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Eltern aus dem Hanseviertel wünschen sich eine Grundschule im Quartier. Die Stadt will lieber bestehende Grundschulen vergrößern

Wohin mit all den Schülern?

Lüneburg. Das Hanseviertel ist Lüneburgs größtes Neubaugebiet. Mehr als 1500 Menschen wohnen dort, mit dem dritten Bauabschnitt sollen es noch einmal gut 1800 weitere Bewohner sein. Zwangsläufig hatten sich Verwaltung und Politik mit der Frage beschäftigt, ob angesichts des Zuzugs vieler Familien eine eigene Grundschule im Quartier gebaut werden soll. Die Verwaltung plädierte für den Weg, lieber die beiden nahegelegenen bestehenden Grundschulen – Lüne und die Igelschule in Neu Hagen – auszubauen. Das stößt bei einigen Eltern auf Kritik.

Mütter und Väter aus dem Viertel haben sich im September zu einer Initiative zusammengeschlossen, unter dem Motto „Gute Schule im Lüneburger Osten“ wollen sie sich mehr Gehör verschaffen. Eine eigene Grundschule im Hanseviertel, die im Bebauungsplan mal avisiert war, steht auf der Wunschliste ganz oben, rund 120 Unterschriften von Bürgern, die dieses Anliegen unterstützen, hat die Gruppe binnen zwei Wochen gesammelt. Die Forderung: Rat oder Schulausschuss sollen sich noch einmal mit dem Thema beschäftigen.

Initiative sieht mangelhafte Transparenz

Doch den Eltern geht es nicht allein um die Forderung nach einem Schulneubau, sie fühlen sich übergangen und wollen generell mehr beteiligt werden an bildungspolitischen Entscheidungen für ihr Quartier, wie Julica Röben von der Initiative deutlich macht. Der Ärger ist im Rathaus angekommen, Bildungsdezernentin Pia Steinrücke meldete sich, bot ein Gespräch an. Das hat inzwischen stattgefunden, zwei öffentliche Veranstaltungen sind ein Resultat daraus.

Die Eltern um Julica Röben wünschen sich mehr Transparenz und kritisieren, dass die Pläne für einen Schulneubau eher im stillen Kämmerlein zu Grabe getragen wurden. Die LZ hatte über das Thema in Zusammenhang mit der Schulausschusssitzung des Rates im Februar berichtet, damals waren zwar Positionen ausgetauscht, aber kein Beschluss gefasst worden.

Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck erklärt: „Wir haben auf Wunsch der Politik eine interfraktionelle Arbeitsgruppe gegründet.“ Die habe sich eben unter anderem mit der Schulplanung im Osten der Stadt beschäftigt. „Es gab eine Verständigung dahingehend, dass aufgrund der Zahlen eine eigene Grundschule für das Hanseviertel nicht erforderlich ist.“ Unter diesen Voraussetzungen ist auch der Ausbau der Grundschulen in Lüne und Neu Hagen geplant und mit den Bildungsfonds-Paketen I und II beschlossen worden. Bauausschuss und Rat hätten zudem den Bebauungsplan abgesegnet, in dem die Schule gestrichen wurde.

Zweifel an Prognosen der Stadtverwaltung

Doch gerade die Zahlen der Verwaltung zweifeln die Eltern an, denn für den dritten Bauabschnitt (0,77 Grundschulklassen pro Jahrgang) rechnet die Stadt mit deutlich weniger potenziellen Schülern als in den beiden bisherigen (1,6 Grundschulklassen pro Jahrgang). Das Plädoyer der Elterninitiative: Wenn schon keine eigene Grundschule im Hanseviertel, dann doch bitte eine „vernünftige Planung mit Puffer“ für die Schule Lüne und die Igelschule und „keine Notlösungen“. Julica Röben: „Wir befürchten, dass sonst in drei Jahren schon wieder angebaut werden muss und die Schüler damit quasi permanent Baulärm ausgesetzt wären.“

Zumindest bei einer Forderung kann die Stadtpressesprecherin den Eltern Hoffnung machen: Anfang 2019 werde sich der Schulausschuss noch einmal mit dem Thema beschäftigen, dann lägen wieder aktuelle Anmeldezahlen für alle Grundschulen vor.

Von Alexander Hempelmann

One comment

  1. Was sitzen da eigentlich für ‚Entscheider‘? Es wird seit Jahren in Zeitungen kundgetan das Eltern ihre Kinder zur Schule mit dem Auto fahren und dadurch die Umwelt belasten und Unfälle provozieren – hier könnte man sehr leicht Gegensteuern in dem man eine Grundschule ‚direkt vor der Tür‘ baut, wodurch Kinder – wie auf dem Dorf – bereits in der Grundschule allein zur Schule gehen könnten.

    Desweiteren wird auch immer wieder angeprangert, dass es zu wenig Platz in den Schulen ist.

    Und was machen diese ‚Entscheider‘? Das absolute Gegenteil von dem was sinnvoll ist. Bin mir sicher, wenn es nach diesen Leuten ginge würde man schon in der Grundschule 40 Kinder in einem Klassenraum sitzen lassen mit einer Lehrkraft.