Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Wegen eines Geruchs, den Mitarbeiter als belästigend empfunden haben, hat die Leuphana Universität mit dem Bremer Umweltinstitut eine Spezialfirma für Schadstoffanalytik damit beauftragt, die Luft in einem Großraumbüro des Zentralgebäudes zu untersuchen. Foto: t&w

Gerüche im Libeskind-Bau

Lüneburg. Tränende Augen, Kopfschmerzen und Reizhusten – über solche Symptome haben Mitarbeiter geklagt, die in einem Großraumbüro im Libeskind-Bau sitzen. Eine r von ihnen beschwerte sich darüber, Experten des Bremer Umwelt­institutes kamen deshalb auf den Campus der Universität. Der Verdacht: Der farblose und stechend riechende Stoff Formaldehyd könnte Auslöser sein. Doch das hätten die Toxikologen und Chemiker durch ihre Untersuchungen ausgeräumt, sagt die Pressestelle der Uni auf LZ-Anfrage. Dennoch wurden zahlreiche Lüfter aufgestellt. Dazu heißt es: „Festgestellt wurde lediglich ein leicht erhöhtes Vorkommen flüchtiger organischer Verbindungen in der Raumluft.“

Die Geruchsbelästigung soll vor allem den Trakt in der fünften Etage betreffen, in dem seit einiger Zeit das International Office untergebracht ist. Um die Ursache zu finden, hatte die Uni die Gesellschaft aus Bremen beauftragt. Sie ist für Schadstoffanalysen und Begutachtungen zuständig. Eine Mitarbeiterin bestätigt die Messungen im Zentralgebäude, Details dürfe nur die Leuphana Universität als Auftraggeberin des Gutachtens preisgeben.

Universität dementiert Formaldehyd-Problem

Während mehrere Personen von überschrittenen Grenzwerten erzählen und in dem Zusammenhang auch den als krebserzeugend geltenden Stoff Formaldehyd nennen, versichert Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff: „Es gibt kein Formaldehyd-Problem im Zentralgebäude. Der gemessene Wert lag mit 56 Mikrogramm pro Kubikmeter weit unterhalb des Richtwertes für Innenraumluft.“

Auf Nachfrage, was es mit dem „leicht erhöhten Vorkommen flüchtiger organischer Verbindungen in der Raumluft“ auf sich hat, heißt es, dass mit dem Schadstoffscreening der sogenannte TVOC-Wert ermittelt worden sei – ein Verfahren, bei dem Hunderte solcher Verbindungen, also Alkane, halogenierte Kohlenwasserstoffe, Aldehyde und Alkohole, erfasst werden könnten. „Der hier gemessene Wert betrug 530 Mikrogramm pro Kubikmeter“, sagt Zühlsdorff. Werte zwischen 300 und 1000 würden vom Umweltbundesamt als „hygienisch noch unbedenklich“ eingestuft.
Für Gesprächsstoff sorgt das Thema schon wegen des schlagzeilenträchtigen Gebäudes, in dem es auftrat. Auch im Senat gab es eine Anfrage dazu. Die Antwort des Präsidenten liegt der LZ vor. Daraus geht hervor, dass es zumindest in Teilen des Libeskind-Baus Probleme mit der Raumluft geben muss. Schon Anfang 2017 gab es Messungen, „da Räume geruchlich auffällig waren“. Die ermittelten Werte seien jedoch „hygienisch noch unbedenklich“ gewesen. Die „leicht erhöhten Konzentrationen“ im Jahr 2017 bezeichnet die Uni als „normal“ für einen Neubau, Farben und Kleber hätten noch aushärten müssen. Dabei würden sie Lösemittel abgeben.

Linoleumboden unter Verdacht

Doch wie ist dann die aktuelle Luftverunreinigung zu erklären? Der Senat erhielt folgende Antwort: Die Ursache sei wahrscheinlich eine Einpflege des Linoleumfußbodens in Verbindung mit den hohen Raumtemperaturen im Sommer. „In einigen Wochen wird eine Kontrollmessung zur Überprüfung der Entwicklung stattfinden.“ Zühlsdorff teilt zudem mit, dass die Hochschule die Mitarbeiter auf Empfehlung des Gutachters „um ein verändertes Lüftungsverhalten“ gebeten und Aktivkohle-Luftwäscher aufgestellt habe.

Einschätzung

Klebstoffe als mögliche Quelle

Ein Experte aus der Baubranche, der sich im Zentralgebäude auskennt, hat für die LZ eine Einschätzung abgegeben. Als problematisch stuft er die Lüftungsanlage ein, die „unkontrolliert Luft in die Räume zieht“, damit belastete Luft ins Gebäude holen könnte. Dass es in dem Bau Probleme mit Formaldehyd oder anderen Schadstoffen geben könnte, hält er nicht für abwegig. So könnten verwendete Farben und Klebstoffe durch Ausdünstungen zu höheren Werten führen. Ebenso habe er das dunkle Eichen-Stäbchenparkett im Verdacht. „Es wurde mit einem Kleber auf dem Estrich aufgebracht“, sagt er. „Die Frage ist auch: Wie wurde das Holz behandelt, dass eine solche dunkle Färbung bekommen hat?“

von Anna Paarmann

3 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Also bitte, das Gebäude muss sofort gesperrt werden !
    Der Schutz von Menschen hat ja wohl Vorrang.

    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/TVOC.pdf

    Das Recht auf saubere Luft ist ja ein Menschenrecht.

    https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Verkehr/Feinstaub/2018-10-22_Right-to-Clean-Air_Hintergrundpapier_D.pdf

  2. Jahrtausendstark

    Wenn wir mal ehrlich sind… Das stank doch immer schon gewaltig zum Himmel an der Schaumschlägertwiete 1. Schmunzel