Aktuell
Home | Lokales | Gestalten auf der Bildungs-Baustelle
Ulrike Lindemann (r.) ist seit fünf Jahren am Johanneum und nun neue Direktorin des traditionsreichen Gymnasiums. Damit ist sie aktuell die einzige Frau an der Spitze eines Gymnasiums im Lüneburger Stadtgebiet. Kerstin Albers-Bullerjahn ist ihre Stellvertreterin. Foto: t&w

Gestalten auf der Bildungs-Baustelle

Lüneburg. Warme Worte gibt es reichlich – für alle. Wer ins Büro der Schulleiterin möchte oder muss, kann sich sein ganz persönliches Lob direkt an der Eingangs tür abholen. In dutzendfacher Ausführung stehen dort Schwarz auf Gelb aufmunternde Worte. Doch es soll nicht bei der geschriebenen Anerkennung bleiben, im täglichen Umgang mit Kollegen und Schülern will Ulrike Lindemann einen wertschätzenden, respektvollen Umgangston pflegen. Das liegt der neuen Direktorin des Lüneburger Johanneums am Herzen.

Seit dieser Woche hat die Pädagogin ihre Urkunde, die nun offiziell macht, was seit dem Abschied ihres Vorgängers Friedrich Suhr im vergangenen Sommer kommissarisch schon gut funktioniert hat. Die bisherige Vize-Chefin rückt einen Posten auf und ein Büro weiter. Fünf Jahre lang hatte sie zuvor an der Seite Suhrs schon Erfahrungen sammeln können, aus Rheinland-Pfalz war sie nach Niedersachsen zurückgekehrt. Lüneburg und das Johanneum gefielen ihr dabei so gut, dass sie nun auch eine Alternative, die sich ihr als Schulleiterin in ihrer Heimat Wolfenbüttel geboten hätte, abgesagt hat.

Lob für nette Schüler und engagiert-kritische Lehrer

„Das Johanneum ist eine sehr gute Schule mit einer sehr guten Schulgemeinschaft“, beschreibt die 55-Jährige ihre Eindrücke aus den Anfangsjahren. Die rund 90 Kollegen seien sehr engagiert aber auch kritisch. Die etwa 1000 Schüler habe sie als lebensfroh und sehr nett kennen gelernt. Und die Eltern zeigen große Bereitschaft, sich für die Schule zu engagieren, zum Beispiel im schuleigenen Bauausschuss“, skizziert die Lehrerin für Deutsch, Latein und – ihr Favorit – Geschichte.

Und gerade in puncto Bauen gibt es noch reichlich zu tun an der Theodor-Heuss-Straße. Schließlich muss der zusätzliche Jahrgang durch die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren auch noch am Gymnasium untergebracht werden. Neben weiteren Klassenzimmern soll es auch für Kunst und Naturwissenschaften neue Räume geben, zudem erfordert das Luftproblem bekanntlich den Austausch der Fenster im Neubau.

Traditionen pflegen, aber kein Stillstand

Die neue Direktorin schreckt vor der Aufgabenfülle nicht zurück. „Gerade ein Traditionsgymnasium wie das Johanneum hat die Verpflichtung, nicht still zu stehen“, findet sie. Zuletzt habe sich das zum Beispiel auch durch die umfangreiche Ausstattung mit neuen Medien gezeigt. Doch auch Traditionelles soll bewahrt werden wie der sprachliche Schwerpunkt mit Alt-Griechisch, Latein, Spanisch und Französisch – wählbar sowohl als zweite als auch dritte Fremdsprache – und der bilinguale Zweig mit Geschichts- und Biologieunterricht auf Englisch.

Zur Arbeit fährt sie aus Oedeme jeden Morgen mit dem Rad, nach der Arbeit bleibt sie „eine typische Deutschlehrerin – ich lese gern“. Auch Sport treibt sie regelmäßig – allerdings weniger durch Leidenschaft als vielmehr durch Vernunft angetrieben, wie sie zugibt.

Von Alexander Hempelmann

Die zweite Neue

Dem guten Ruf gefolgt

Kerstin Albers-Bullerjahn ist neu am Johanneum, sie übernimmt die Stelle als stellvertretende Schulleiterin. Die 46-Jährige ist aufgewachsen in Bad Bevensen, wohnt heute in Egestorf, ist verheiratet und Mutter von vier Kindern. „Ich habe das Gymnasium Salzhausen mit aufgebaut, war zuletzt in Buchholz tätig und wollte nun mal an ein Traditionsgymnasium wechseln“, sagt die 46-Jährige. Das Johanneum habe einen guten Ruf, ihre Brüder seien einst auch hier zur Schule gegangen, während sie an der Wilhelm-Raabe-Schule war. Ihre Fächer sind Chemie und evangelische Religion. Die neue Stellvertreterin und die neue Direktorin kannten sich bislang nicht. Kerstin Albers-Bullerjahn aber hat schon festgestellt: „Eine enge Zusammenarbeit liegt uns beiden sehr am Herzen.“