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Die Hamburger Hochbahn AG setzt auf Elektrobusse – und orderte 20 Mercedes-Benz eCitaro. Auch die KVG testete in Lüneburg bereits E-Busse. Foto: Hochbahn

E wie Elektro-Bus

Lüneburg/Hamburg. Der Leiter der Daimler-Bussparte ist voll des Lobes: „Die Hamburger Hochbahn AG ist einer der anerkannten Vorreiter für alternative Antriebe im ÖPNV. Wir freuen uns sehr, heute das allererste Serienfahrzeug auszuliefern.“ Mit diesen Worten übergab Till Oberwörder den Schlüssel für den ersten vollelektrischen Stadtbus eCitaro an die Hochbahn AG. Er ist Teil eines Auftrages über 20 eCitaro. Dies, so Oberwörden, sei der größte Einzelauftrag eines deutschen Verkehrsbetriebs für Elektrobusse.

Emissionsfrei ab 2020

Zuvor hatte die Hochbahn mehrere Jahre unterschiedliche Konzepte von Stadtbussen mit elektrischem Antrieb untersucht. Die Hochbahn will ab dem Jahr 2020 nur noch emissionsfreie Omnibusse beschaffen. Sie betreibt rund 1000 Omnibusse auf 111 Linien. Doch auch die KVG in Lüneburg kann als Vorreiter gelten. Das Stader Busunternehmen setzte bereits im November 2017 zwei Elektro-Busse im regulären Linienbetrieb ein.

„Wir wollen frühzeitig erste Erfahrungen mit dieser neuen Technik sammeln. Um ein realistisches Bild zu erhalten, sollen die Fahrzeuge bewusst im Tagesgeschäft eingesetzt werden“, hatte der KVG-Geschäftsführer Jan Behrendt bei einer Probefahrt durch die Innenstadt erklärt.

Diese Busse konnten durchaus überzeugen. Im Einsatz war damals kein Produkt mit Stern, sondern niederflurige Gelenkbusse mit vollständig elektrischem Antrieb des türkischen Herstellers Sileo und der polnischen Firma Solaris. Auch die Reichweite von bis zu 400 Kilometern emissionsfreier Fahrt zwischen Bahnhof und Uni stimmte.

„Wir können nicht einfach sagen: So, jetzt kaufen wir Elektro-Busse, denn die gesamte Infrastruktur muss stimmen.“ – Oliver Blau , KVG-Pressesprecher

Bei der Frage, wann die KVG denn dem Kurs der Hochbahn folgt und mehrere E-Busse anschafft, verweist KVG-Pressesprecher Oliver Blau auf ein paar Probleme. Vor allem beim „Tanken“. Die Stromversorgung am Betriebshof an der Dahlenburger Landstraße reicht nur für eine einzige Ladestation. „Das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt Blau und verweist auf weitere Schwierigkeiten. „Wir können nicht einfach sagen: So, jetzt kaufen wir Elektro-Busse, denn die gesamte Infrastruktur muss stimmen.“ Dazu zählten nicht nur die Ladestationen, sondern auch die komplette Umstellung der Werkstatt. Wartung und Reparatur seien bei E-Bussen anders, die Technik sei überwieged auf dem Dach untergebracht und nicht wie bei Bussen mit Verbrennungsmotoren im Fahrzeugboden. Das erfordere weitere hohe Investitionen, verdeutlicht Blau. Dennoch hält er emissionsfreie Busse gerade auch im historischen Lüneburg für den richtigen und notwendigen Antrieb. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einem Gesamt-Konzept für die Zukunft“, betont Blau. 2019 werde die KVG aber noch keine Entscheidung treffen.

Für Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge stand schon vor einem Jahr fest: Die geplante Förderung privater Bunsunternehmen durch Land und Bund könnte und sollte diesen Entscheidungsprozess beschleunigen.

von Werner Kolbe