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Mord Ehefrau
Der Angeklagte (r.) vor dem Prozessauftakt mit seinen Verteidigern Dr. Jonas B. Hennig (l.) und Moritz Klay im Landgericht. (Foto: be)

Der Angeklagte schweigt

Lüneburg. Der 47-Jährige schweigt, will sich erst äußern, wenn die Zeugen ihre Aussagen gemacht haben. Dr. Jonas B. Hennig, zusammen mit Rechtsanwalt Moritz Klay Verteidiger des Angeklagten, machte am Donnerstag zum Prozessauftakt am Landgericht Lüneburg klar, worauf seine Strategie hinausläuft: „Die Verteidigung geht nicht davon aus, dass ein Mordmerkmal erfüllt ist.“ Die Staatanwaltschaft allerdings ist der Überzeugung: Der Winsener hat seine Frau am 27. Mai mit mindestens acht Messerstichen heimtückisch ermordet.

Trennung unumstößlich

Die Anklage geht laut Oberstaatsanwalt Jochen Kaup von folgendem Geschehen aus: Das Ehepaar, das zwei Kinder im Alter von 9 und 13 Jahren hat, lebte bereits seit Monaten getrennt. Am Nachmittag des 27. Mai machte die Frau ihrem Mann klar, dass die Trennung unumstößlich ist und sie die Beziehung zu einem anderen Mann eingehen wird. Am Abend ging der Ehemann gegen 19.30 Uhr zum Haus, in dem seine Frau mittlerweile wohnte, betrat es durch eine unverschlossene Tür und steuerte die Küche an. Aus einer Schublade griff er sich ein Messer mit 14 Zentimeter langer Klinge. Dann ging er ins Obergeschoss, wo seine Frau gerade telefonierte. Sie war arg- und wehrlos, rechnete nicht mit einer Attacke und hatte auch keine Chance zu fliehen.

„Der Angeklagte hatte vor der Tat Alkohol konsumiert“ – Jochen Kaup , Oberstaatsanwalt

Oberstaatsanwalt Jochen Kaup: „Er hat bewusst zugestochen, mindestens acht Mal.“ Drei Stiche trafen den linken Brustkorb, einer davon ins Herz. Der Angeklagte alarmierte selbst die Polizei, trotz schnell eingeleiteter Rettungsmaßnahmen aber starb die Frau.

Alkohol nicht schuldmindernd 

„Der Angeklagte hatte vor der Tat Alkohol konsumiert“, sagte der Oberstaatsanwalt, schuldmindernd sei dies in diesem Fall aber nicht zu werten.

Der Prozess war zunächst auf fünf Verhandlungstage bis zum 20. Dezember angesetzt, dürfte aber voraussichtlich bis ins nächste Jahr laufen, da es – wie zum Prozessauftakt von der Verteidigung angekündigt – kein Mordgeständnis des Winseners geben wird.

Der Prozess wird am nächsten Mittwoch, 28. November, fortgesetzt, dann sollen die ersten acht Zeugen gehört werden. Geladen ist zudem eine Gerichtsmedizinerin.

Von Rainer Schubert