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Ein Projekt, das immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde, 2019 aber nun umgesetzt werden soll: die Modernisierung der Bardowicker Straße. (Foto: t&w)

Erneuerung mit Hindernissen

Lüneburg. Abgelehnt, verschoben, zurückgestellt – die Bilanz zur Förderung des Radverkehrs fiel 2018 in vielen Punkten ernüchternd aus. Gleich mehrere Gründe dafür führte die Verwaltung im jüngsten Verkehrsausschuss an, unter anderem die immer noch gut laufende Konjunktur. Aber es gab auch Fortschritte. Und 2019 soll es mit großen Schritten weitergehen: Rund 1,7 Millionen Euro sollen in neue Projekte fließen, mehr als zwei Millionen Euro sollen insgesamt verbaut werden.

Holperpisten

Mit sanierungsbedürftigen Radwegen beschäftigt sich auch Hans-Herbert Jenckel in seiner Rubrik „Herr Heilmann, übernehmen Sie“.  Der langjährige Lokalchef der LZ benennt Fallbeispiele und zeigt mit Fotos und in Videos, wo er für den Radverkehrs-Beauftragten der Stadt Handlungsbedarf sieht. Auch Leser können Hinweise auf marode Radwege geben – einfach auf das Bild klicken:

Blog: „Herr Heilmann, übernehmen Sie!“

Das Dilemma, vor das sich die Verwaltung bei der Umsetzung mehrerer für 2018 geplanter Rad-Projekte gestellt sah, fasste Dezernent Markus Moßmann so zusammen: Die hohe Auslastung der Bauunternehmen habe zu überteuerten Angeboten geführt, dadurch sei eine „haushaltsrechtliche Absicherung“ der jeweiligen Projekte nicht mehr gegeben gewesen. Eine erneute Ausschreibung führe dann „zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung“.

Gleich mehrere Projekte waren davon betroffen, darunter auch Vorhaben, die eigentlich schon für 2017 geplant waren und erst in diesem Jahr abgearbeitet werden konnten. Darunter die Umgestaltung des Rad- und Gehwegs am Springintgut, der Bau der Rampe an der Bundesstraße 216, die Sanierung des Geh- und Radwegs an der Boecklerstraße oder die Erneuerung des Wegs am neuen Uni-Zentralgebäude.

Vorhaben werden immer wieder verschoben

Aber es ging auch plangemäß. So wurde der Radweg auf der Lösegrabenbrücke verbreitert und dessen Unterführung neu gepflastert und beleuchtet, die Lünertorstraße unter der Eisenbahnbrücke mit einem Schutzstreifen versehen und auch die Schnellenberger Allee im dritten Abschnitt befestigt. Der Neubau des Geh- und Radwegs des Ochtmisser Kirchsteigs Höhe Witzendorffstraße ist in Arbeit.

Für 2018 geplant, aber auf 2019 verschoben wurden die Querungshilfe am Ortseingang Rettmer, Geh- und Radwegarbeiten Am Domänenhof und in Kaltenmoor sowie der Ausbau und die Beleuchtung der Geh- und Radwege im Liebesgrund und im ­Scunthorpepark.

Auch die schon länger geplante Umgestaltung des südlichen Teils der Bardowicker Straße soll 2019 kommen. An den veranschlagten Kosten von 570 000 Euro sollen die Anlieger mit 175 000 Euro beteiligt werden. Die Verwaltung will dazu Anwohnerversammlungen durchführen.

Neu für 2019 ins Maßnahmenpaket aufgenommen wurden die Radwegsanierung auf der Friedrich-Ebert-Brücke, die Sanierung von Knotenpunkten auf der Hauptroute 3 und der Ausbau der Nordseite der Dahlenburger Landstraße. Ferner soll die Hindenburgstraße einen Radfahrstreifen bekommen, und es sollen Verkehrserhebungen und Planungen im Rahmen der Radverkehrsstrategie 2025 durchgeführt werden.

Fachkraft wird händeringend gesucht

Noch einmal in Angriff genommen werden soll auch die Sicherung des Fahrradparkhauses am Bahnhof, nachdem ein erster Förderantrag abgelehnt wurde. Die Verwaltung kündigte an, das Projekt gegebenenfalls auch ohne Förderung umzusetzen.

Zurückgestellt wurde die Radwegerneuerung in der Uelzener Straße, sie soll in ein Gesamtkonzept für die Erneuerung der Straße einfließen. Auch die Verbreiterung des Brockwinkler Wegs wurde zurückgestellt.

Auch das Verleihsystem StadtRad soll fortgesetzt und sogar erweitert werden (ausführlicher Bericht dazu folgt).
Vor dem Hintergrund der anstehenden Arbeiten appellierte Lüneburgs neuer Verkehrsplaner Sebastian Heilmann an die Ausschussmitglieder, die Verwaltung bei der Suche nach einer weiteren Fachkraft in seinem Bereich zu unterstützen: „Ansonsten wird es schwierig, das ambitionierte Programm umzusetzen.“ Einhellige Zustimmung bekam er aber schon mal für die vorgeschlagenen Maßnahmen.

Radwegeförderung

Projekte für 2019

2,1 Millionen Euro will die Stadt im kommenden Jahr in den Radwegeausbau investieren, rund 400 000 Euro stammen aus Vorjahres-Vorhaben. Eine Übersicht über die wichtigsten Projekte:

▶ Radweg Dahlenburger Landstraße: 450 000 Euro
▶ Liebesgrund/Scun­thorpepark: 366 000 Euro
▶ Sicherung Fahrradparkhaus: 294 000 Euro
▶ Radweg Friedrich-Ebert-Brücke: 220 000 Euro
▶ Ausbau StadtRad Lüneburg: 125 000 Euro
▶ Beschilderung Radverkehrsrouten: 124 000 Euro
▶ Radweg Bastionstraße: 120 000 Euro
▶ Radwege Artlenburger Landstraße: 112 000 Euro
▶ Ostseite Bockelmannstraße: 90 000 Euro
▶ Verlagerung Hindenburgstraße: 84 000 Euro
▶ Querungshilfe Rettmer: 80 000 Euro
▶ Radweg An der Buchholzer Bahn: 60 000 Euro
▶ Pflasterung Am Domänenhof: 52 000 Euro
▶ Pflasterung Kaltenmoor-Freibad: 45 000 Euro

Von Ulf Stüwe

12 Kommentare

  1. In Burgdorf hat sich heute gerade wieder gezeigt, dass Radwege, aber auch sog. Schutzstreifen nicht nur Fehler haben, sondern dass sie der Fehler sind!
    (Dort ist eine 14jährige Radlerin von einem rechtsabbiegenden LKW überrollt worden. )
    Radwege sind Todeswege!
    „Schutzstreifen sind kaum besser. Sie motivieren, ja zwingen, RadfahrerInnen rechts neben Kraftfahrzeuge zu fahren, welche nach rechts abbiegen wollen.
    RadlerInnen gehören VOR oder HINTER abbiegende Fahrzeuge, aber NIEMALS neben sie.
    Das wird auch bei bestem Willen aller Beteiligten immer wieder zu Schwerverletzten und Todesfällen führen.
    Größere Vorsicht von RadlerInnen wird nichts helfen, weil auch das zu Missverständnissen mit den Wartefplichtigen FahrzeugführerInnen führen muss.
    Ein weiterer, immer wieder tödlicher Gefahrenpunkt sind Anfang und Ende von solchen Fehlplanungen.

    Was wirklich hilft, ist die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht und RadlerInnen /als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen/ auf den Fahrbahnen fahren zu lassen.
    Die Gefahren gehen von den Kraftfahrzeugen aus, Daher müssen Kraftfahrzeugführer mit gut durchdachten Maßnahmen umfangreich geschult, und immer wieder nachgeschult werden.

    • Ich glaube es wird Zeit den ewig pauschalen und haltlosen Argumenten und Behauptungen der teils schon aggressiv auftretenden Radfahrer-Lobby entgegen zu treten.
      Sie behaupten in ihrem Beitrag: „Die Gefahren gehen von den Kraftfahrzeugen aus.“ Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage und ist schlicht falsch. In dem Verkehrsunfalllagebericht des Polizeipräsidiums Berlin für 2017 steht zum Beispiel: Unfallverursacher von Verkehrsunfällen unter Radfahrerbeteiligung: Prozentual die Radfahrer mit 47,31% und nominal 3.599. PKW-Fahrer mit 41,69% und nominal 3.172. Das sind Tatsachen und keine pauschalen Behauptungen mit vorverurteilendem Charakter wie von ihnen. Sie verbreiten hier schlicht Fake-Behauptungen.
      Deshalb ist der darauf folgende Satz von ihnen nicht nur unverschämt sondern sogar als diffamierend zu bezeichen. Sie schreiben: „Daher müssen Kraftfahrzeugführer mit gut durchdachten Maßnahmen umfangreich geschult, und immer wieder nachgeschult werden.“ Das ist schlicht eine Frechheit. Jeder Führer eines Zulassungspflichtigen und/oder Versicherungspflichtigen Kfz wird – IM GEGENSATZ ZU RADFAHRERN – vorab geschult und muß eine Fahreignungsprüfung ablegen. Wollen Sie hier die Welt auf den Kopf stellen nur weil ihnen das in ihr Weltbild besser passt.

      • Sie sind hier derjenige der sich etwas schämen sollte. Es geht hier um Menschenleben, aber das geht in die Köpfe von euch umweltverschandelnden Autofahrern ja nicht rein.

        Und was hat ein Verkehrsunfallbericht aus Berlin mit einem tödlichen Unfall in Niedersachsen zu tuen?

        Die einzigen die eine Lobby haben sind die Autofahrer und ihre angebeteten Mineralölunternehmen

      • Unfallverursacher und Gefahrenquelle sind vollkommen unterschiedliche Dinge!
        Nimmt ein Autofahrer einem Radfahrer die Vorfahrt, verletzt sich der Radfahrer.
        Nimmt ein Radfahrer dem Autofahrer die Vorfahrt, verletzt sich der Radfahrer.

        • Norbert Kasteinecke

          Ja aber … es ist jedesmal das Auto, das den Radfahrer zu Fall bringt und ihn (dadurch) verletzt.

          Eine Welt ohne Kraftfahrzeuge wäre nach Steffens Standpunkt eine bessere Welt – egal ob e. oder Benzin/Diesel.

          Ich hab mir gerade ein Pferd gekauft – schaun wir mal wie das in der City so ankommt.
          Ansonsten gehen wir halt alle wieder zu Fuß.

        • Dann setzen sie diesen „Vergleich“ mal zwischen Fußgängern (kann auch ein Kind sein) und Radfahrern an. Da sieht der Fußgänger dann i.d.R. auch immer schlechter aus. Anders gesagt: Jedes Leben ist auch gewissen Risiken ausgesetzt. Lebensrisiko wird das genannt und ist völlig normal. Dem kann sich kaum jemand entziehen. Es berechtigt auch nicht für alles immer einen anderen zu benennen der angeblich die Schuld daran trägt. Denn so traurig es ist – manchmal ist man eben auch selbst schuld. Blöd was. Ist aber so.
          Ansonsten kann ich sie jedoch beruhigen. Auch dem Gesetzgeber ist bekannt dass von Kraftfahrzeugen eine gewisse Gefahr ausgeht und unterscheidet deshalb bei Unfällen zwischen der sogenannten Gefährdungshaftung und der Verschuldenshaftung. Am Lebensrisiko ändert aber auch das nichts.
          Ansonsten empfehle ich ihnen diese Polizeimeldung aus der LZ: https://www.landeszeitung.de/blog/aktuelles/2114402-bankueberfall. Stichwort: Rad-Rüpel. Radfahrer sind nunmal auch nicht immer „Engel“.

  2. Wie die „Modernisierung“ der Bardowicker Straße für den Radverkehr aussehen wird, kann man sich denken: Ein möglichst schmaler Streifen aus Granitplatten im Kopfsteinpflaster verlegt, möglichst dicht an den Parkplätzen entlang, damit der heilige Denkmalschutz bloß nicht mehr als unbedingt nötig beeinträchtigt wird. Die zu erwartenden Dooringunfälle kann man dann bequem den Radfahrern anlasten. Warum fahren die auch so dicht an den Autotüren vorbei?! Und da nur der südliche Abschnitt bis Lüner Straße umgebaut wird, wird ab Schuhhaus Schnabel
     sowieso wieder wie gehabt auf dem Gehweg rumgeeiert.

  3. Radfahren ist gesund und umweltfreundlich. Das will wohl kaum jemand beweifeln. Über den Radfahrer sagt das jedoch überhaupt nichts aus. Da gibt es mit Sicherheit sehr unterschiedliche Gruppen wie bei Autofahrern. Doch wie Autofahrer auch „gestrickt“ sein mögen habe ich bislang noch keine Forderung seitens der Autofahrer vernommen dass die Kopfsteinpflaster in Lüneburg asphaltiert werden sollen/müssen weil sie die Stoßdämpfer und Karosserie belasten oder weil der Fahrkomfort durch das Pflaster beeinträchtigt wird. Als Alt-Lüneburger würde mir eine derartige Forderung auch nie in den Sinn kommen, weil mir das historische Stadtbild tausendmal lieber und wichtiger ist. Glauben Sie mir „Jörg“. Es ist für jeden Autofahrer nahezu eine Strafe von der Bardowicker Straße hinter die Bardowickermauer einzubiegen weil man hofft dort irgendwo einen Parkplatz zu finden. Das ist nahezu eine Teststrecke für jedes Fahrzeug. Aber dennoch mag ich diese Mittelalterliche Straße und fahre dann mit minimalstem Tempo. Übrigens ist die Straße auch für Fußgänger nicht einfach zu begehen ;-). Aber manchem Radfahrer scheint das historische Stadtbild völlig egal zu sein. Hauptsache es gibt einen komfortablen glatten Radweg. Was dadurch zerstört wird ist ihnen dann scheinbar schnurz weil sie offensichtlich ohnehin keine „Antenne“ dafür haben. – Hier frage ich mich auch warum der Denkmalschutz nicht mal ein Machtwort spricht. Wo bleibt der? – Es kann und darf nicht sein des selbst kleinste Gruppen ihre Forderungen durchsetzen nur weil sie am lautesten schreien und aufbegehren. Muss erst die vielleicht (ich weiß es nicht) weitaus größere Gruppe die anders denkt noch lauter schreien als die kleinere Gruppe damit solch Frevel verhindert werden kann. Und noch eine kleine Anmerkung. Auch zu Fuß gehen soll nicht ungesund sein. Was hindert diejenigen Radfahrer die sich durch das Kopfsteinpflaster beeinträchtigt fühlen daran dieses kurze Stück der Bardowicker Straße ihr Rad zu schieben wenn sie es schonen wollen. Es kostet maximal zwei Minuten Zeit.

  4. Ob Dooring-Unfälle, Kopfhörer auf dem Rad, Handy am Steuer oder fehlender Schulterblick – solange die Leute zu doof oder unwillig sind sich in die Situation anderer Verkehrsteilnehmer hineinzuversetzen und sich selbst einzugestehen das sie nur ein kleiner Teil eines Flusses sind, wird keine Schulung und keine gesetzliche Regelung
    vor den offensichtlichen Gefahren des Strassenverkehrs schützen.

  5. Zum Auftakt der Islamkonferenz in Berlin hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (siehe welt.de: „Seehofer will deutschen Islam etablieren“) klargestellt, dass Autofahrer und Muslime zu Deutschland gehören – jedenfalls bis zum nächsten Interview, in dem er beabsichtigt, wieder das Gegenteil zu behaupten. Außerdem bekräftigte Seehofer: „Muslime haben – selbstverständlich abgesehen von Cem Özdemir, Mesut Özil und diesen Rappern von Feine Sahne Fischstäbchen – die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten wie jeder hier in Deutschland.“ Laut Seehofer bedeutet das: Auch Muslime dürfen ab sofort deutsch denken, deutsch fühlen und deutsch herumgrölen. „Aber auch der Moslem muss jetzt etwas für Deutschland tun, zum Beispiel Falschparker aufschreiben, die CSU/AfD wählen und besoffen Auto fahren; so, wie es das Grundgesetz vorschreibt“, ließ Seehofer wissen. Darüber hinaus müsse wiederum „auch der Deutsche endlich mithelfen, aus dem Islamerer einen besseren Menschen zu machen – und ihn etwa zum Nacktkegeln, Kükenschreddern oder Besserwissen einladen“.

  6. Norbert Kasteinecke

    ohne weiteren Kommentar….

    Rad-Rüpel
    Lüneburg. Bereits am Dienstag gegen 17.15 Uhr soll ein Radler an der Kreuzung Altenbrückertor-/Schießgrabenstraße nach einem Streit mit einer Opel-Fahrerin gegen eine Tür des Autos getreten haben. Der etwa 30-jährige, kräftige Mann, der Kopfhörer trug, fuhr im Anschluss in Richtung Sand davon. Die Polizei meldete eine weitere Flucht: Am Mittwoch streifte ein etwa 20 Jahre alter Radfahrer beim Überholen auf der Dahlenburger Landstraße in Höhe Gellersstraße das Rad eines 61-Jährigen, dieser stürzte und verletzte sich. ca
    LZ vom 29.11.18