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Das Reh lief auf der Straße zwischen Echem und Scharnebeck gegen ein Auto, verendete kurz danach. (Foto: Privat)

Wer zahlt bei Wildunfällen?

Lüneburg. Der Tiguan-Fahrer ist an einem Sonntag gegen 19 Uhr auf der Landstraße von Echem nach Scharnebeck unterwegs, als ihm etwa 600 Meter vor dem Ortseingang Scharnebeck ein junges Reh schräg vorne gegen das Auto läuft. Er stellt den Tiguan auf einem Parkplatz am Echemer Weg ab, sucht gemeinsam mit einer hilfsbereiten Hundehalterin das Tier: „Das Reh haben wir dann tot am Dr.-Karl-Heinrich-Weg gefunden, daraufhin verständigte ich die Polizei, die den zuständigen Jäger benachrichtigen wollte. Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Tiguan, den ich gerade erst im Juni aus Wolfsburg als Neuwagen abgeholt hatte, zur Polizei, um den Wildunfall zu melden.“ Tags drauf wurde der Schaden von einer Adendorfer Werkstatt begutachtet und vorläufig auf 3200 Euro zuzüglich Umsatzsteuer geschätzt. Der Fahrer ging zu seiner Versicherung.

In der dunklen Jahreszeit ist für Autofahrer erhöhte Vorsicht geboten. Nicht nur Nebel, Laub und rutschige Straßen sind tückisch, auch das Risiko von Wildunfällen steigt. Rund 250 000 Kollisionen von großen Wildtieren mit Kraftfahrzeugen gibt es laut Versicherungswirtschaft pro Jahr auf deutschen Straßen. „Dabei können die Schäden am eigenen Fahrzeug beachtlich sein“, sagt Hendrik Hampel, Sprecher des Bezirks Lüneburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Die meisten sind über die Teil- oder Vollkaskoversicherung gedeckt.

Zusammenstöße mit Federvieh nicht abgedeckt

Zur Vermeidung von Schwierigkeiten sollten Wildschäden aber unverzüglich bei der Polizei oder der Forstbehörde gemeldet werden und natürlich bei der Versicherung.“ Nach einem Wildunfall ist es erforderlich, dass die Polizei oder die Forstbehörde eine sogenannte Wildschadensbescheinigung ausstellt, nur bei Kleinschäden kann darauf verzichtet werden.
Im Rahmen der Teilkasko werden aber nur Fahrzeugschäden ersetzt, die durch einen Zusammenstoß des in Bewegung befindlichen Fahrzeugs mit Haarwild entstanden sind. Dazu gehören beispielsweise Wildschwein, Reh und Hirsch. Unfälle mit Federvieh sind nicht bei allen Versicherungen eingeschlossen, auch nicht Schäden durch Pferde und Ziegen, Hampel: „Sie sind zwar behaart, aber nicht wild. Durch die Vielzahl der Teilkasko-Tarife gibt es aber inzwischen auch ‚Teilkasko-light’-Versicherungen, die selbst Schäden durch Haarwild nicht regulieren, und solche, die Kollisionen mit Tieren erst bei Zusatzbeiträgen einschließen.“

Bei Vollkasko droht eine Rabattrückstufung

Wird der Schaden nicht durch das Wild direkt verursacht, sondern entsteht er durch einen Ausweichversuch ohne Berührung mit dem Wild, können trotzdem Leistungen von der Teilkasko als sogenannte Rettungskosten gefordert werden. Allerdings muss der Geschädigte beweisen, dass Wild auf der Fahrbahn war und so die unmittelbare Gefahr eines Zusammenstoßes bestanden hatte. Dies setzt voraus, dass Zeugen oder Fotos für den Schadenshergang oder im Falle einer Berührung mit dem Wild Spuren wie Haare oder Blut vorhanden sind. Darüber hinaus muss die Rettungshandlung auch objektiv sinnvoll gewesen sein. Bei kleineren Tieren wie Hasen, Mardern oder Füchsen ist nach der Rechtsprechung ein selbstgefährdendes Ausweichen nicht zulässig.

„Anders sieht es bei einer Vollkasko aus“, weiß Hampel. Sie steht auch für Schäden gerade, die durch andere Tiere wie Federvieh verursacht wurden: „Allerdings leider mit prompter Rabattrückstufung, was zu höheren Prämienzahlungen führt. Bei Klein- oder Bagatellschäden sollte man daher vorher durchrechnen, ob sich eine Schadensanzeige bei der Versicherung überhaupt lohnt.“ Hampel warnt: „Die Aneignung von überfahrenem Wild zum Zwecke des Verzehrs erfüllt den Straftatbestand der Jagdwilderei.“

Von Rainer Schubert