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Verteidiger Dirk Meinicke mit seinem Mandanten Mohamed E.. Es scheint relativ klar, dass E. zwar den Wagen fuhr, aus dem Schüsse fielen. Doch es ist fraglich, ob auch er gefeuert hat. Er ist inzwischen auf freiem Fuß. (Foto: phs)

Alles geht von vorne los

Lüneburg. Der Prozess um die Schießerei in Kaltenmoor ist geplatzt, das Verfahren muss neu aufgerollt werden. Der Vorsitzende Richter der 4. Großen Strafkammer, Franz Kompisch, ist erkrankt, deshalb können Fristen nicht eingehalten werden. Das bedeutet: Alles auf Neustart. Entsprechende LZ-Informationen bestätigt Landgerichtssprecherin Susanne Ehret.
Wie berichtet, sind Mohamed E. und Farrid M. angeklagt, Anfang April aus einem Auto mehrfach auf eine Gruppe geschossen zu haben. Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Die Anklage spricht von siebenfachem Mordversuch. Hintergrund sollen missglückte Drogengeschäfte gewesen sein. Doch ob sich das Ganze so abgespielt hat, daran bestehen nach den bisherigen Verhandlungstagen große Zweifel.

Neustart womöglich im Frühjahr 2019

Der Hamburger Dirk Meinicke verteidigt Mohamed E., der Rechtsanwalt sagte gestern: „Es ist sehr bedauerlich, dass es von vorne losgeht. Für meinen Mandanten und den Mitangeklagten bedeutet es weiterhin großen Druck.“ Jedoch sehe er einem „Neustart gelassen entgegen“. Er würde es begrüßen, wenn das Verfahren wieder unter Leitung von Kompisch beginnen würde, er rechne damit für das Frühjahr 2019. Klar ist für ihn: „Mein Mandant hat nicht geschossen.“

Drei-Wochen-Frist

Eine Hauptverhandlung darf bis zu drei Wochen unterbrochen werden, heißt es unter Paragraph 229 der Strafprozessordnung. Überschreitet man diese Zeitspanne, „so ist von neuem zu beginnen“. Von dieser Regel gibt es nur wenige Ausnahmen wie etwa eine technische Störung, die greifen im aktuellen Fall nicht.

Die Anklage steht sozusagen fest. Auch nachdem es in der Verhandlung Zweifel am Geschehen gibt, kann die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe nicht neu formulieren. In Paragraph 156 StPO heißt es eindeutig: „Die öffentliche Klage kann nach Eröffnung des Hauptverfahrens nicht zurückgenommen werden.“ Einfach gesagt, die Verantwortung liegt nun beim Gericht. Die zuständige Kammer könnte neue Ermittlungen durch die Polizei anordnen.

Für diese These gibt es Hinweise. E. soll den Audi in der Nacht gefahren und auch eine Waffe abgefeuert haben. Allerdings ergab die Aussage eines Experten der Polizei, dass auf der Fahrerseite keine Schmauchspuren gefunden wurden. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass E. schoss. Aufgrund der neuen Lage hatte die Kammer den Haftbefehl gegen E. aufgehoben.
Als Beifahrer galt sein Cousin Farrid M., der wiederum wurde in derselben Nacht vom Zoll in Hamburg kontrolliert. Es bestehen zumindest Zweifel, ob er tatsächlich in Lüneburg war. Sein mögliches Alibi hatte er aber gegenüber der Polizei zuvor verschwiegen, erst im Prozess war davon die Rede.

Das Verfahren machte deutlich, dass es andere Schützen geben könnte. So spielt Aslan H. offenbar eine Rolle, er könnte etwas mit den Deals Mohamed E.s zu tun haben. Er als auch seine Mutter verweigerten vor Gericht die Aussage mit der Begründung, sie könnten sich selber belasten. Unterschiedliche Zeugenaussagen belegten, dass ein Alibi von Aslan H. auf wackeligen Füßen steht.

Spuren führen zu kurdischen Großfamilien

Und noch ein weiterer Mann geriet in den Fokus. Unmittelbar vor den Schüssen hatte es eine Prügelei gegeben. Ein 24 Jahre alter Bekannter Mohamed E.s war unweit des Tatorts mit einem aus der Gruppe aneinandergeraten. Nach den Schlägen soll der 24-Jährige auf den Wagen zugelaufen sein, aus dem gefeuert wurde. Seine Rolle in dem Geschehen bleibt unklar, als Zeuge hat er noch nicht ausgesagt.

Die Frage bleibt, ob Konflikte weiterschwelen. So wurde im Prozess bekannt, dass eben dieser Mann in Hamburg niedergestochen wurde. Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass es dabei möglicherweise um ein Drogengeschäft gegangen sein könnte. Eine Quelle nennt als mögliche Täter Angehörige aus dem Rockermilieu, eine andere ein kurdisches Café als Tatort.

Zur Erinnerung: Unmittelbar nach der Schießerei hatten die Ermittler Spuren verfolgt, die auf eingewanderten kurdischen Großfamilien hindeuten, die unter anderem in Bremen und Berlin für diverse Delikte infrage kommen und die angeblich versuchen, in Hamburg Fuß zu fassen. Den Tatwagen stellte die Polizei in Hamburg-Hamm sicher. Und: Nicht weit entfernt, am Berliner Tor, soll es laut der Aussage des Angeklagten Farrid M. noch in der Tatnacht ein Treffen mehrerer Beteiligter gegeben haben, der Mann, der später niedergestochen wurde, soll daran teilgenommen haben.

Von Carlo Eggeling

Schüsse in Kaltenmoor: Überraschende Wende im Prozess

13 Kommentare

  1. Können nicht auch mal die Menschen zur Verantwortung gezogen werden, die dafür verantwortlich sind das diese Leute ins Land gelassen wurden, hier bleiben dürfen und eventuell noch dafür gesorgt haben das die Leute eine deutsche Staatsbürgerschaft bekommen? Was kann zukünftig unternommen werden das Straftäter mit Migrationshintergründen ihre Staatsbürgerschaft wieder abgesprochen bekommen.

  2. Norbert Kasteinecke

    „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“

    Katrin Göring-Eckardt auf einem Parteitag der Grünen 2015

    • und ich freue mich auch darauf. nur aus eigener erfahrung wird man tolerant. wer sich selbst einsperrt , hat selbst schuld.

    • Frau/Herr Klaus und Herr Kasteinecke: Zwei pauschalisierende Hetzer comme il faut.

      Verbrecher sind Individuen, keine Merkmalsträger!

      Genau wie Frau/Herr Klaus und Herr Kasteinecke. Jeder von den beiden hetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf LZ-online als Individuum.

      • In der Kultur, aus denen die Drogenhändler vom Stephanusplatz kommen, gibt es kein Rechtsstaatlichkeit im westlichen Sinne. Respekt vor abstrakten Rechtsgütern ist dort nicht zu Hause, genauso wenig wie das Konzept der individuellen Verantwortlichkeit. Aber Familienzusammenhalt, egal wofür oder wogegen. Dass sich Kaltenmoor durch die Arbeit einiger Angehöriger kurdischstämmiger Familien zum überregional bekannten Mafiastandort entwickelt hat, ist daher eben kein Zufall, sondern hat auch etwas mit der kulturellen Herkunft der Protagonisten zu tun. Eine wendlandstämmige oder eine Melbecker Drogenmafia aus alteingesessenen Niedersachsen wäre eine reichlich komische Vorstellung, oder?

        Aber zur Beruhigung: Natürlich werden die Angeklagten maximal individuell und und mit maximaler Milde bestraft werden, wenn überhaupt, was denn sonst.

      • Norbert Kasteinecke

        Oh – heute mal französisch unterwegs – nun denn.

        Ihr zwanghaftes Kontextuieren mit Hetze hat schon etwas von Paranoia.
        Diese infantilen Empörungsrituale von Otto und K. Bruns entsprechen der typischen linken Gutmenschenrhetorik.

        Das ist ein ZITAT !
        Ich habe das nicht gesagt.
        Ich habe auch nicht die Individualität der Täter bestritten, auch nicht Merkmale unterstellt !

        Wenn Sie beide mir jetzt noch erklären, warum diese Aussage der Frau Eckhardt in diesem Zusammenhang hetzerisch sein soll, dieses Land sich also entsprechend der Entwicklung der letzten Jahre nicht verändert hat – und warum man (frau) sich nicht freuen soll, dann werde ich dies der Frau Eckardt zukommen lassen.

        • Was soll uns das Göring-Eckardt-Zitat sagen ?

          Ich vermute, es soll unterschwellig dargestellt werden, dass die GRÜNEN Schuld an diesem Verbrechen tragen.
          Glauben Sie das wirklich – oder versuchen Sie hier wieder einmal das AfD-typische Grüne-Frau-Bushing?

          • Wenn es hier nur noch um die Afd geht und nicht mehr um den Prozess, werden wir die Kommentarfunktion deaktivieren. Bleiben Sie also bitte beim ursprünglichen Thema. Danke. bol/LZonline

          • Schon die ersten beiden Posts, die von Herrn Brau und Norbert Kateinecke sind reine AfD-Propaganda.

            Über Klaus Brau brauchen wir kein Wort zu verlieren. Sein dümmlicher Beitrag richtet sich selbst.

            Mir war daran gelegen, die schleicherische Perfidie von Herrn Kasteinecke noch einmal zu demonstrieren.

  3. „Wie berichtet, sind Mohamed E. und Farrid M. angeklagt, Anfang April aus einem Auto mehrfach auf eine Gruppe geschossen zu haben. Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Die Anklage spricht von siebenfachem Mordversuch. Hintergrund sollen missglückte Drogengeschäfte gewesen sein.“ (Zitat: Carlo Eggeling, LZonline, 21. Nov. 2018)

    „Die AfD fordert, das Waffenrecht im Wesentlichen in seiner derzeitigen Form zu belassen. Das Bedürfnisprinzip für den legalen Waffenbesitz hat sich bewährt. Wir stehen zum Schießsport in der derzeitigen Form. Die Jagdausübung darf nicht behindert werden.“ (Zitat: AfD-Landtagswahprogramm 2016, Baden Württemberg, Seite 14)

    • Norbert Kasteinecke

      Was sollen uns diese Worte sagen ?

      Ich vermute, es soll unterschwellig dargestellt werden, dass die AfD Schuld an diesem Verbrechen trägt.
      Glauben Sie das wirklich – oder versuchen Sie hier wieder einmal das typische Bushing?

      Schauen Sie einmal in den Koalitionsvertrag :

      Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD kommt das Wort „Waffe“ 12 mal vor, 11 mal betrifft es Rüstungsgüter wie ABC- und Kriegswaffen. Einmal betrifft es den Export von Kleinwaffen, zu denen auch zivile Schusswaffen zählen, in Drittländer.

      http://download4.freefiles-18.de/software/s80321/d30219/30/219/koalitionsvertrag_2018.pdf

      Ansonsten kommt zwar das Wort „Sicherheit“ 176 mal vor, doch kaum im Zusammenhang mit „innerer Sicherheit“, dafür vermehrt mit IT-Sicherheit, Cybersicherheit, Rechtssicherheit, sozialer Sicherheit und der Sicherheit in Nah-Ost, Afrika, Lateinamerika, Asien, Afghanistan und innerhalb diverser internationaler Bündnisse.

      Welche Schuld trifft jetzt die derzeitige Bundesregierung?

      Sie können alles verbieten – verhindern können Sie damit solche Taten nicht.

      Nun denn.

      • Oh – heute mal sprachkritisch unterwegs – nun denn.

        Ihr zwanghaftes Kontextuieren mit AfD-Bushing hat schon etwas von Paranoia.
        Diese infantilen Empörungsrituale von Norbert Bundeskater und N. Kasteinecke entsprechen der typischen rechten Opfermenschenrhetorik.

        Das ist ein ZITAT !
        ICH habe das nicht gesagt.
        Ich habe auch nicht die Schuld der AfD an diesem Verbrechen behauptet, auch nicht AfD-Mitschuld unterstellt!

        Wenn Sie mir jetzt noch erklären, warum dieser Ausriss aus dem AfD-Papier in diesem Zusammenhang irreführend sein soll, diese Partei sich also entsprechend der Entwicklung der letzten Jahre nicht ins Extremistische verändert hat – und warum man (frau) sich nicht ängstigen soll, dann werde ich dies dem Herrn Höcke zukommen lassen.
        ______

        P. S.: Ihrem medienkritisch geschulten Auge ist sicher nicht entgangen, dass ich in der letzten Zeile meine vorherigen Posts die Bezeichnung „AfD-Landtagswahprogramm“ gebraucht hatte. Da war also noch offen, ob ein „l“ oder ein „n“ zu ergänzen wäre. Jetzt ist mir klar, für Leser wie Sie kommt nur das „n“ infrage.