Rückkehr der Wölfe – Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert“. (Zuerst: Riemann Verlag, München 2014) Jetzt: Goldmann Verlag, München 2016. 224 Seiten, 8 S. farbiger Bildteil, br. 9,99 Euro.

  13. Nahid Freudenberg

    Herr Eckhard,

    danke für Ihren klugen, ausführlichen Text und die ausführliche Darstellung der Motive und Vorüberlegungen zur Wiederansiedlung der Großprädatoren Luchs, Wolf und Bär in Mitteleuropa.

    Im folgenden gehe ich davon aus, dass sie in Ihrem Text Ansichten, Denkfiguren und Argumnentationen benutzen, die im Kreis der Befürworter und Planer der Wiederansiedlung benutzt werden. Als Psychologin und Wissenschaftlerin benutze ich Ihre Aussagen also als die eines soziales Gefüges im Sinne einer wissenschaftlichen Textanalyse. Bitte fühlen Sie sich davon nicht persönlich angegriffen, das liegt mir fern. Es geht mir nur darum, das planerische Denken der Wisenschaftler und Befürworter der Wiederansiedlung von Großprädatoren zu verstehen.

    Es wird deutlich, um welch kühnes Feldexperiment von monumentalem Ausmaß es sich bei dieser Neuansiedlung von Großprädatoren in Mitteleuropa handelt. Ein Großexperiment in einem Kontinent, deren Bevölkerung und Administration mehrheitlich seit über 100 Jahren keine Erfahrungen mit Großprädatoren besitzt.

    Sie schreiben, in Nordamerika, mit vergleichbarer Zivilisation, leben die Großprädatoren Bär und Wolf seit Menschengedenken. Kontinierlich, zwar kurzgehalten, aber nie ausgerottet. Dort haben Bevölkerung und Administration aus jahrhundertelanger Erfahrung halbwegs funktionierende Formen des Zusammenlebens mit Großprädatoren entwickeln können. Ergebnis: Raubtiere und Menschen können nur getrennt in Frieden leben, die Raubtierbestände müssen kurzgehalten und in ausreichendem Abstand in Reservaten leben. Was dort angesichts der zur Verfügung stehenden Fläche auch realisierbar ist

    Fassen wir den „naturgeschichtlichen Trend“ zusammen:
    1. Es gibt negative Vorerfahrungen aus Nordamerika, die zeigen, dass das nahe Zusammenleben von Mensch und Großprädatoren jahrhundertelang NICHT gelang. Nur dann (einigermaßen), wenn die Prädatorenbestände niedrig gehalten und ausreichend Fläche zur Verfügung steht, um den Großprädatoren fernab von menschlichen Siedlungesgebieten ausreichend Lebensraum zu bieten.
    2. Es gibt negative Vorerfahrungen aus der Geschichte des sehr viel dichter besiedelten Mitteleuropa, die zeigen, dass das nahe Zusammenleben von Mensch und Großprädatoren dort NICHT gelang. Die entstehenden Konflikte kosteten das Leben tausender Menschen und endete mit der Ausrottung der Großprädatoren.
    3. Positive Vorerfahrungen des Zusammenlebens von Mensch und Großprädator gibt es nicht.

    Nun sollen – trotz der ausschließlich negativen Vorerfahrungen – in das inzwischen noch sehr viel dichter besiedelte, kleinräumige Mitteleuropa wieder Großprädatoren eingeführt werden. Und dort gilt angesichts der räumlichen Beengtheit: „Wir haben diese Wildtiere entweder als unmittelbare Nachbarn, oder wir haben sie gar nicht.“ Das Modell „unmittelbare Nachbarn“ zwischen Mensch und Großprädator wurde seit Jahrtausenden erprobt und ist überall gescheitert, besonders deutlich und gründlich gescheitert gerade hier im engstbesiedelten Raum Mitteleuropa. Ein Wiederansiedlungsprojekt in diesem Raum ist angesichts dessen ein geradezu aberwitziges Unterfangen, und bereits von vornherein zum Scheitern verurteilt.

    Erwarten würde man von ernsthaften Wissenschaftlern in einem solchen Fall
    1. entweder das gänzliche Unterlassen solcher Experimente
    2. kleinere regionale Vorexperimente, die keine großen Schäden hinterlassen.
    3. Information und anschließende Volksabstimmung der betroffenen Einwohner

    Nichts davon wurde umgesetzt, stattdessen eine flächendeckende Wiederansiedlung in einem ganzen Kontinent von über 4,5 Millionen Quadratkilometer Fläche begonnen. Unangreifbar gemacht durch die FFH-Richtlinie der EU von 1992, in der sich die Mitgliedstaaten verpflichtet hatten, bedrohte Arten und ihre Lebensräume nicht nur zu schützen, sondern aktiv auf einen „günstigen Erhaltungszustand“ dieser Arten hin zu arbeiten.

    Warum wurde die Phase der Vorversuche übersprungen? Warum so eilig? Wurde schon vorausgesehen, dass die Ergebnisse der Vorversuche die Durchführung des Gesamtprojekts hätten scheitern lassen? Warum wollten die Wissenschaftler es dann dennoch so unbedingt durchsetzen? Man braucht nicht lange zu suchen, die Motive klingen auch in diesem Text an: „Artenschutz …kann sogar spektakuläre Erfolge feiern … ausgerechnet im dicht besiedelten Europa … erleben große Raubtiere eine erstaunliche Renaissance … ein besonders spektakulärer Ausschnitt aus diesem Gesamtgeschehen.“

    Fassen wir zusammen: Geltungsdrang, Größenwahn, Skrupellosigkeit der ausführenden Wissenschaftler sind die Motive, ein solches von vorherein zum Scheitern verurteiltes Großexperiment mit der ahnungslosen Bevölkerung Mitteleuropas vorzubereiten. Und die EU hat die institutionellen Möglichkeiten zur Durchführung bereitgestellt. Ein Verbrechen braucht Motiv und Gelegenheit – hier ist beides.

    Ein Psychologe würde nun fragen: Wie kommen Wissenschaftler auf die Idee, dass etwas, das seit Menschengedenken nie gelang, das nahe Zusammenleben von Mensch und Top-Prädator auf engstem Raum, nun plötzlich möglich sein soll?

    Im Text benannt werden:
    1. „das historische Populationshoch der großen wildlebenden Paarhufer Reh, Rothirsch und Wildschwein.“ – „Zu fressen also finden Wolf und Luchs überall in Europa genug.“
    2 „Der vom Menschen geformte Lebensraum ist für die großen Räuber kein Problem, sondern eher ein Schlaraffenland“
    3. Die negative gesellschaftliche Grundeinstellung zu den Großprädatoren habe sich, zumindest in der urbanen Bevölkerung, in den letzten Jahrzehnten gewandelt. „Sie werden heute von den meisten als notwendiger Teil einer insgesamt schützenswerten Natur betrachtet, womit die Frage noch nicht beantwortet ist, wie nah der Einzelne diese Tiere in seiner Nachbarschaft haben will.

    Die Prädiktoren der Wissenschaftler für ein positives Outcome sind also: Die Großprädatoren werden sich in Mitteleuropa wie im Schlaraffenland fühlen. Ob die Bevölkerung die Großprädatoren in nächster Nähe haben will, interessiert uns nicht. Was bei größerer Nähe geschehen würde, hätte ihren aus amerikanischen Vorerfahrungen bekannt sein müssen.

    Dann wird die Philosophie bemüht: „Rechtssicherheit ist nicht nur die wichtigste Voraussetzung für das Glück der Bürger, sondern auch für das ihrer tierischen Mitgeschöpfe. Es ist die relative politische, rechtliche und soziale Stabilität Europas, die dem Wilden sein Daseinsrecht verschafft. Dieses Wilde existiert nicht als romantisches Gegenbild zur Zivilisation, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der vom Menschen geprägten Lebenswelt. Das Wilde ist nicht dort, wo die Zivilisation noch nicht hingekommen ist, wie man das in amerikanischer Tradition meint. Es ist mitten unter uns. Diese Erkenntnis mag für manchen noch überraschend sein. Sie ist nicht leicht einzuordnen in ein weit verbreitetes Denkmuster, das „Natur“ nur als vom Aussterben bedrohte „Reste“ kennt, als etwas „Ursprüngliches“, das vom Menschen „zerstört“ wird.“

    Es tut mir leid, diese Sätze erscheinen mir ungeheuer naiv und „das Wilde“ romantisierend. „Das Wilde“ ist keineswegs wie behauptet „selbstverständlicher Bestandteil der von Menschen geprägten Lebenswelt“. Bürgerrechte sind Bestandteil der Zivilisation und Kultur, „Wild“ hingegen ist gleichbedeutend mit Unzivilisiertheit, Nichteinhalten der Regeln des Zusammenlebens, ungebändigter Aggression und fehlendem Respekt vor Grenzen, Besitz, Leben und Selbstbestimmung des Anderen. Kultur und Zivilisation schließen „das Wilde“, also ungebändigte Agression aus gutem Grund aus – weil es sie zerstört. Regeln sind entstanden, um Agression zu befrieden – das Wort „Einfriedung“ zeigt es noch, und das Sprichwort: „Gute Zäune machen gute Nachbarn“. In Reservaten, getrennt durch 2,80-Zäune mit Überkletterungsschutz, Strom und Untergrabschutz, könnte man auf dem engem europäischen Raum mit Wölfen in Frieden leben. So werden letztlich beide, Menschen wie Großprädatoren, in Gefängnissen leben.

    Herr Eckhards Schlußworte: „Wenn die neue Nachbarschaft auf Dauer gut gehen soll, sind Nüchternheit und Realismus nötig.“ – Leider sind Nüchternheit, Realismus und gesunder Menschenverstand genau die Eigenschaften, die den ehrgeizigen, auf „spektakuläre Erfolge“ versessenen Wissenschaftlern des Wiederansiedlungsprojektes in hohem Maße zu fehlen scheinen.

    Persönlicher Geltungsdrang und Skrupellosigkeit, gepaart mit beispielloser Naivität der ausführenden Wissenschaftler und Politiker sind also die Motive, ein solches von vorherein zum Scheitern verurteiltes Großexperiment mit und an der ahnungslosen Bevölkerung Mitteleuropas vorzubereiten. Wird es wie geplant umgesetzt, dürfte das Experiment tatsächlich den Sprung auf die Liste der großen Verbrechen der Welt, vielleicht sogar der Völkermorde, schaffen.

    • Nahid Freudenberg
      wir können gern beide in ein wolfsgehege gehen. jeder mit einem großen stück frischem fleisch. ich werfe es den wölfen vor und nehme es ihnen dann anschließend wieder weg. sie machen dann bitte das gleiche. es schult ungemein. schmunzeln.

    • Sehr geehrte Nahid Freudenberg,

      Ihren bizarren Schluss, den Sie aus einer ebenso bizarren Voraussetzung zaubern, über „persönlichen Geltungsdrang und Skrupellosigkeit, gepaart mit beispielloser Naivität der ausführenden Wissenschaftler und Politiker“ als „Motive, eines von vorherein zum Scheitern verurteilten Großexperiments“ mit dem Wolf, welches „den Sprung auf die Liste der großen Verbrechen der Welt, vielleicht sogar der Völkermorde, schaffen“ könnte, halte ich für das übergeschnappte Gerede eines gedanklich stark desoientierten Menschen. Sollte das von Ihnen nicht als Satire gemeint sein, würde ich Ihnen dringend raten, sich professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten (w/m) zu suchen.

      In einem aber haben Sie recht, „das Wesen der Natur“ uns Menschen gegenüber ist Gleichgültigkeit. Weder Liebe noch Hass spiegelt sich in dem Dunkel eines Tierauges, sondern allein die kalte Indifferenz des Universums. Alles „Gefühlige“ ist Einbildung und Projektion. Auch so, als Mahnung, sich nicht für das Zentrum der Welt zu halten, lässt sich Sigmund Freuds berühmter Satz verstehen: „Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.“ (1948, Das Unbehagen in der Kultur)

      Und dennoch, ja, es gibt Wölfe in Deutschland. Und es soll sie geben!

      Obwohl man den Trend zur Rückkehr der Räuber eigentlich schon lange beobachten kann, hat die stürmische Wiederausbreitung der Wölfe doch selbst Experten überrascht. Als im Jahr 2000 in der sächsischen Oberlausitz zum ersten Mal seit 150 Jahren ein Wolfspaar in Deutschland Welpen großzog, rechnete niemand ernsthaft damit, dass 18 Jahre später der deutsche Wolfsbestand auf mehr als 40 Rudel angewachsen sein würde. Die Ausbreitungsrichtung ist Nordwesten. Ein territoriales Paar hat sich in der Nähe von Cuxhaven angesiedelt. Ost- und Norddeutschland wird in absehbarer Zeit flächendeckend von Wölfen besiedelt sein. Aber auch im Süden und Südwesten zeigen sich immer öfter Zuwanderer. Bei Frankfurt wurden im Frühjahr zwei Wölfe überfahren und kürzlich einer bei Lahr in Südbaden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die mitteleuropäische Flachlandpopulation, zu der die deutschen Wölfe überwiegend gehören, und die italienisch-französische Population, die bis in die Alpen, den Jura und die Vogesen vorgedrungen ist, sich berühren und zu einem genetischen Austausch kommen, was die Zukunftsperspektiven für die mitteleuropäischen Wölfe dramatisch verbessern würde.

      Aber deren Zukunft hängt eben nicht nur von ihrer natürlichen Vitalität ab, sondern vor allem von der Akzeptanz, die sie bei ihren menschlichen Nachbarn finden.

      Lassen Sie mich abschließend einige kurze Anmerkungen zu drei Konfliktfeldern machen.

      An Bedeutung alle anderen überragend ist natürlich (siehe den LZ-Artikel) der Konflikt zwischen Schafhaltung beziehungsweise extensiver Weidewirtschaft und Wolf. Das ist auch ein Zielkonflikt innerhalb des Naturschutzes. Wenn der Wolf tatsächlich die extensive Weidewirtschaft dauerhaft zurückdrängen würde, wäre das ein Desaster. Wirksame Methoden des Herdenschutzes sind noch nicht für alle Landschafts- und Haltungsformen gefunden, ich nenne die Almwirtschaft und den Küstenschutz. Hier muss noch nach praktikablen Wegen gesucht werden, auch was die Abgeltung zusätzlicher Kosten und zusätzlichen Arbeitsaufwandes angeht.

      Beim Konfliktfeld Jagd-Wolf plädiere ich für Gelassenheit. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Wolf den Jäger arbeitslos macht. Bei den großen Schalenwildarten, vor allem beim Rotwild, müssen wir Jäger umdenken, aber das müssten wir auch ohne den Wolf. Er zwingt dazu, dass aus den Lippenbekenntnissen zum großräumigen Wildmanagement endlich Taten folgen. Und er macht die Fixierung auch so mancher Hegegemeinschaft auf die gerechte Verteilung der Einser-Hirsche obsolet. Und wie im Hochgebirge Wintergatter bei Wolfspräsenz funktionieren sollen, das weiß noch kein Mensch. Auch dieses Thema muss wie überhaupt die ganze zuweilen an Halbdomestikation grenzende Rotwildhege gründlich bearbeitet werden. Wenn der Wolf überall hin darf, kann man das Rotwild eigentlich nicht mehr in Bewirtschaftungsbezirke einsperren.

      Schließlich die Frage, wie gefährlich Wölfe für uns Menschen selbst sind. Die letzten tödlichen Attacken von nicht tollwütigen Wölfen gab es in West- und Mitteleuropa in den Fünfziger- und Siebzigerjahren im Nordwesten Spaniens, wo vier Kinder von Wölfinnen getötet wurden, die Welpen in unmittelbarer Nachbarschaft von Geflügelfarmen großzogen. Sie waren zumindest habituiert, also an den Menschen gewöhnt, wahrscheinlich auch konditioniert, betrachteten den Menschen also als Nahrungsquelle. Das Entstehen solcher Bedingungen muss konsequent unterbunden werden. Der auffällige Welpenjahrgang aus Munster, der uns vor knapp drei Jahren monatelang beschäftigt hat, hätte schon viel früher die Alarmglocken schrillen lassen müssen. Es ist gut, dass nun genau beobachtet wird, was da auf dem Truppenübungsplatz passiert.

      Ein Restrisiko lässt sich bei einem großen Raubtier wie dem Wolf nicht ausschließen. Aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir Europäer uns nicht auf ein Gewohnheitsrecht berufen können, nur mit ungefährlichen Tieren zusammen zu leben, während wir von Afrikanern verlangen, dass sie sich mit Löwen, Krokodilen, Nilpferden und Elefanten arrangieren, die Jahr für Jahr weit, weit mehr Opfer fordern als in Europa die Wölfe in hundert Jahren.

      • Wenn der Wolf überall hin darf, kann man das Rotwild eigentlich nicht mehr in Bewirtschaftungsbezirke einsperren.
        richtig.

  14. Nahid Freudenberg
    liebe wissenschaftlerin, ihr beitrag ist ganz nett. warum gibt es wohl menschen, die wölfe in ihrer nähe akzeptieren und andere nicht? an wem wollen sie sich orientieren? wenn es um die ängstlichen geht, werden diese bald mit erlassenen vorschriften unser leben immer mehr einschränken. es sind nämlich die gleichen, die angst vor allem neuen haben. auch vor hunden, spinnen usw. der gesunde menschenverstand wird gern beschworen. ob der bei der wissenschaft wirklich zuhause ist? wer sagt ihnen, dass das experiment scheitern wird? ihre glaskugel? über zäune springt nicht jeder wolf. und über 1,20 m wurde noch kein sprung in deutschland nachgewiesen. sie betreiben hier das geschäft der weidetierhalter. angst verbreiten , um damit geld zu sparen. was die ahnungslosigkeit betrifft, sie wird von lobbyisten der schlachtviehhalter forciert. jammern gehört da zum geschäft. der einzige, der sich wirklich hier wild verhält, ist der mensch. besuchen sie mal einen schlachthof. ich war schon da. realistischer geht es gar nicht. wölfe beschneiden meine freiheit nicht. wie auch? es ist der mensch, der es versucht.

    • Annegret Sproesser

      Die Menschen, die Wölfe in Ihrer Nähe akzeptieren haben dort keine.

      Wenn der deutsche Wolfsbestand von Anfang an reguliert worden wäre, hätten wir heute scheue Wölfe in Deutschland, die sich nahezu unbemerkt akzeptiert ausgebreitet hätten. Dort, wo sie angeblich auch sein sollten.

      Heute haben wir ein gigantisches aus dem Ruder gelaufenes Freilandexperiment namens „Wiederbesiedlung Deutschlands mit Wölfen gegen den Willen der davon Betroffenen“ und werden bald der „überraschenden“ Entwicklung hinterherlaufen müssen. Kurz, dieses Experiment ist bereits gescheitert.

      Würden Wölfe konsequent dort bejagt, wo sie Schaden verursachen oder Angst verbreiten, würde das dazu führen, dass Deutschland nur von Wölfen besiedelt wird, die Herdenschutz respektieren und menschlichen Siedlungen und Einrichtungen fern bleiben.

      Wölfe sind nicht vom Aussterben bedroht, ganz im Gegenteil, sie breiten sich „überraschend“ schnell aus und vermehren sich höchst erfolgreich. Es ist höchste Zeit, dass sie bewirtschaftet werden, wie jedes andere herrenlose freilebende Wildtier auch.

      • Wölfe sind nicht vom Aussterben bedroht, ganz im Gegenteil, sie breiten sich „überraschend“ schnell aus und vermehren sich höchst erfolgreich. Es ist höchste Zeit, dass sie bewirtschaftet werden, wie jedes andere herrenlose freilebende Wildtier auch.
        sie wissen, dass ihre behauptung nicht stimmt. warum verbreiten sie wohl diesen unsinn? die wissenschaft hat belege, dass die population der wölfe noch lange nicht gesichert ist.

        • Annegret Sproesser

          Herr Bruhns. die mitteleuropäische Flachlandpopulation ist die Erfindung eines pfiffigen Wolfsbefürworters. Nachgewiesene Tatsache ist, dass die Wölfe in Deutschland zur baltischen Population gehören. Dies ist die höchst ergiebige Quellpopulation des deutschen Wolfsbestandes. Deren Bestand ist seit hundert Jahren und für hundert Jahre gesichert.
          Bitte begründen Sie, warum das Ihrer Meinung nach nicht so sein soll. Bitte zitieren sie nicht das BfN, das auch keine belastbaren Angaben dazu machen kann. Zumindest nicht mir gegenüber

          • Ilse Storch von der Universität Freiburg hat vor einigen Jahren in einer umfangreichen Modellrechnung ebenfalls untersucht, für wie viele Tiere in Deutschland Platz wäre. Sie kommt je nach Annahmen auf etwa 400 bis 1200 Rudel, was 2000 bis 6000 Wölfen entspräche.Die Deutschlandkarten mit potenziell für Wölfe geeigneten Habitaten zeichnen ein klares Bild: Gut leben können die Tiere in einem breiten Streifen von Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg über Sachsen-Anhalt bis nach Niedersachsen. Dort haben sich bislang auch schon die meisten Rudel angesiedelt. Weitere große Habitatflächen liegen in Thüringen, Hessen, Bayern und dem Schwarzwald. Dort wurden bisher höchstens Einzeltiere nachgewiesen.Ein Experte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig hält diesen Zustand womöglich für erreicht, wenn es eine „Minimumpopulation“ von 1000 erwachsenen Tieren gibt.

            Im Bundesamt für Naturschutz sieht man das anders: Die Angabe einer schematischen Populationsgröße sei bei Weitem nicht ausreichend für die Einstufung des Erhaltungszustands der Wölfe, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Dazu müssten auch die Parameter Verbreitungsgebiet, Habitat und Zukunftsaussichten geprüft werden. Und da seien die bisherigen Einschätzungen viel zu negativ, um den Schutzstatus des Wolfs zu verändern.
            dieses sehe ich ebenso. was die ,,flachlandtiroler“ angeht, ganz ausgerottet waren sie nie. man kann stundenlang darüber diskutieren, besserwisserei hat dabei aber noch nie geholfen, wie sie wissen. ich stehe auf dem standpunkt, ohne raubtiere funktioniert keine natur. damit meine ich auch landschaften, die von menschenhand gemacht wurden. Frau Sproesser, bestellte gutachten von geschäftemachern haben noch nie holfen, der natur auf die sprünge zu helfen.

          • Bitte zitieren sie nicht das BfN,
            frau sproesser, sie haben in der tat eine geschickte diskussionsführung. was unbequem ist soll bitte ausgeblendet werden. natürlich nur von dem, der eine andere meinung hat. selbst wird ohne quellenangabe querbeet geschossen. zu welchem verein gehören sie denn nun wirklich?

  15. Nahid Freudenberg

    Sehr geehrter Herr Eckhard,

    nein, ich meinte das keineswegs als Satire. Ich nehme einfach nur die niedergeschriebenen Erfahrungen mit Wölfen und die Statistiken der Todesfälle aus den letzten Jahrhunderten zur Kenntnis, vergleiche die damaligen und dortigen Bedingungen mit den heutigen, sehe auch die heutigen Erfahrungen in Übersee und in den europäischen Staaten, in denen Wölfe leben. Diese Erfahrungen sind öffentlich – man kann sie ernst nehmen, oder man kann sie herunterreden. Bei Wolfs-Bestandszahlen mit einem jährlichen Zuwachs von 30% werden sie bald ernstgenommen werden müssen.

    Und da sind wir schon wieder beim Thema: „Obwohl man den Trend zur Rückkehr der Räuber eigentlich schon lange beobachten kann, hat die stürmische Wiederausbreitung der Wölfe doch selbst Experten überrascht. Als im Jahr 2000 in der sächsischen Oberlausitz zum ersten Mal seit 150 Jahren ein Wolfspaar in Deutschland Welpen großzog, rechnete niemand ernsthaft damit, dass 18 Jahre später der deutsche Wolfsbestand auf mehr als 40 Rudel angewachsen sein würde.“ Damit hätte man rechnen können und müssen, wenn man sich nur minimal mit Berechnungen zur Bestandsentwicklung auseinandergesetzt hätte. Da „rechnete niemand ernsthaft damit“ ist bei einem so leicht voraussagbaren Vorgang wie Populationsentwicklung wenig plausibel – interpretativ bleibt da nur die Wahl zwischen sträflicher Naivität oder bewußtem Betrug an der Bevölkerung.

    Wie Sie zu den Wölfen zutreffend schreiben, hängt ihre Zukunft „eben nicht nur von ihrer natürlichen Vitalität ab, sondern vor allem von der Akzeptanz, die sie bei ihren menschlichen Nachbarn finden.“ Diese Akzeptanz ist gerade rapide am Schwinden, und damit hat der sämtliche Probleme verleugnende Umgang der Umweltministerien, des NABU und der Wolfsberater mit Bevölkerung und Geschädigten viel zu tun.

    Das Konfliktfeld zwischen extensiver Weidewirtschaft und Wolf sehe ich da weit weniger zuversichtlich als Sie. „Wirksame Methoden des Herdenschutzes sind noch nicht für alle Landschafts- und Haltungsformen gefunden, ich nenne die Almwirtschaft und den Küstenschutz.“ – das „noch“ ist nicht nur Schönfärberei, das ist eine völlige Verdrehung der Wirklichkeit: Wir leben jetzt seit 18 Jahren mit Wölfen – mehr als genug Zeit, wirksame Abwehrmaßnahmen zu entwickeln. Aber seither hat sich keine der offerierten Schutzmethoden, seien es Zäune, Herdenschutzhunde, Esel, Lamas oder beliebige Kombinationen davon, als ausreichender Schutz erwiesen. Die empfohlenen Esel und Alpakas wurden einfach gefressen. Die Die Empfehlungen zur Zaunhöhe wurden scheibchenweise erhöht und immer noch übersprungen. Die verwendeten Knotenzäune stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den übrigen Wildbestand dar, sind in der zunehmend notwendigen Höhe auch gar nicht mehr handhabbar. Herdenschutzhunde sind nicht für so eng besiedelte Gegenden geeignet, schon gar nicht für Deiche und Almen voller Touristen. Wolfssicherheit im Herdenschutz wird bei steigenden Bestandszahlen und der unvermeidbaren Habituation immer aufwendiger, immer weniger kompatibel mit dem Schutz anderer, ebenfalls geschützter Tierarten, immer kostenintensiver –wir befinden uns ja erst am Anfang der Bevölkerungsexplosion in der Wolfspopulation. Wenn es – wie in der Diskussion oben – schon reicht, dass ein Schäfer eine Zaunstrecke von 200m 2 Stunden (!) lang sträflich offengelassen hat, um ihn zu disqualifizieren und ihm schon im vorhinein die Schuld für etwaige Risse, ja durch Konditionierung sogar die Schuld für alle weiteren Risse in der Region zuzuschieben, dann dürfte kein real existierender Schäfer Ihre Anforderungen erfüllen. Die Schäfer werden sich nicht mehr lange gefallen lassen, für jeden Riß als Sündenbock beschuldigt, als inkompetent und faul dargestellt, von wolfsfreundlichen Rißgutachtern hingehalten und belogen zu werden.

    Zur Gefährlichkeit des Wolfes für Menschen: Sie heben hier allein auf tödliche Wolfsattacken in West- und Mitteleuropa ab. Und legen damit geschickt den Fokus auf Gebiete mit dünner oder nicht vorhandener Wolfsbesiedlung, und nur auf das seltene Ereignis „Todesfall zweifelsfrei durch Wolf“. Damit bleiben bewiesenermaßen durch Wölfe verursachte Verletzungen (wie die beiden Wolfsangriffe in Südostpolen Mitte 2018 auf 2 Kinder, Wochen zuvor bereits auf eine Frau) und Todesfälle ohne sicheren Wolfsnachweis wie der Tod der Joggerin C. Hollingworth in Griechenland 2017 außerhalb des Blickfelds. Durch die Beschränkung auf Mitteleuropa bleibt beispielsweise der Tod der Joggerin Candice Berner 2010 in Alaska durch mindestens 4 Wölfe (DNA-Analyse des ADFG) ebenfalls außerhalb des Blickfelds. Von der Unzahl von Todesfällen durch Bären (deren Ansiedlung ja auch bereits begonnen hat) in Nordamerika will ich gar nicht reden. Grundsätzlich sind Menschen freßbar und damit potentielle Nahrungsquelle. Und die Wölfe 2010 in Alaska waren zur Zeit des Angriffs sogar gesättigt, wollten also „nur spielen“ – Hunger ist für einen Angriff also gar nicht nötig.
    Die Gefahr für Menschen hier war bisher aufgrund der niedrigen Bestandszahlen vernachlässigbar. Aber es gibt schon Berichte über spielerische Annäherungen. Das Problem wird mit wachsenden Bestandszahlen wachsen. Sie sprechen das Problem der Habituierung an. Das Entstehen solcher Bedingungen müsse konsequent unterbunden werden. Ja wie denn bitte? Das gelingt schon mit den Wildschweinen in den Großstädten nicht. Wie sie bereits im ersten Kommentar schrieben, „Wir haben diese Wildtiere entweder als unmittelbare Nachbarn, oder wir haben sie gar nicht.“ Wie soll man sich an seine unmittelbaren Nachbarn NICHT habituieren? Sollen Dörfer und Vorstädte in Hochsicherheitstrakte verwandelt werden?
    Die Trennung Großprädator-Mensch ist nicht einmal in den USA gelungen, trotz jahrhundertelanger Erfahrung und weitaus mehr Raum. Habituation ist nicht verhinderbar -aber das wissen Sie eigentlich. Um Erfassung der Realität gehts ja auch nicht, sondern um eine Argumentationsfigur, um dem Gegner die Schuld zuschieben zu können. Diese Argumentationsstrategie hatten wir schon oben bei den Schäfern: Es gibt keinen wirksamen Schutz, aber es wird gesagt: „Die Schäfer müssen es besser machen, sich mehr anstrengen, keine Fehler machen, dann gibts keine Risse mehr“ – Hier analog: Habituation ist nicht verhinderbar. Dennoch die Botschaft an die Einwohner: „Vermeidet Habituation und Anlocken, dann klappt das Zusammenleben schon.“ Es wird nicht klappen, aber wer dann daran die Schuld zugeschrieben bekommt, ist damit von vornherein klargestellt.
    Ihren Standpunkt, dass wir Europäer uns nicht auf ein Gewohnheitsrecht berufen können, nur mit ungefährlichen Tieren zusammen zu leben, während wir von Afrikanern verlangen, dass sie sich mit Löwen, Krokodilen, Nilpferden und Elefanten arrangieren, teile ich nicht. Wir müssen uns auf kein Recht berufen, denn es gibt weder eine Verpflichtung noch eine Notwendigkeit, eine seit 150 Jahren ausgestorbene gefährliche Tierart wiedereinzuführen. Wie die afrikanischen Nationen damit umgehen, was wir von ihnen verlangen, sehen wir ja: Mit Wilderei und Verhöckern ihrer Naturschätze. Bekommen wir hier „afrikanische Verhältnisse“, bedrohen (neu und bewußt angesiedelte) Raubtiere Besitz, Leib und Leben der Bürger, werden ihre berechtigten Sicherheitsbedürfnisse weiterhin von der Politik so wenig ernstgenommen, wäre es ihren nicht zu verdenken, wenn sie auch hier die Sache selbst in die Hand nähmen.

    • Du meine Güte, Frau Freudenberg,

      wissen Sie was ein Rabulist (w/m) ist?

      Nach Adelung „[…] ein geschwätziger und dabey ränkvoller Sachwalter, welcher den Sinn des Gesetzes nach seinem Vortheile zu drehen weiß; ein Zungendrescher. Daher die Rabulisterey, ränkvolle Geschwätzigkeit. Es ist aus dem mittlern Lat. ›rabulare‹, viel leeres Geschrey vor Gericht machen, welches wieder von dem Lat. ›Rabula‹, ein Zungendrescher, Rabulist, abstammet. […]“ – J. C. Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 906 (online, Zeno.org/Adelung-1793/A/Rabulist,+der, abgerufen am 21. November 2018).

      Was die terminologische Engführung Ihrer wirren, affektgesteuerten Pauschalisierungen über „Wildtiere“ und „Wilde“ anbelangt, möchte ich Sie (und Ihre Leser) auf einen Text des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz aufmerksam machen, der folgendermaßen beginnt:

      Rechtsextremisten versuchen, mit umweltpolitischen Themen in der Bevölkerung zu punkten. Umweltschutz wird zum „Heimatschutz“ umgedeutet und der Schutz des „eigenen Volkes“ untrennbar mit dem Schutz der Umwelt verbunden.

      • Bitte bleiben Sie beim Thema. Vielen Dank.

        bol/LZonline

        • herr bohlmann , ich bleibe immer beim thema. nur weil ich oft um drei ecken denke und mir man dabei selten folgen kann, ist es nicht anders. das separieren hat noch nie zu nachhaltigen ergebnissen geführt. sie wissen ja, der prophet im eigenen land………

      • Annegret Sproesser

        Jetzt haben Sie sich aber vergallopiert. Dabei waren Ihre vorhergehende Kommentare so klug und sachlich.

    • Nahid Freudenberg
      sie haben was vergessen. die ca 5000 tote jährlich im straßenverkehr. wer will da autos und deren fahrer erschießen?

  16. Herr Eckhard – zu Ihnen fällt mir gerade nur noch dieses geflügelte Wort ein:

    Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.

    Hochnotpeinlich, wie Sie sich nun gebärden und sich mit einer niveauvoll und sachlich vorgetragenen Argumentation nicht anders auseinander zu setzen wissen als mit Beleidigungen und der Nazikeule.

    Herzlichen Dank für Ihre gehaltvollen und sachlich fundierten Beiträge, Nahid Freudenberg!!!

    Herr Klaus Bruhns …. solche Spiegelfechterei führt in der Sache doch keinen Millimeter weiter…..

    • was wollen sie mir mitteilen? was führt denn weiter? abschießen? bange machen? wer hat hier mit der nazikeule geschwungen? kann es sein, dass sie nur das lesen, was sie lesen und verstehen wollen? dass nazis in wirklichkeit angst haben, ist so neu ja nicht. sind sie denn einer? mir ist bekannt, dass es viele bauern gegeben hat und wohl auch noch gibt, die der braunen philosphie sehr nahe stehen. um was geht es hier denn nun wirklich? um subventionen, um wölfe, oder um die verteufelung der wissenschaft? oder geht es doch nur ums geschäft? wer will hier wohl täuschen?

  17. @C.Dieker Herr Mitschke ist doch der Denunziant! Jeder normale Mensch würde den Schafhalter kontaktieren, fragen, Hallo, haste dich festgefahren oder was? Dein Zaun… stattdessen belauert er den Schäfer und kippt ein paar Kübel Dreck über ihm Aus, ohne jeden direkten Kontakt! Das ist schäbig. Einigermaßen lächerlich: seiner Zunft zufolge sind Wölfe ja nur nachtaktiv. Wo wäre dann das Problem, wenn eine Einzäunung bei Tage noch nicht fertig steht?

  18. Kathrin Grüning

    Also Herr Eckhard
    Ich verstehe wirklich nicht, was Sie gegen die sehr guten Texte von Frau Freudenberg einzuwenden haben.
    Ganz im Gegensatz zu manch anderem Zeitgenossen schreibt sie die nicht aus Faulheit oder Zeitmangel umfassend aus irgendwelchen Schaf-foren ab und sie fängt auch wirklich niemals an, die Leute anzupöbeln, wenn die Diskussion zu einem Thema nicht ganz nach ihrem Wunsch verläuft.
    Mit fröhlichem Waidmannsheil und herzlichem Gruß nach Brandenburg
    Gez. Moorfee

    • gegen die texte wird wohl kein vernünftiger mensch etwas haben, nur gegen die angeblichen wahren erkenntnisse. schmunzeln.

  19. So viel ich weiß, ist der sogenannte zivilisierte Mensch das einzige Lebewesen, das nicht im Einklang mit der Natur lebt, d.h. verschwenderisch mit den Ressourcen umgeht.

    Fragen: Würden Wölfe zu den Kadavern zurückkehren und weiter fressen, wenn diese nicht entfernt werden würden? Ist anzunehmen, dass die Zahl der Wolfsrisse sinkt, wenn die Kadaver vor Ort verblieben?

    • Wenn man den Wölfen erlaubt, weiter Nutztiere zu fressen ist das Anfüttern, speziell mit vor Ort liegengelassenen „Kadavern“ Übrigens ein völlig Empathie loser Ausdruck für getötete Tiere,

  20. Annegret Sproesser

    @ Klaus Bruhns
    Ilse Storch von der Universität Freiburg hat mögliche Habitate untersucht und nicht die Sozialverträglichkeit der tatsächlichen Wiederansiedlung von Wölfen dort. Die Arbeit weist auch sonst einige Schwächen auf, die der Autorin durchaus bekannt sind.

    „Ein Experte vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig hält diesen Zustand womöglich für erreicht, wenn es eine „Minimumpopulation“ von 1000 erwachsenen Tieren gibt.“ Schön, dass dieser unbekannte Experte das für notwendig hält. Mir liegt bloß keine stichhaltige Begründung für dessen persönliche Meinung vor. Können sie die bitte nachliefern.

    Das Bundesamt für Naturschutz betreibt im Zeitalter des angestrebten vereinten Europa Kleinstaaterei. Eine Population, die Definition schlagen Sie bitte selber nach, hält sich nicht an politische Grenzen. Da halte ich mich lieber an Herrn Boitanis, in seinen Empfehlungen für das Management von Großprädatoren angegebenen, Fakten und die daraus gezogenen Schlüsse. Diese sind, auch wenn mir manche nicht gefallen wenigstens sauber wissenschaftlich begründet.

    Wenn man Ihrer Argumentation folgt und die Arbeit von Frau Storch mit den Äußerungen von Frau Jessel ernst nimmt braucht jeder der 294 deutschen Landkreise mindestens drei bis vier Wolfsrudel um diesen paradiesischen Zustand zu erreichen.

    Leider vergessen diese Leute, dass dort bereits Menschen leben und das auch weiterhin in Frieden tun wollen.

    Finde den Fehler!

    P.S. Welche Quellenangabe vermissen Sie? Ich werde sie gerne nachliefern.

    • Die Deutsche Wildtier Stiftung wurde am 18. April 2018 zu einer Öffentliche Anhörung zum Thema „Wolf“ in den Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit der Bundesregierung eingeladen und um eine Stellungnahme gebeten. Es lagen Anträge unterschiedlicher Fraktionen vor, die alle auf den zukünftigen Umgang mit Wölfen zielten.
      Geschäftsführer Hilmar Freiherr von Münchhausen vertrat die Position der Stiftung. Der Wolf ist für uns eine Bereicherung der Artenvielfalt Deutschlands. Doch auch die Konflikte mit Landnutzern, insbesondere den Weidetierhaltern müssen ernst genommen und gelöst werden. Dabei steht nicht eine Bejagung von Wölfen zur Diskussion, sondern besserer Herdenschutz und stärkere Förderung der Weidetierhaltung über die EU-Agrarpolitik. Mit einem pragmatischen Ansatz und einem gemeinsamen Engagement von Naturschutz, Jagd und Landwirtschaft wird das Zusammenleben auch mit dem Wolf in unserer Kulturlandschaft gelingen.

  21. Frau Sproesser, sie haben etwas gegen die bfn, gegen das bmu . haben sie was gegen die obrigkeit? schmunzeln. https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland/#c20846
    sie weichen meinen fragen aus, warum? wen vertreten sie?

  22. Sehr geehrter Herr Bruns,

    ist es nicht merkwürdig? Alle Welt will Artenschutz und die Bewahrung der natürlichen Vielfalt. Denken Sie bloß an die Kampagne der Lüneburger Populisten jeglicher Couleur, welche im Sommer zur achtsamen Nachbarschaftlichkeit mit der stets nur aus rein ökonomischen Motiven zuwandernden Wildbiene und sogar mit der kulturell abgehängten, blutgierigen biodeutschen Stechmücke (Culex pipiens) aufgerufen und gefordert hat, einzelne Exemplare durch Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage wiederzubeleben. – Die große Aufregung bricht aber immer dann aus, wenn der Wolf tut, was ein Wolf tun muss. Wenn er also frisst, was er mag: Fleisch direkt vom Erzeuger.

    Es war noch dunkel, sagt Annett Hertweck, als ein Nachbar frühmorgens in ihrer Schäferei anrief, in Förstgen in der sächsischen Lausitz. Er sagte: Eure Tiere laufen heim.
    Wie, die laufen heim?
    Na, eure Schafe sind durchs Dorf unterwegs. Allein.

    Das, sagt Hertweck, sei nie ein gutes Zeichen. Sie sei dann losgefahren, raus zur „Schlangenwiese“, wo in dieser Nacht Hunderte ihrer Schafe standen, elektrisch eingezäunt. „Als ich ankam“, sagt Hertweck, „kam mir schon der Wolf entgegen. Ganz lässig schlappte er den Weg entlang.“

    Sie habe noch gedacht: Ach, eigentlich ganz schön, ihn mal zu sehen. Dann aber bog sie mit dem Auto um die Kurve und erblickte die Folgen eines Massakers. „Da waren unzählige tote Schafe am Wegesrand, aufgerissen und aufgefressen, teilweise war nur noch die Wirbelsäule übrig. Es sah richtig, richtig schlimm aus“, sagt sie. 55 Todesopfer, erledigt vom „Daubaner Rudel“, das in den Wäldern um Hertwecks Hof zu Hause ist.

    „Wölfe richten Blutbad in Schafsherde an“, titelte die Bild-Zeitung am 10. Oktober. Sat.1 und RTL meldeten sich. Der Umweltminister und der Ministerpräsident kamen zu Besuch. Denn wenn der Wolf zuschlägt, ist das ein Thema für ganz oben. Der Wolf regt Deutschland auf. Manchmal scheint es, als seien die Wölfe, ein paar Hundert Tiere, ein zentrales Problem der Republik. Ob der Wolf künftig geschossen werden darf, wird eine der großen Fragen vor den Ost-Landtagswahlen 2019 sein.

    Was also denkt eine Frau wie Annett Hertweck über den Wolf? „Nicht das, was Sie vermuten würden“, sagt sie. „Ich mag den Wolf eigentlich. Und ich will auf keinen Fall, dass Wölfe geschossen werden.“ Die Frontlinien in diesem Kampf sind schwer zu sortieren.

    Was den Menschen am Wolf am allermeisten stört, ist wohl die Tatsache, dass er dem Menschen so ähnlich ist. Wölfe, sagt der Forstwissenschaftler Philipp Kob, einer der wichtigsten Wolfsexperten in der sächsischen Lausitz, Wölfe verhielten sich im Grunde wie ein alteingesessenes Lausitzer Ehepaar. Sie lebten monogam, seien sesshaft und wollten ein Leben lang dort verbleiben, wo sie sich einmal niedergelassen haben.

    Außerdem mögen sie gern deftige Kost. Sie fressen diejenigen Tiere, die sie am leichtesten erwischen können. Wenn es die Rehe sind, fressen sie Rehe. Wenn es die Schafe sind, fressen sie Schafe.

    Man kann es glauben oder nicht, aber die Frau, die sich für die AfD um das Thema Wölfe kümmert, heißt Frau Grimm. Die 51-Jährige ist Landtagsabgeordnete aus der Lausitz, und sie sagt: Der Wolf habe in ihrer Heimat bewirkt, dass nichts mehr sei, wie es vorher war. „In den Wäldern der Lausitz gibt es kaum noch Rehe“, sagt Frau Grimm. „Der holt sich die Schafe und die Kühe, zumindest die kleinen Kälbchen. Er geht in die Wohngebiete, immer öfter. Was, wenn er irgendwann Kinder angreift?“

    Der Wolf, glaubt Silke Grimm, „ist schon nicht mehr so scheu, wie er sein müsste. Der ist ja schlau. Wenn der merkt, es passiert ihm selbst dann nichts, wenn er in Ortschaften marschiert, dann kommt er wieder.“ Die AfD sei zwar nicht für eine Ausrottung des Wolfes. Aber „man muss die Population einschränken“, sagt Grimm.

    Hört man der AfD zu, ist der Wolf so eine Art ihrer so geschimpften „Messermigranten“, nur mit Zähnen. Aus Sicht dieser Partei ist die Zuwanderung des Wolfs nichts anderes als die unkontrollierte Einwanderung kulturfremder Räuber. Die AfD fordert deshalb eine „Obergrenze“ für Wölfe, tatsächlich.

    Man kann aber auch sagen: Die AfD hat den Wolf als weiteres Hit-Thema entdeckt, weil die anderen Parteien es zuließen. Weil sie nie ernst genommen haben, dass die Menschen wirklich mal wieder Angst vorm Wolf haben könnten.

    Experten im sächsischen Umweltministerium schätzen, dass die ersten Wolfssichtungen in Deutschland 1994 stattgefunden haben. Auch damals, vor 25 Jahren, war bekannt, dass Wölfe Raubtiere sind. Das heißt: Ein Vierteljahrhundert lang hatten die Politiker Zeit zu überlegen, was man wohl tun werde, wenn der Wolf einmal in großer Zahl hier leben und sich bemerkbar machen sollte.

    Heute gibt es Hunderte Wölfe in Deutschland, allein um die 200 in Sachsen, so schätzen Umweltpolitiker, in Brandenburg sogar noch mehr. Dass sie sich bemerkbar machen, ist ja offensichtlich: 202 tote Nutztiere in Folge von Wolfsangriffen wurden 2017 in Sachsen registriert. Die Zahl dürfte 2018 noch übertroffen werden. Wölfe werden inzwischen an Bushaltestellen, Kindergärten und Dorfplätzen gesichtet.

    Fragt man Philipp Kob, den Forstwirt, der die Wölfe mit einem alteingesessenen Lausitzer Ehepaar verglichen hat, dann antwortet der: Ohne Mauerfall wäre der Wolf nicht dort, wo er ist.

    Kob arbeitet mit seiner Kollegin, der Ökologin Sophia Liehn, an der Aufklärungsfront: im „Kontaktbüro Wölfe in Sachsen“, in einem Lausitzer Dorf. Sie sollen im Auftrag des Staates Bürger beraten, und zwar alle: Jäger, Förster, Lehrer, Dörfler, Autofahrer. Wolfsfreunde und -feinde.

    „Streng genommen“, sagt Sophia Liehn, „war der Wolf hier nie ausgestorben.“ Unbestritten ist, dass er in Polen immer sesshaft war. Weil sich Tiere nicht an Staatsgrenzen halten, auch nicht an gut bewachte, wanderten immer wieder welche in die DDR ein. Dort durften sie gejagt werden. Also knallten die sozialistischen Jäger sie ab. Etwa ein Dutzend Wölfe wurde auf dem DDR-Gebiet bis 1989 geschossen.

    Als dann aber, mit dem Mauerfall, die DDR der Bundesrepublik beitrat, galten auf einmal deren strenge Naturschutzregeln. Seither dürfen sie auch im Osten nicht mehr geschossen werden. Wenn sich jetzt einer über die Neiße wagt, wird er in Frieden gelassen. Inzwischen ist der Wolf in Sachsen, in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern heimisch. Und in Niedersachsen.

    Es gibt ein wiederkehrendes Muster politischer Großprobleme: Sie treten zuerst im Osten auf, aber sie werden so lange ignoriert, wie sie den Westen nicht betreffen. Das ist auch beim Wolf so.

    „Man kann fast sagen: Es war unser Glück, dass der Wolf endlich auch nach Niedersachsen gekommen ist.“ Der Mann, der das sagt, ist eine Art, Pardon, Leitwolf im Kampf gegen dieses Tier: Lothar Bienst (CDU), ein freundlicher Sachse von 62 Jahren, in seiner Landtagsfraktion für die Wölfe zuständig. Er fordert schon lange ihren Abschuss. Bislang weitgehend erfolglos.

    Wer durchsetzen will, dass der Wolf künftig geschossen wird, muss sich mit einem Wust von Europa- und Bundesrecht herumschlagen. Im Kern müssten Wölfe von einer „streng geschützten“ zur lediglich „geschützten Art“ umdeklariert werden, dann könnte man – so wünscht sich das Bienst – eine bestimmte Schussquote im Jahr festlegen. „Man würde dann zum Beispiel sagen“, erklärt Bienst, „ein Land wie Sachsen verträgt 100 Wölfe. Alles darüber wird geschossen.“ Um das umzusetzen, braucht er die Bundesregierung. Und die braucht Brüssel.

    Das Problem seien aber, so sieht er das, all die Städter, die mit dem Wolf keinen Kontakt hätten und „ihn für ein Streicheltier halten und es ganz toll finden, wenn er wieder Einzug in Deutschland hält. Die haben aber null Ahnung von den Problemen, die der Wolf hier macht.“ Den Schafhaltern sage man immer nur: Ihr seid im Wolfsgebiet, zäunt eure Tiere ein! Mit Elektrozäunen, extrahohen. „Den Wolf aber stört das wenig“, sagt Bienst. „Wenn er im Herbst kommt und seinen Jungen zeigen will, wie man jagt, dann macht der über den Weidezaun drüber. Tötet, frisst und verschwindet.“ Auch den Jägern gehe Verdienst durch die Lappen, weil Wild, das sie schießen und verkaufen wollten, gefressen werde. Hier werde Entscheidendes verkannt! „Der Mensch hat das Sagen. Und nicht der Wolf.“

    Da wird die Sache philosophisch. Lässt der Mensch es sich gefallen, dass da einer im Wald unterwegs ist, der die Hoheit für sich beansprucht, und wenn auch nur über ein paar Rehe? Andersherum gefragt: Hat der Mensch eigentlich ein Recht darauf, immer genügend Rehe vor der Flinte zu haben?

    Bienst sagt: Artenschutz habe immer mit menschlichen Eingriffen zu tun. Man schieße ja auch Wildschweine, die Felder zerwühlen, und Rehe, die Bäume anfressen. Und von der Gefahr für den Menschen sei da noch gar nicht gesprochen. Denn von wegen, das Tier nähere sich den Menschen nicht! Es gebe immer wieder „koppkranke Wölfe“, sagt Bienst. Einer, die Presse taufte ihn Pumpak, näherte sich auffällig oft Siedlungen. Auch auf seinem, Lothar Biensts, Grundstück sei er gewesen. Bienst hat ihn selbst gesehen. Ein anderer hat, das ist erwiesen, in einem Dorf sogar einen angeketteten Hund gefressen.

    Entgegnet man Bienst, dass Problemtiere doch heute schon geschossen werden dürfen; dass der Wolf, der den Hund fraß, geschossen wurde – dann lautet die Antwort: Ja, aber mit wie viel bürokratischem Aufwand! Und wie viel Wut das bei Naturschützern erzeugt habe. Tatsächlich erhielt der Landrat von Görlitz, nachdem er den Abschuss genehmigte, Hunderte Drohmails und Anzeigen.

    Der Wolf ist ein Tier, das versucht, möglichst energiesparend an Nahrung zu kommen. Und er kalkuliert genau, ob ihm bei der Nahrungssuche Risiken entstehen: Schaut ein Reh jagbar aus, geht er drauf. Schaut hingegen ein Hirsch groß und gefährlich aus, nimmt der Wolf eher Abstand. Auch Menschen sind ihm eigentlich unheimlich.

    Ungeschützte Schafe aber sind ihm ein Geschenk: viel Fleisch auf einmal, kaum Gegenwehr. Deshalb, sagen alle Experten, sei ein ordentlicher, hoher Elektrozaun so wichtig, wenn jemand im Wolfsgebiet Schafe halte: Es geht darum, dem Wolf das Gefühl zu geben, dass sich Aufwand, Risiko, Schmerz nicht lohnen. Zwar gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, aber man könne Risiken verringern. Dass in keinem deutschen Bundesland die Förderung von Herdenschutzzäunen gut organisiert ist, ist da ein Problem: In Sachsen erhalten Schäfer 80 Prozent der Anschaffungskosten, allerdings nur für die eher billigen Bestandteile eines Zauns. Wer wirklich guten Schutz will, zahlt ihn selbst.

    Es sei messbar, erklären Umweltschützer, dass Wölfe dort, wo sie einmal Erfolg hatten mit Schafsrissen, überhaupt erst auf den Geschmack kommen. Dass aber Rudel, die frühzeitig mit wachsamen Schäfern konfrontiert waren, mit hohen Elektrozäunen, vielleicht sogar Herdenschutzhunden, sich an Herden gar nicht mehr herantrauen. „Der Wolf ist ein sehr konfliktmeidendes Tier“, sagt die Lausitzer Ökologin Sophia Liehn.

    Aber es gebe auch ein „Rotkäppchen-Syndrom“. Die Geschichten, die den Leuten in ihrer Kindheit erzählt wurden, prägten sie als Erwachsene. Es gebe im Wald auch andere Raubtiere, den Luchs zum Beispiel, der sei zwar kleiner als der Wolf, fresse auch Fleisch, aber für den interessiere sich kein Mensch. Der Luchs kommt eben nicht in Märchen vor.

    Man kenne doch die Geschichte von Lolek und Bolek, sagen einem alle, die man in der Lausitz trifft und nach dem Wolf fragt. Lolek und Bolek waren die zwei Ziegen, die der Kindergarten „Gummistiefelchen“ im Dorf Uhsmannsdorf gehalten hat. Bis zum August. Dann kam der Wolf. Erst war Lolek tot, dann Bolek.

    Seitdem seien die Kinder traumatisiert, die Erzieher verunsichert, und die Eltern wenden sich an Politiker und fragen: Wer ist schuld, wenn so ein Tier das nächste Mal ein Kind anspringt?

    Ilka Reinhardt kann sich fürchterlich aufregen über die Geschichte mit Lolek und Bolek. Reinhardt, 52 Jahre alt, leitet das Lupus-Institut, das sich seit 15 Jahren um die Beobachtung der Lausitzer Wölfe kümmert. „Seit zehn Jahren gibt es in der Gegend, in der diese beiden Ziegen lebten, Wölfe“, sagt Reinhardt: „Seit zehn Jahren wird Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Und trotzdem gab es keine Elektrozäune.“ Dem Wolf, sagt Reinhardt, sei es egal, ob zwei Ziegen am Kindergarten, neben dem Friedhof oder auf der Waldlichtung stehen.

    Ilka Reinhardt sagt, der Wolf sei da, wir müssten uns mit ihm arrangieren. Lothar Bienst sagt: Der Wolf müsse sich mit uns arrangieren. Sie sagt: Schäfer hätten gar nichts von einer Schussquote. „Auch wenn Wölfe geschossen werden, müssen Schafe weiterhin geschützt werden.“ Bienst sagt: weniger Wölfe, weniger Gefahr.

    Vielleicht hat die Lösung viel mehr mit dem Management von Ängsten zu tun als mit Tatsachen, und ein Mann, der jetzt besonders aktiv gegen das Tier kämpft, gibt das sogar ganz offen zu. Thomas Schmidt, Sachsens CDU-Umweltminister, sagt: „Die Bewertung, wie gefährlich der Wolf im Einzelfall sein kann, ist gar nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, dass er Ängste auslöst. Und dass wir vor diesem Hintergrund überlegen müssen: Wie schaffen wir es trotzdem, Akzeptanz für den Artenschutz herzustellen?“

    Der „gute Erhaltungszustand“ der Population, wie die EU ihn fordere, sei irgendwann erreicht. Und von dem Moment an gehe es um einen Interessenausgleich zwischen Artenschutz und Angst. Da könne eine Abschussquote gewissermaßen beruhigend wirken. Jahr für Jahr wachse die Zahl der Tiere um 30 Prozent – „Stellen Sie sich mal vor“, sagt Schmidt, „wir dürften künftig zehn Prozent im Jahr ohne große Verfahren entnehmen. Dann haben wir immer noch eine wachsende Population“.

    Schmidt hat gemeinsam mit seinen Kollegen aus Niedersachsen und Brandenburg eine Bundesratsinitiative gestartet, um den strengen Schutzstatus auf Bundes- und letztlich auf EU-Ebene zu lockern. Seine Partei hat es geschafft, auch die Kanzlerin zur Wolfsgegnerin zu machen. Als Angela Merkel im Sommer nach Dresden kam, belagerte die sächsische Union sie mit dem Thema. Danach sagte die Kanzlerin: Die „Jagbarkeit des Wolfes“ müsse „da, wo es notwendig ist“, realisiert werden. Im Bundestag ist neben CDU und AfD auch die FDP dafür, den Schutzstatus zu lockern. Schmidt sagt, selbst die grüne Baden-Württemberger Regierung sei in Sorge, seit erste Tiere in ihrem Land gesichtet worden sind.

    Mit anderen Worten, Herr Bruns: Es dürfte bald riskanter werden, ein Wolf zu sein.

    Stellen Sie sich bitte darauf ein.

    (In starker Anlehnung an einen Artikel unter der Überschrift: „Wehe, wenn der Wolf kommt. Über einen Migranten, der die Republik in Angst und Schrecken versetzt“ von Martin Machowecz in: DIE ZEIT Nr. 47 / 15. November 2018 / Seite 2)

    • Mit anderen Worten, Herr Bruns: Es dürfte bald riskanter werden, ein Wolf zu sein.

      Stellen Sie sich bitte darauf ein.
      keine sorge, bange machen gilt nicht. schmunzeln. ihre betrachtungsweise hat eine kleine schwäche. angeblich sind die fronten nicht klar gezogen. glauben sie mir, sie sind es. ausnahmen bestätigen bekanntlich immer nur die regeln. ich werde erst schweigen, wenn ich tot bin. da ich eine menge studien über den wolf gelesen habe und nicht nur über dieses tier und ich ganz gut querdenken kann, werde ich für einige weiterhin sehr unbequem bleiben. in diesem sinne Eckhard, weiterhin viel erfolg.