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Ehrenamt Stelljes-Preis
Gruppenbild mit Preisträgern: (v.l.) Superintendentin Christine Schmid aus dem Preis-Kuratorium, Preisträger Enno Mohr (Soziales), Thomas Jurr von der Sparkasse, Jens Thomsen für die Musikmeile Barnstedt, Wiebke Stelljes, Preisträger Thomas Rochlitz (Sport), Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Saskia Kuntzsch-Zschoch vom Kulturverein Konau 25 und Landrat Manfred Nahrstedt. (Foto: t&w)

Ehrenamt lohnt sich

Lüneburg. 99 Jahre wäre Hans-Heinrich Stelljes in dieser Woche geworden. Er kam 1963 als jüngster Oberstadtdirektor nach Lüneburg und ging 1985 als Dienstältest er im Land. Die Erinnerung an Stelljes wird durch einen jährlichen Preis für ehrenamtliches Engagement wachgehalten. Vier Preise wurden jetzt im Huldigungssaal vergeben.

Ausgelobt wird der mit jeweils 1000 Euro dotierte Preis von der Sparkassenstiftung. Ausgewählt werden Vertreter aus dem Sport, aus dem Bereich Soziales und aus der Kultur, die in diesem Jahr mit zwei Preisen bedacht wurde. Die von Oberbürgermeister Ulrich Mädge eingeleitete Feier wird stets mit Musik begleitet. Sie kam in diesem Jahr von der 14-jährigen Dorothea Dietrich und ihrem Musiklehrer Uwe Friedrich.

Unverzichtbar für den Hockey Club

Im Sport wurde eine Lebensleistung gewürdigt. Thomas Rochlitz, einst Hockey-Bundesligaspieler, kam 1995 in den Vorstand des Hockey Clubs Lüneburg, seit 2003 war er Vorsitzender. Hartmut Deja, Präsident des MTV Treubund, führte in seiner ausführlichen Laudatio eine lange Liste auf, die auf das Rochlitz-Lebenskonto kommen: Jugendarbeit, Clubhaus, Kunstrasenplatz, Halle etc. Nichts wäre ohne Rochlitz gelaufen. In diesem Jahr übergab er sein Amt an Ute Lühr, die Jüngsten trainiert er weiter, und bundesweit ist er als Teammanager der Ü70 aktiv. Keine Frage, das Preisgeld reicht Rochlitz an „seinen“ Verein weiter.

Dass sich auch junge Menschen ehrenamtlich betätigen, wurde bei der Laudatio auf Enno Mohr deutlich. Diakonin Elke Bode stellte den halbseitig gelähmten, gerade 18 gewordenen Preisträger vor. Seit seiner Konfirmation engagiert sich der in Kolkhagen lebende junge Mann in der Kirche. Als Teamer ist er vor allem im Bereich der Arbeit mit behinderten Menschen aktiv. Er zeichne sich durch Geduld aus, er übernimmt Verantwortung – und werde sicher weiterhin vorbildliche Arbeit leisten.

Stars und Studenten

Eine Art Langzeit-Verdienst war in der Sparte Kultur zu würdigen. Saskia Kuntzsch-Zschoch hat in Konau 25 direkt am Deich und dort, wo der Verkehr umdrehen muss, bisher rund 150 Veranstaltungen mit Musik und Literatur angeboten. Der seit 2001 bestehende Verein „Frohe Zukunft“, benannt nach einer früheren LPG, bringt Stars wie Hannelore Hoger, aber auch begabte Studenten an den Deich. Kuntzsch-Zschoch und ihr Mann Joachim Kuntzsch kommen aus dem Theater/Hochschul-Umfeld und haben ein weites Netz aus Kontakten geknüpft. Auch die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern machen gern Station in dem akustisch und atmosphärisch idealen ehemaligen Kuhstall.

Dass ein ganzes Dorf zur Bühne ehrenamtlichen Engagements wird, das liegt am besonderen Charakter Barnstedts. Ausgezeichnet wurde die Musikmeile mit ihrem Kernteam um Jens Thomsen. Seit 2013 ziehen sich Bühnen quer durchs Dorf, unzählige Künstler spielen unentgeltlich und es wird Geld eingesammelt, das vor allem für die Ausbildung von geflüchteten Menschen eingesetzt wird.

Ein Dorf als Nest der positiven Kräfte

Schauspieler Christian von Richthofen würdigte in freier Rede das Engagement der Menschen um „Lokführer“ Thomsen, lobte das Dorf als „Nest der positiven Kräfte“. Für die Musikmeile 2019 am 7. September buchte er kurzerhand die junge Sängerin Dorothea Dietrich, und er selbst wird sicher auch kommen.

Richthofen sang noch unbegleitet Rio Reisers „Wann, wenn nicht jetzt“. Dass er sich aus seiner Lüneburger Zeit als Schauspieler auch an Hans-Heinrich Stelljes erinnerte, macht den Abend rund und wird Enkelin Wiebke Stelljes besonders gefreut haben.

Von Hans-Martin Koch